Zehn Jahre nach der Privatisierung der LEG klagen Mieter in ganz NRW über Probleme. Familie Schneider aus Schwerte wartete fünf Wochen lang auf die Instandsetzung ihres Feuermelders.

Schwerte

, 11.01.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurz schreckt Axel Schneider aus seinem Bett in Geisecke auf. Es ist 3:15 und er hört den Feuermelder. Seit mehr als einem Monat gehe der jede Nacht los, berichten er und seine Frau Patrizia. In der Nacht von 29. auf 30. November werden sie das erste Mal geweckt. Direkt am 30. November rufen sie bei ihrem Vermieter an: der LEG Immobilien AG. Und melden, dass der Feuermelder piepst und blinkt.

Die LEG Immobilien AG verspricht, den Schaden schnellstmöglich an ihren Dienstleister weiterzugeben, an Techem. Diese Firma sei für die Wartung der Feuermelder zuständig.

Techem bestätigt, dass die LEG eine Schadensmeldung weitergegeben habe, die am 5. Dezember eingetroffen sei. Bis 7. Dezember passiert aber nichts, Patrizia Schneider ruft also erneut bei der LEG an. „Wir hatten ja noch nichts gehört, weder von der LEG, noch von der Firma Techem, die sich bei uns melden sollte“, erzählt Patrizia Schneider, „das nächtliche Piepen jede Nacht hat uns nach einer Woche so langsam den letzten Nerv geraubt.“ Man denke im ersten Augenblick immer an das Schlimmste, so Schneider weiter.

Termin nach fünf Wochen

Eine weitere Woche und ein weiterer Anruf von der Familie Schneider vergehen, bis am 21. Dezember endlich ein Termin für die Wartung des Feuermelders vereinbart wird: der 7. Januar 2019. Mehr als fünf Wochen, nachdem der Schaden gemeldet wurde.

Familie Schneider heizt weiter mit einem Kamin und ist ohne Feuermelder. Und das obwohl ein LEG-Mitarbeiter am Telefon sogar geraten haben soll: Legen Sie den Feuermelder halt in den Keller, bis der Schaden behoben ist - wenn Sie der nächtliche Alarm so stört. „Ich dachte, das kann nicht deren Ernst sein“, sagt Patrizia Schneider.

Die LEG Immobilien AG weist alle Schuld von sich. Sie habe die Schadensmeldung weitergeleitet. Insofern verweist man auf den Dienstleister Techem.

Rauchmelder in den Keller legen

An den könne man sich am besten direkt wenden, rieten LEG-Mitarbeiter der Familie Schneider am Telefon. „Nicht nur, dass jeder Anruf Zeit kostet und man ewig nicht Warteschlangen hängt, man spricht jedes Mal wer anders mit einem. Man hat das Gefühl, dass man dort mit leeren Worten abgewiesen wird, ohne das was passiert“, sagt Axel Schneider.

Techem wirbt auf der Firmen-Website mit großen roten Buchstaben: „Rauchmelder retten Leben“. Die meisten Brandopfer würden noch immer im Schlaf überrascht werden.

In einer Stellungnahme zum Fall erklärt sie, die Wartung von sicherheitsrelevanten Geräten würde daher sonst nur wenige Tage dauern. „Im vorliegenden Fall ist die Mitteilung der LEG leider nicht in diesen schnellen Entstörungsprozess eingeflossen, sondern wurde fälschlicherweise von einem anderen Team bearbeitet. Dieses bearbeitet Aufträge zu nicht sicherheitsrelevanten und deshalb nicht zeitkritischen Geräten und wickelt diese ab. Dadurch kam es in diesem Einzelfall zu der vorliegenden Verzögerung bei der Beseitigung der Störung und der Vereinbarung eines Techniker-Termines für den 7. Januar.“

Man bedauere den Vorfall.

Nicht die ersten Probleme mit der LEG

Es seien nicht die ersten Probleme mit der LEG, erzählt Familie Schneider: Die Klingelanlage solle seit 2015 erneuert werden. Mitte November habe es Probleme mit der Treppe gegeben. Und in der Nebenkostenabrechnungen seien Beiträge für einen Gärtner aufgelistet gewesen, der gar nicht existiert habe.

Einzelfälle? Viele Mieter beklagen steigende Mieten, teure Modernisierungen, wenig Instandhaltung und einen Vermieter, der kaum zu erreichen ist.

2008 wurde der ehemalige NRW-Landesbetrieb LEG privatisiert. Mieter sammelten damals 60.000 Unterschriften, um das zu vermeiden. Familie Schneider möchte trotzdem weiter in ihrer Wohnung in Geisecke wohnen bleiben. Erst im April 2015 sind sie einzogen, nachdem sie Schwerte für dreieinhalb Jahre verlassen hatten und in Ostdeutschland gewohnt haben.

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