Nur mit den fairen roten Bändchen gehts ins Wasser. Das hat Hendrik Buschhaus von der Wasseraufsicht des Elsebads im Griff. © Martina Niehaus
Elsebad

Im rappelvollen Elsebad sorgt ein besonderer Trick für Fairness

Es ist heiß, es ist Wochenende. Das Ergebnis: Im Elsebad in Ergste ist es in diesen Tagen rappelvoll. Damit trotzdem kein Ärger hochkocht, haben sich die Betreiber einiges ausgedacht.

Es ist dieser Mix aus Chlor, Sonnenmilch und ein wenig Schweiß, der einem sofort in die Nase steigt im Elsebad. Dieser nostalgische Freibad-Geruch, der überall gleich riecht.

Hendrik Buschhaus steht im Eingangsbereich und unterhält sich gerade mit einer Lehrerin. Die möchte bald mit einer ganzen Schulklasse zum Schwimmen kommen. „Mittwoch haben wir schon 90 Kinder da, ich schaue nach ob das geht“, erklärt der stellvertretende Betriebsleiter. Er empfiehlt der Lehrerin, sich immer per E-Mail anzumelden. „Dann haben wir einen Überblick über die Anzahl.“

„Leute standen fast bis zur Straße“

Organisation ist zurzeit alles, damit der Schwimmbetrieb laufen kann. Und er läuft – obwohl am Freitagnachmittag (18.6.) gerade keine langen Schlangen vor dem Kassenhäuschen stehen. „Die hatten wir gestern, da standen die Leute fast bis zur Straße“, erinnert sich Buschhaus. „Heute haben viele mit Gewitter gerechnet und sind zu Hause geblieben“, erläutert der 23-Jährige.

Auch im Elsebad muss man sich an die Regeln halten. Die sind aber gut ausgeschildert.
Auch im Elsebad muss man sich an die Regeln halten. Die sind aber gut ausgeschildert. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Tausend Gäste dürfen momentan gleichzeitig ins Bad, ein elektronisches Zählwerk überwacht den Besucherstrom. Hundert dürfen gleichzeitig ins Becken. Das zu organisieren, ist gar nicht so leicht. „Eigentlich dürften wir bei knapp 15.000 Quadratmetern Liegewiese auch mehr als tausend Leute reinlassen“, sagt Buschhaus. Aber das sei nicht fair, wenn nur 100 ins Wasser dürften.

Rote Gummibänder schwimmen im Behälter

Auch so ist es schon eine Herausforderung: An den Eingängen zum Schwimmbereich stehen Behälter, in denen rote Gummi-Armbänder in einer Desinfektionsflüssigkeit schwimmen. Wer den Bereich betritt, nimmt sich ein Bändchen. Wer geht, wirft es wieder in die Schale. Ist die Schale gerade leer, muss man auf das nächste Bändchen warten.

Und hier, sollte man meinen, ist Ärger vorprogrammiert. Mehrere Gäste warten bereits in der prallen Sonne, schauen sehnsüchtig auf die planschenden Menschen im Becken. Eine Frau traut sich und spricht Hendrik Buschhaus an. „Darf ich eventuell vor? Mein Mann und die Kinder sind schon drin, ich würde gern dazu gehen.“

Manchmal bekommen die Bändchen Beine. Wer erwischt wird, darf nach Hause gehen.
Manchmal bekommen die Bändchen Beine. Wer erwischt wird, darf nach Hause gehen. „Alle müssen sich fair verhalten“, sagt der Schwimmmeister. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Hendrik Buschhaus löst das Problem ganz sachlich. „Eigentlich fände ich das jetzt sehr ungerecht, wenn ich Sie vorlasse“, sagt er freundlich. Die Frau geht zurück in die Schlange. „Wenn man mit den Leuten vernünftig spricht, dann haben die Meisten auch ein Einsehen“, sagt er.

Die Meisten. Manche allerdings auch nicht. „Hundertmal am Tag hört man ein Dankeschön, aber den Spruch ‚Du Arschloch‘ höre ich auch mindestens einmal. Der bleibt dann schon hängen“, gibt der Schwimmmeister zu.

Manche meutern, viele haben Verständnis

Doch er macht den Job ja nicht allein: Viele Helferinnen und Helfer, auch Ehrenamtliche, unterstützen die Elsebad-Crew. So wie Angelika Sult. Als pensionierte Lehrerin hat die 69-Jährige die Gäste gut im Griff. „Ich achte darauf, dass die Regeln eingehalten werden, und helfe auch gerne“, erzählt sie. „Wenn es sehr voll ist, meutern schon mal welche.“ Aber viele seien unglaublich freundlich.

Helferin Angelika Sult (69) erinnert die Gäste an die Regeln - und verteilt auch Pflaster, wenn es sein muss.
Helferin Angelika Sult (69) erinnert die Gäste an die Regeln und verteilt auch Pflaster, wenn es sein muss. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

An richtig vollen Tagen – so wie am Donnerstag – muss das Team zu ganz ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. „Die Schlange der Leute, die ins Wasser wollten, wurde immer länger“, erinnert sich Hendrik Buschhaus. „Da haben wir alle halbe Stunde einen kompletten Wechsel gemacht.“

Schwimmbad ist „so herrlich“

Wer es einmal ins Wasser geschafft hat, freut sich. Denn das Becken ist nicht so überfüllt wie wenn – wie sonst – dreihundert bis vierhundert Gäste gleichzeitig schwimmen. Auch Sarah Kisiel (33) aus Westhofen genießt den Tag.

Sarah Kisiel (33) und Aaron (2) genießen die Erfrischung: „Das Warten ist es uns wert!“
Sarah Kisiel (33) und Aaron (2) genießen die Erfrischung: „Das Warten ist es uns wert!“ © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Sie ist mit einer Freundin und insgesamt fünf Kindern im Bad. Auf dem Arm hat sie ihren zweijährigen Sohn Aaron. „Gestern war es sehr, sehr voll. Aber heute ist alles super“, sagt sie. „Der erste Schwimmbadbesuch war so herrlich. Als wäre man fünf Jahre nicht im Urlaub gewesen“, erzählt sie und lacht.

Auf dem Weg nach draußen erklärt Angelika Sult gerade einem riesigen jungen Mann mit tätowierter Schulter, wo er sich ein Pflaster holen kann. Der Hüne hat sich am kleinen Zeh verletzt. Der Tag im Elsebad ist noch lange nicht vorbei.

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