Jäger schossen tagsüber auf Enten im Wohngebiet – Nachbarn regen sich auf

mlzJagd im Naherholungsgebiet

Auch der Gehrenbachsee und die Ruhrwiesen zählen zu den Jagdrevieren. Die meisten Tiere dürfen nur am Tage geschossen werden. Immer wieder kommt es dort zu Konflikten mit Spaziergängern.

Schwerte-Ost

, 13.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Hundebesitzer war die Begegnung verstörend. Nichtsahnend führten sie ihre Vierbeiner auf die morgendliche Runde um den Gehrenbachsee, als plötzlich eine Gruppe Jäger auftauchte. Die hätten sie aufgefordert, schnell wegzugehen, berichten sie.

Und kurz darauf hätten schon die ersten Schüsse durch das Naherholungsgebiet am Rande der Eisenbahnersiedlung Schwerte-Ost geknallt. Offensichtlich galten sie den Enten, die friedlich am Uferrand des Teichs dümpelten.

Kreisjagdberater: „Jäger haben das Recht, dort zu jagen.“

„Das ist eine ganz sensible Sache“, erklärt Schwertes Kreisjagdberater Dietrich Junge auf Nachfrage. Dasselbe gelte für den Grüntaler Teich und die Bereiche an der Ruhr. Aber Jäger hätten das Recht, dort zu jagen: „Ich bin mir sicher, dass das mit entsprechender Vorsicht geschieht.“ Aber immer wieder komme es zu Konflikten. „Jäger werden auf das Übelste beschimpft“, berichtet Junge: „Es gab sogar Situationen, wo Jäger bewusst umgestoßen worden sind.“

Die Kanadagans - hier am Grüntaler Teich - rupft den Bauern im Winter das frisch aufgegangene Getreide aus den Feldern.

Die Kanadagans - hier am Grüntaler Teich - rupft den Bauern im Winter das frisch aufgegangene Getreide aus den Feldern. © Reinhard Schmitz

Enten - so Junge weiter - seien ein jagdbares Wild und hätten jetzt auch ihre Jagdzeit. Von Mitte September bis zum 15. Januar dürften sie laut Jagdgesetz geschossen werden. Für Gänse, die sich ebenfalls häufig auf den Gewässern in Schwerte aufhalten, sei sogar ein Zeitraum von Mitte August bis Mitte Januar erlaubt.

Gerade Kanade- und Graugänse haben sich den Angaben zufolge stark vermehrt. „Gänse machen Schäden an Grünland und Ackerkulturen“, sagt Junge und verdeutlicht: „Ein junges Rind frisst so viel wie sieben Gänse.“ Gerade im Winter, wenn kein anderes Futter zu finden ist, rupfen sie mit ihren Schnäbel Gras und gerade aufgegangenes Getreide aus dem Boden: „Gänse fressen nur Frisches.“

Enten dürfen nur bei Tage geschossen werden

Ein Problem für die Jäger: Am Gehrenseebachsee - so Junge - seien eigentlich rund um die Uhr Spaziergänger unterwegs. Und irgendwann müssten sie ja mal jagen. Das ist bei Wasservögeln ohnehin nur zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang möglich. Denn: „Nachtjagd ist nur auf Raubwild und Wildschweine erlaubt“, sagt Junge. Enten würden normalerweise morgens oder abends gejagt, weil sie sich dann am Ufer sammeln. Es gehe nur um die Eindämmung der Bestände, nicht um deren Vernichtung: „Das würde dem Hegegedanken widersprechen.“

Zuständig für die Entenjagd ist laut Junge der jeweilige Revierpächter. Das ganze Stadtgebiet ist in acht Jagdreviere eingeteilt. Am Gehrenbachsee stoßen die Reviere Innenstadt und Lichtendorf-Geisecke aufeinander. Die Böschung hinter dem Gewässer bildet die Grenze zwischen ihnen. Die weiteren Reviere umfassen Westhofen-Wandhofen sowie Gebiete südlich der Ruhr.

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