Heinrich Wiggermann war 48 Jahre lang der Kinderdoktor in Schwerte

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Für viele Schwerter war er der Kinderarzt. 48 Jahre lang war Dr. Heinrich Wiggermann der Kinderdoktor der Stadt. Jetzt starb er im Alter von 99 Jahren. Ein Rückblick auf einen Pionier.

Schwerte

, 08.11.2019, 12:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im August 1998 verabschiedete sich Heinrich Wiggermann von seinen kleinen und großen Patienten. 78 Jahre alt war er da schon. Und mittlerweile auch nicht mehr der einzige Kinderarzt in Schwerte.

Doch als er 1951 seine erste Praxis in der neuen Sparkasse am Postplatz eröffnete, war er der einzige Kinderdoktor weit und breit. Die Patientenbesuche wurden mit dem Motorrad absolviert. Nach Studium, Sanitätsdienst, Kriegsgefangenschaft und einer Fachausbildung an der Kinderklinik in Dortmund fand er in Schwerte seine Bestimmung.

Selbst Vater von drei Kindern widmete er sich nun der Kinder- und Jugendmedizin. Die Praxis wurde von seiner Frau Anneliese gemanagt, die sich neben ihrem Beruf als Lehrerin und den Kindern auch noch um Termine und Patienten kümmerte.

Drei Generationen als Patienten

Später waren es die ehemaligen Patienten, die mit ihren eigenen Kindern die Praxis besuchten. Und am Ende der 48-jährigen Karriere gab es schon Familien, in denen drei Generationen den Kinderarzt besucht hatten.

Zu seinem Abschied erzählte er von Hausbesuchen, der Betreuung und einem Fall, bei dem er sogar Geburtshelfer war. Damals war in einem Haus der Strom ausgefallen. Der Kinderarzt stellte kurzerhand sein Auto vor die Tür, öffnete die und holte so das Kind im Scheinwerferlicht auf die Welt.

Wiggermann gehörte zu jener Ärztegeneration, die über alle Sparten der Medizin Bescheid wusste. Praktika in der Chirurgie, der Orthopädie, im Bereich der Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde und in der Hautklinik verschafften ihm übergreifendes Wissen. Und auch der Sanitätsdienst im Krieg hatte ihm medizinischen Einsatz abgefordert.

Ruhige, tolerante Art

Die Patienten schätzten seine Diagnosen und auch seine ruhige, tolerante Art. Wiggermann war eine Art Urgestein der Schwerter Ärzteschaft. Viele Jahre war er auch Sprecher der Schwerter Ärzte, er vertrat die Schwerter Mediziner in der Ärztekammer und in der Kassenärztlichen Vereinigung. Unter seiner Regie wurde erstmals der Hausärztliche Notdienst organisiert.

Sohn Heinrich übernahm seine Praxis

Die Praxis übernahm 1998 sein Sohn, der ebenfalls Heinrich heißt. Mittlerweile ist die Praxis im Ärztehaus am Marienkrankenhaus Goethestraße beheimatet. Zwischenzeitlich war die Praxis Wiggermann auch an der Hörder Straße und der Kuhstraße ansässig. In den früheren Praxisräumen an der Kuhstraße ist heute unter anderem eine Alten-Wohngemeinschaft beheimatet.

Bis zuletzt nahm Wiggermann an den Treffen des Schwerter Rotary-Clubs teil, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte.

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