Jesuskind nach 100 Jahren wieder zu Hause

St.-Viktor-Kirche in Schwerte

100 Jahre lang wurde das Jesuskind in der St.-Viktor-Kirche in Schwerte vermisst. An einer leeren Krippe wachten Maria und Josef diese lange Zeit. Räuber oder Gläubige hatten die Jesusfigur aus dem berühmten Antwerpener Schnitzaltar herausgebrochen. Nun aber ist das Jesuskind wieder da.

SCHWERTE

, 24.12.2015, 08:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Schwerte hat jetzt einen neuen Ehrenbürger", sagte Dr. Bettina Heine-Hippler von der Westfälischen Denkmalpflege, die den Prozess der Rekonstruktion begleitete. Vier Monate brütete die Bildhauerin Brigitte Schröder, die auf die Restaurierung von Antwerpener Altären spezialisiert ist, an dem Entwurf.

Kind war seit über 100 Jahren vermisst

Das Problem: Selbst auf den ältesten Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts fehlte schon jede Spur vom neugeborenen Jesuskind. Eine Vorstellung von seinem Aussehen konnten deshalb nur andere Altarszenen geben, die den Gottessohn später mit den Heiligen Drei Königen und bei der Beschneidung zeigten. "Selbst Babys wurden damals aber mit einem relativ erwachsenen Gesicht dargestellt", erläuterte Dr. Heine-Hippler.

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Ankunft Jesu in Schwerter Viktor Kirche

Maria und Josef neben einer leeren Krippe: Nach mehr als 100 Jahren müssen sich die Besucher der Schwerter St.-Viktor-Kirche diese Situation nicht mehr anschauen. Jetzt gibt es eine neue Jesusfigur.
21.12.2015
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Weitere Anhaltspunkte für die Figur waren ein kleines Loch im Rocksaum der Maria, das wohl zur Befestigung mit einem Holznagel diente und eine kleine Aussparung im Rahmen. „Wir nehmen an, eines der Beinchen ist da rausgerutscht“, so Dr. Heine-Hippler. Mit großer Symbolwirkung. Es zeigt, dass die kleinste Person Grenzen überschreiten kann – als einzige.

Ein Jesuskind aus hell leuchtendem Lindenholz

Im Mittelpunkt steht das Jesuskind jetzt auch durch das hellleuchtende Lindenholz. Bewusst wurde es nicht per künstlicher Alterung an den 1523 aufgestellten Altar angepasst, sondern nur dezent im Stil seiner Zeit "gefasst", wie Brigitte Schröder die Bemalung nennt. Mit einer "Babystudie" aus Knete hatte sie sich zunächst Proportionen und Liegehaltung des Jesuskinds genähert, die dann als Vorbild für die Bildhauerarbeit in Kunst-Modelliermasse gebrannt wurden.

Kindesraub aus dem Altar nicht mehr notwendig

Die Form ermöglicht gleichzeitig, eine Handvoll originaler Repliken aus Gießholz für Liebhaber anzufertigen. "Sie können für 150 Euro bei mir bestellt werden", erklärte Kirchmeister Ulrich Halbach. Kindesraub aus dem Altar haben Liebhaber somit nicht mehr nötig.

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