Im "Krummen Schmidt": Fußballjubel und Kultbands

Schwerter Kneipenserie

„Etwas handfester“ ging es in der Gaststube am Eingang zum Marktplatz schon mal zu. Das erzählen alte Schwerter, wenn sie sich an Besuche beim „Krummen Schmidt“ erinnern. So wurde der Wirt von allen genannt. „Vermutlich wegen seiner etwas gebeugten Haltung“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann.

SCHWERTE

, 22.09.2017, 18:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Saal der Gaststätte Schmidt am Markt, die in den 1970er-Jahren bei der Altstadt-Sanierung abgerissen wurde, spielten einst die Lords.

Im Saal der Gaststätte Schmidt am Markt, die in den 1970er-Jahren bei der Altstadt-Sanierung abgerissen wurde, spielten einst die Lords.

Um den Absatz seines Thier-Pils' zu steigern, schaffte der Gastronom zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 schon einen der ersten Fernseher an. Und baute aus Bierfässern und Holzbrettern eine kleine Tribüne, damit auch die Gäste in den hinteren Reihen einen Blick auf den winzigen Schwarzweiß-Bildschirm ergattern konnten. Die Konstruktion krachte im Freudentaumel zusammen, als Helmut Rahn das entscheidende 3:2 gegen die Ungarn schoss. Doch das Malheur störte im Jubelrausch niemanden.

Tanz unter dem Spiegel

Kräftig getanzt wurde ansonsten unter dem riesigen Wandspiegel in dem großen Saalanbau, der Ende der 1960er-Jahre zur Tanzdiscothek Manhatten umgebaut wurde. Die Schwerter Beat-Bands The Shame und The Funny Faces gaben dort ihre Heimspiele. Ihren größten Tag aber erlebte die Disco, als sich die Lords, die deutsche Antwort auf die Beatles, zum Konzert ansagten.

Kurzer Auftritt von den Lords

Von einem Fenster auf der gegenüberliegenden Marktseite beobachtete Uwe Fuhrmann, wie „bestimmt 100 Jugendliche“ vor der Tür auf die damals angesagteste Beatband der Bundesrepublik warteten. Sie kam mit Verspätung, spielte unter Zeitdruck kurz „Poor Boy“ und ein paar andere Hits und packte dann die Instrumente ein. Denn der nächste Auftritt in Düsseldorf wartete.

Im Zuge der Altstadt-Sanierung in den 1970er-Jahren verschwand auch der „Krumme Schmidt“. Er stand in etwa dort, wo heute die Sparkassen-Automatenfiliale am Markt zu finden ist – allerdings ein Stück näher zur Platzmitte hin. „Der Markt war damals 30 Meter schmaler“, erklärt Fuhrmann.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt