Im Salon Struwwelpeter führen drei Friseur-Meisterinnen die Familientradition fort

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Drei Generationen, drei Friseurmeisterinnen: Der Salon Struwwelpeter in Ergste ist seit 70 Jahren in Familienhand. Er kommt genauso modern daher wie die Chefinnen.

Ergste

, 25.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An den Händen beiden ließ er sich nicht schneiden seine Nägel fast ein Jahr. Kämmen ließ er nicht sein Haar. […] Pfui! ruft da ein jeder: Garst’ger Struwwelpeter“. So dichete Heinrich Hoffmann 1844 und konnte nicht ahnen, dass seine Titelfigur noch 165 Jahre später Namensgeber für einen hochmodernen, stylischen Friseursalon sein würde, aus dem niemand als garstiger Struwwelpeter herauskommt.

Als Helmut Jessinghaus vor 70 Jahren seinen Friseursalon in einem Pavillon eröffnete, ging es ihm ähnlich wie Heinrich Hoffmann: Er hätte sich sicherlich nicht träumen lassen, dass sieben Jahrzehnte später drei Frauen aus seiner Familie den Salon Jessinghaus führen. Und wie sie das tun!

Helmut Jessinghaus legte 1949 den Grundstein

Helmut Jessinghaus‘ Sohn Rolf trat in die Fußstapfen des Vaters, machte seinen Meister und heiratete Elfi. Rolf ging in die Industrie, und trotz der Scheidung übernahm Elfi 1981 den Laden allein. 1996 übergab sie den Staffelstab an ihre Tochter Sandra Dauth. Seit einigen Jahren komplettiert Enkelin Justine Jessinghaus das Team der drei Friseurmeisterinnen.

Elfi Burja hat in den 80er-Jahren den Namen Struwwelpeter für ihren Salon ausgesucht. Jahrzehntelang war die Kinderbuch-Figur mit den spitzen Fingernägeln und dem ungebändigten Wuschelkopf das Wahrzeichen des Ergster Salons, der seine Fühler längst in alle Welt ausgestreckt hatte.

Ausgebildet bei einer Friseurweltmeisterin

Schon Elfi Burja legte großen Wert auf Weiterbildung bei renommierten Berufskollegen. „Wir haben uns alle drei zum Beispiel bei Lehrgängen in London weitergebildet.“

„Das klassische Waschen und Legen und die Dauerwelle sterben langsam aber sicher aus.“
Elfi Burja

Als ihre Tochter Sandra dann auch Friseurin werden wollte, nachdem der kurze Kindertraum von der Automechanikerin mangels Lehrstellenangebot schnell ausgeträumt war, schickte die Mutter die junge Frau nach Lindlar zur Ausbildung. Elfi Burja: „Ich kannte dort eine Friseurweltmeisterin und wusste, dass Sandra dort gut aufgehoben war und eine Menge lernen würde.“ Was bei der Tochter funktionierte, klappte später auch bei der Enkelin: Auch Justine absolvierte ihre Ausbildung im oberbergischen Lindlar.

Justine ist lieber in Ergste als in Berlin

Während Großmutter und Mutter Ergste nie für längere Zeit verlassen haben, zog es Justine nach der Meisterprüfung zunächst in die Ferne. Sie bewarb sich bei Starcoiffeur Shan Rahimkhan und arbeitete eine Zeitlang in dessen prominentem Salon am Berliner Gendarmenmarkt.

Aber es zog sie zurück ins heimische Ergste, zu den starken Friseur-Frauen der Familie - und zur Uroma, der Mutter von Elfi, die als einzige des Gespanns keine Friseurin ist. Die Frauen trennen jeweils ziemlich genau 20 Jahre: Justine ist 26, ihre Mutter Sandra 47, Oma Elfi 67 und die Uroma 87 Jahre alt.

Zum Jubiläum präsentiert sich der Laden komplett neu

Justine durchbricht die Kette der 20-jährigen Mütter, ihr „Baby“ ist derzeit der Laden an der Letmather Straße. Den haben die Meisterinnen gerade umbauen lassen. Nach zweieinhalb Wochen Umbau- und Schließungszeit wurde pünktlich zum 70-Jährigen wieder eröffnet.

„Nein, wir werden kein Revival der Herren-Dauerwelle erleben.“
Justine Jessinghaus

Das vom Fußboden bis zur Decke moderne Outfit des Traditions-Salons haben vor allem Sandra und Justine ausgesucht, die stolz darauf sein können, dass ihr Laden sich mit jedem Hauptstadt-Salon optisch messen kann.

Die Visagistin hat jetzt einen Schminkplatz im Laden

Justine Jesssinghaus ist nicht nur Friseur-Meisterin, sondern auch Visagistin. Der neue Schminkplatz mit dem extra guten Licht steht für Kunden bereit, die sich ein professionelles Make-up machen lassen. Jung, modern, stylisch - trotz dieser Attribute hat die jüngste im Bunde eine Menge Spaß an den „alten Geschichten“. Die junge Meisterin erzählt: „Ich habe eine Kundin, die kam schon zu meinem Uropa. Damals mussten die Kunden zum Beispiel selbst ein Handtuch mitbringen. Und bezahlten manchmal auch mit Kartoffeln statt mit Geld.“

Treue Mitarbeiterinnen und treue Kunden

Dem Salon Struwwelpeter sind nicht nur die Kunden treu. Inge Rinke hat schon ihre Friseurlehre bei Jessinghaus gemacht und geht hier demnächst in Ruhestand. Und auch die Friseurinnen Marion und Heike halten dem Salon seit 35 und 25 Jahren die Treue. Und wenn „Not am Mann“ ist, kommt Elfi Burja mal eben von der Möhne herüber und hilft aus.

Das ganze Team wird am Freitag, 25. Januar, ab 18.30 Uhr mit seinen Kunden das 70-jährige Bestehen und die gelungene Umgestaltung des Ladens feiern.

Ein Lehrling wird nicht dabei sein. „Man findet keine“, beklagt Sandra Dauth. „Interessenten können sich gern bei uns melden“, bekräftigt Justine.

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