Investor plant Burger King auf Rathaus-II-Brache

Nachbar fordert Bebauungsplan

Dort, wo bis 2016 das Rathaus II stand, befindet sich mittlerweile eine Brache. Eingerahmt von einer Tankstelle und einer Waschstraße. Jetzt soll auch noch ein Burger King dort gebaut werden. Für Nachbarn ein Grund zur Sorge. Denn es gibt keinen Bebauungsplan, der einem Investor Grenzen setzen würde.

SCHWERTE

, 07.09.2017, 18:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Brache zwischen der Jet-Tankstelle und der neuen Autowaschstraße an der Schützenstraße, auf der einst das Rathaus II stand, gibt den Nachbarn Anlass zur Sorge.

Die Brache zwischen der Jet-Tankstelle und der neuen Autowaschstraße an der Schützenstraße, auf der einst das Rathaus II stand, gibt den Nachbarn Anlass zur Sorge.

Matthias Buckesfeld ist Nachbar der Brache. „Hier herrscht immer mehr Belastung“, klagt er. Zum einen durch die Tiefbauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Rathauses, zum anderen durch Waschstraße und Tankstelle. Feiner Nebel des Waschmittels liege permanent in der Luft und Kunden, die das Linksabbiegeverbot am Ausgang von Waschstraße und Tankstelle missachten, würden ständig zu wütendem Hupen der übrigen Verkehrsteilnehmer führen.

Deshalb hat Buckesfeld einen Bürgerantrag an den Stadtrat gestellt. Er fordert einen Bebauungsplan für das Gelände, damit die Stadt die planerischen Ziele nicht aus der Hand gibt.

Stadtplaner: "Sünden der Vergangenheit"

Was den Nachbarn Buckesfeld besonders ärgert: Als er bei der Stadtverwaltung nachfragte, ob auf seinem Grundstück ein Anbau oder ein weiteres Einfamilienhaus möglich sei, habe die Stadtverwaltung erhebliche Bedenken geäußert.

Stadtplaner Adrian Mork teilt die Einschätzung. „Hier holen uns Sünden der Vergangenheit ein“, stellt er fest. Denn die beiden Grundstücke, auf denen heute Tankstelle und Waschstraße stehen, hat die Stadt bereits vor Jahren verkauft. Damals stand das Rathaus noch. Erst als es abgerissen wurde, ergriffen die Besitzer die Chance, hier zu bauen.

Parzellen nur schwer zu vermarkten

Jetzt gebe es drei Parzellen, die es auch dem Käufer des Rathaus-Grundstücks schwer machten, das zu vermarkten. Die geplante Umsiedlung des Lidl-Marktes von der gegenüberliegenden Straßenseite scheiterte zum Beispiel an diesem Zuschnitt.

Mittlerweile ist das Grundstück einmal weiterverkauft. Die Castroper Immobiliengesellschaft, die mit ihren Lidl-Ansiedlungen scheiterte, verkaufte es an den Eigentümer der Immobilie des bestehenden Lidl-Marktes. „Der hat uns auch schon Vorschläge gemacht, was er hier bauen möchte“, so Mork. Auf die Zustimmung der Stadt sei dabei die Idee gestoßen, hier einen Bio-Supermarkt anzusiedeln. Der braucht weniger Fläche als Lidl. Weniger erfreut sei man hingegen über Interessenten aus der System-Gastronomie, die es auch für das Grundstück gebe.

„Wir wollen den Bauantrag abwarten und dann einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Areal aufstellen“, kündigte Mork an. Den Auftrag dafür erhielt er am Mittwochabend vom Beschwerdeausschuss des Rates. Denn auch dort herrschte die einhellige Meinung, dass man die Stadtplanung dort nicht dem Zufall überlassen solle.

Investor plant Burger-King-Filiale

Beim Investor stieß das auf wenig Begeisterung. Auf Anfrage erklärte der am Donnerstag: „Bislang haben uns alle Bio-Supermärkte eine Absage erteilt, seit die Supermärkte auch Bioprodukte vertreiben, ist das Geschäft da schwieriger geworden“, so der Investor. Man plane deshalb eine Burger-King-Filiale, aber eine der neuesten Generation. Die Nachbarn bräuchten keine Sorgen wegen Emissionen zu haben.

Zusätzlich verhandele man mit anderen Gewerbetreibenden, denn Burger King würde die vorhandene Fläche nicht komplett ausfüllen. Er habe von der Stadt die Zusage, genau wie Tankstelle und Waschstraße, ohne einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zumindest die Burger-King-Filiale bauen zu dürfen, so der Investor.

Die Vorsitzende des Ausschusses, Angelika Schröder, formulierte einen Beschluss, die Angelegenheit im Planungsausschuss zu beraten. Und dort auch den Bebauungsplan aufzustellen.

Bei Buckesfeld fällt auch das nur bedingt auf Zustimmung. Er wünscht sich einen Bebauungsplan, der unabhängig von den Plänen des Investors die Regeln für das Baugebiet vorschreibt.

 

Unser Redakteur Heiko Mühlbauer kommentiert das Thema:

Sicherheit für Nachbarn und Investoren

"Man kann die Stadtverwaltung ja verstehen. Da hatte man endlich den alten Ladenhüter Rathaus II verkauft, da stellte sich schnell raus, dass der erste Käufer das Grundstück gar nicht nutzen konnte. Nun verhandelt man mit dem zweiten Käufer und soll dem mit einem Bebauungsplan drohen, den es noch nicht gab, als die Kaufverträge geschlossen wurden. Fair ist das nicht. Aber das Versäumnis liegt aufseiten der Stadt. Die hatte nämlich keinen Bebauungsplan aufgestellt. Und solange hier das normale Baugesetz (§34) gilt, zieht jedes Gewerbe, das dort angesiedelt wird, neue Begehrlichkeiten nach sich.

Wenn Tankstelle und Waschstraße möglich sind, warum dann kein Burger-Bräter? Deshalb ist es aus Sicht der Stadt mehr als dringend, hier ihre eigenen Planungsvorstellungen zu formulieren und in Verordnungen zu gießen, um Investoren und den Nachbarn Sicherheit zu geben."

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