In der Robert-Koch-Straße formierten sich Mitglieder der Hindugemeinde zu ihrem Protestmarsch zum katholischen Pfarrheim St. Marien an der Goethestraße, wo der Hinduverein tagte. © Reinhard Schmitz
Protest-Demonstration

Hindus gegen Hindus: Tempelbau am Beckenkamp entzweit die Gemeinde

Drinnen wählte der Hindu-Verein einen neuen Vorstand, während draußen Mitglieder der Hindu-Gemeinde protestierten. Es geht um den neuen Tempel. Dabei wird schweres Geschütz aufgefahren.

„Tempelräuber“ und „Diebe“ – das seien nur einige Verunglimpfungen, mit denen sie öffentlich beschimpft und beleidigt würden, sagt Ulla Rademacher vom Hinduverein Kanankathurka Ampal Aalayam Schwerte. Solche Worte waren auf den Transparenten aber nicht zu lesen, die Gegner des Vereins am Sonntagmorgen (6.6.) bei einer Demonstration durch die Ruhrstadt trugen.

„Warum wurden unsere zweckgebundenen Spenden für den Tempelneubau stattdessen für den Bau einer Veranstaltungshalle verwendet?“, wurde dort beispielsweise gefragt. Und auch eine Art „Filz“ beklagt, den es im Vereinsvorstand ihrer Meinung nach gebe.

Polizei und Ordnungsdienst begleiteten den Protestzug

Der Protestzug vom alten Hindu-Tempel am Robert-Koch-Platz zum Pfarrheim St. Marien zeigte, dass sich derzeit offenbar ein tiefer Riss durch die Hindugemeinde zieht, die bei ihren farbenprächtigen Prozessionen immer ein Bild von friedlicher Einigkeit vermittelt hatte.

Begleitet von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst, marschierten 54 Demonstranten und der Versammlungsleiter Corona-konform zu dem Ort, wo der Hinduverein hinter verschlossenen Türen seine Jahreshauptversammlung abhielt. Vom Parkplatz gegenüber machten dessen Gegner ihrem Ärger in ihrer Landessprache Luft.

Auf Protestplakaten hatten die demonstrierenden Gegner des Hindu-Vereins ihre Fragen aufgeschrieben.
Auf Protestplakaten hatten die demonstrierenden Gegner des Hinduvereins ihre Fragen aufgeschrieben. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Wir haben zu unserem Entsetzen Ende 2019 festgestellt, dass unsere Spenden für den neuen Tempelbau zur Vergrößerung des Tempels nach dem hinduistischen Glauben nicht zweckgemäß verwendet wurden“, erhob ihr Sprecher Vembukurmar Jeganmohan in einer Presseerklärung schwere Vorwürfe. Das Gotteshaus am Beckenkamp steht bisher nur als Rohbau.

Immer noch ein Rohbau ist der Hindu-Tempel am Beckenkamp.
Immer noch ein Rohbau ist der Hindu-Tempel am Beckenkamp. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die Vereinsgegner kritisieren, dass der Grundriss nicht den Ansprüchen entspreche, „da eine Verkürzung der Länge um 3,10 Meter die ordentliche Platzierung der Götter und Heiligtümer unmöglich macht“. Dabei gehe es beispielsweise um die Ausrichtung nach der Himmelsrichtung und die Orientierung innerhalb des Tempels. Mehrfach habe man um eine Umgestaltung des Rohbaus gebeten.

Fertigstellung des Tempels dauert vermutlich noch bis 2022

„Und das nach drei Jahren. Wo waren die Kritiker, als der Bau geplant wurde?“, hält Vereinsmitglied Ulla Rademacher dagegen, die im Pfarrheim die Jahreshauptversammlung leitete. Seit Mitte 2020 werde „Stimmung gegen den Tempelbau“ gemacht, für den angeblich bisher 1 Million Euro gespendet worden sei.

„Tatsächlich beläuft sich das Spendenaufkommen auf dem Baukonto von August 2014 bis 1. Juni 2021 durch die Gläubigen der Hindugemeinde auf zirka 226.000 Euro.“ Die Sparkasse haben einen Kreditrahmen von 1,9 Millionen Euro gewährt, von denen bislang rund 1,5 Millionen Euro ausgegeben seien.

Das Grundstück sei gekauft und ein Gemeindehaus mit Saal fertiggestellt worden, dessen Bauabnahme für den 21. Juni geplant sei. Die endgültige Fertigstellung des Tempels werde sich vermutlich bis 2022 hinziehen. Danach könne der Verein das alte Tempelgelände an der Robert-Koch-Straße verkaufen, dessen Eigentümer er sei.

Vor dem Pfarrheim St. Marien, wo der Hinduverein Schwerte tagte, endete der Demonstrationszug mit einer Kundgebung. Einsatzkräfte der Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst waren vor Ort.
Vor dem Pfarrheim St. Marien, wo der Hinduverein Schwerte tagte, endete der Demonstrationszug mit einer Kundgebung. Einsatzkräfte der Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst waren vor Ort. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Als einen Ursprung der Probleme sieht Ulla Rademacher, dass Spender sich irrtümlich als Mitglieder des Vereins fühlten. Man müsse aber die Gemeinde und den Verein trennen, der 20 Jahre lang durch sieben ordentliche Mitglieder geführt worden sei.

Bis Januar habe man die Mitgliederzahl auf 41 aufgestockt. Bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag sei zudem ein neuer Vorstand gewählt worden, der sich aus erfahrenen Personen und jüngerem „Nachwuchs“ zusammensetze. Vorsitzender ist Suntaharalingam Gobinaath, Geschäftsführer Ganeshhapillai Shunmugathasan. Zwei Positionen seien mit Frauen besetzt.

Auch die Vereinskritiker wünschten sich einen neuen Vorstand

Einen neuen Vorstand hatten auch die Vereinskritiker gefordert. Sie hatten aber bemängelt, dass 33 der 41 Versammlungsteilnehmer „größtenteils miteinander verwandt, verschwägert oder befreundet mit dem Vorstand“ seien. „Wir als Gemeinde wünschen uns einen neuen Vorstand, der das Allgemeinwohl im Sinn hat und die Interessen der hinduistischen Glaubensgemeinde vertritt“, erklärte Vembukumar Jeganmohan.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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