Nur drei Schalter: Auto anmelden im Kreis Unna fast unmöglich

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Nach der Coronapause hat das Straßenverkehrsamt Unna wieder geöffnet - aber nur mit Termin. Für den schlagen sich zwei Schwerterinnen seit Tagen die Nächte um die Ohren. Und nicht nur sie.

Schwerte

, 16.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenigstens eine klitzekleine Ablenkung in tristen Corona-Wochen. Ein bisschen den Fahrtwind um den Kopf wehen lassen. Die Kawasaki steht bereit, die Zusatzausbildung für die zugehörige Führerscheinklasse B196 ist längst gemacht. Also drauf auf den Bock und losfahren? Denkste. Das darf Marion Roth immer noch nicht. Sie kann die Erweiterung nicht in ihren Pkw-Führerschein eintragen lassen, weil in Coronazeiten ums Verrecken kein Termin beim Straßenverkehrsamt in Unna zu bekommen ist. Noch schlimmer getroffen hat es ihre Freundin Natalie Schröder, deren Pkw ein Unfallfahrer zu Schrott gemacht hat: Sie kriegt keinen Termin, um den neuen Wagen anzumelden. „Ich bin auf das Auto angewiesen“, sagt die dreifache Mutter, die regelmäßig ein Kind zur Therapie bringen muss.

Coronazeit im Kreishaus Unna: Um die Sicherheitsabstände einhalten zu können, sind im Straßenverkehrsamt derzeit nur drei von 16 Bedienschaltern besetzt.

Coronazeit im Kreishaus Unna: Um die Sicherheitsabstände einhalten zu können, sind im Straßenverkehrsamt derzeit nur drei von 16 Bedienschaltern besetzt. © Constanze Rauert

Nur wer vorab einen Termin im Internet ergattert hat, darf derzeit ins Straßenverkehrsamt im Kreishaus hinein. Freigeschaltet wird der Kalender auf der Homepage des Kreises Unna jeweils um 0 Uhr, wenn der neue Tag beginnt. Doch eine Chance gibt es eigentlich nicht. „Ich habe es die ganze Woche schon versucht“, berichtet Natalie Schröder: „Es ist aufregender als Lottospielen.“ Und was sei mit Berufstätigen, die schon um vier Uhr wieder aufstehen müssen, um zur Arbeit in die Bäckerei oder Altenpflege zu gehen? Die Nerven der Mutter liegen blank. Genauso wie bei Marion Roth, die sich vergeblich Nacht für Nacht um die Ohren geschlagen hat - und sogar Familie und Freunde eingespannt hat: „Heute Nacht haben wir es mit vier Mann versucht, einen Termin zu kriegen - nichts.“

Nur 45 Fälle können bestenfalls pro Arbeitstag bearbeitet werden

„Das ist so“, bestätigt die Pressesprecherin des Kreises Unna, Constanze Rauert, unumwunden: „Ich kann den Frust verstehen.“ Die Kapazitäten im Straßenverkehrsamt sind durch die Sicherheitsmaßnahmen, die bei der Wiedereröffnung nach der Coronapause getroffen werden mussten, drastisch geschrumpft. Von 16 Schaltern haben nur noch ganze drei geöffnet, um die vorgeschriebenen Abstände einhalten zu können. Dass sie nach jedem Besucher desinfiziert sowie die Bürger einzeln am Eingang kontrolliert und zu den Büros geführt werden müssen, verschlingt zusätzliche Zeit. Trotz Zwei-Schicht-Betrieb in der Führerscheinstelle können im Schnitt insgesamt lediglich 45 Fälle pro Tag bearbeitet werden: „Wenn es optimal läuft.“ Das heißt, dass auch die Bürger

alle nötigen Unterlagen griffbereit haben.

Mit Abstand durch ein Zelt - nur auf diesem Wege geht es derzeit zum Straßenverkehrsamt im Kreishaus. Und das auch nur, wenn man einen der wenigen Termine ergattert hat.

Coronazeit im Kreishaus Unna: Mit Abstand durch ein Zelt - nur auf diesem Wege geht es derzeit zum Straßenverkehrsamt im Kreishaus. © Constanze Rauert

Diese stark verringerte Leistungsfähigkeit trifft obendrein noch auf großen Andrang, da sich durch die wochenlange Schließung des Kreishauses eine Bugwelle von Antragstellern aufgebaut hat. Damit nicht auch noch die Autohändler mit Taschen voller Nummernschilder dazwischenfunken, gibt es für diese laut der Sprecherin parallel einen „zusätzlichen Strang“ für die Bedienung.

Angaben auf der städtischen Internetseite waren falsch

„Es gibt keine Alternativen“, bittet Constanze Rauert um Geduld. Marion Roth hatte zunächst noch eine andere Hoffnung. Sie war darauf aufmerksam gemacht worden, dass ihre Führerschein-Erweiterung auch von der Stadt Schwerte auf der Internet-Seite angeboten werde. „Das geht nicht“, habe sei ihr aber vom Bürgerservice im Rathaus beschieden worden. Auch Kontakte mit der städtischen Beschwerdestelle und Bürgermeister Dimitrios Axourgos hätten nichts geändert. Außer dass das Dienstleistungs-Angebot für Fahrerlaubnisse auf der Internetseite der Stadt ganz schnell um eine mager gedruckte Ausnahme ergänzt wurde: „Die Erweiterung der bestehenden Fahrerlaubnis um die Fahrerlaubnisklasse B196 ist nur beim Kreis Unna möglich.“ Dieser Passus habe in der Tat gefehlt, räumt Stadt-Pressesprecher Ingo Rous ein. Man habe die Nachricht von Marion Roth „als Hinweis verstanden“ und die Angaben sofort geändert.

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