Zieht er sich zurück? Komplett? Im Interview erklärt Schwertes stellvertretender Bürgermeister Jürgen Paul, warum er nicht mehr als Chef der Seniorenunion kandidiert. Und wie es weitergeht.

Schwerte

, 01.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stellvertretender Bürgermeister, Ratsmitglied, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, Kreisvorsitzender und stellv. Bezirksvorsitzender der Senioren-Union Ruhr, Vorsitzender der Senioren-Union und noch weitere Ämter sorgten und sorgen dafür, dass Jürgen Paul viel zu tun hat und hatte. Jetzt hat er angekündigt, nach der nächsten Kommunalwahl 2020 nicht mehr als stellvertretender Bürgermeister zur Verfügung zu stehen und sich nicht erneut zum Vorsitzenden der Seniorenunion wählen zu lassen.

Herr Paul, was hat dazu geführt, dass Sie zwei ihrer wichtigsten Ämter nicht weiterführen wollen?

Ich war zwölf Jahre Vorsitzender der Senioren-Union. Wir haben in dieser Zeit viel bewegt in Schwerte. Wir haben nicht einfach Senioren-Politik gemacht, wir haben Generationenpolitik gemacht. Wir haben den Bau der Toilette am Bahnhof auf den Weg gebracht, das Kindertelefonbuch ins Leben gerufen, die Waldsicherungspunkte eingeführt, genauso die Notfallkarte mit einer Auflage von 25.000. Die Rettungs-App ist mir sehr wichtig! Schon fast 500 Helfer im Kreisgebiet sind durch ihre schnelle Hilfe zum Lebensretter geworden. Ich möchte, dass wir in Schwerte einen Kinderstadtführer bekommen, daran arbeite ich. Erfolge sind auch das Schulwegleitsystem „Mit Paul & Pauline sicher zur Schule“ - das hat übrigens nichts mit meinem Namen zu tun - für unsere Grundschulen, ebenso die Unterstützung des ambulanten Kinder-und Jugendhospizdienstes. Den Rollator-TÜV, an den am Anfang kaum jemand geglaubt hat, gibt es jetzt seit sieben Jahren mit über 200 Teilnehmern. Viel Gutes hat funktioniert. Jetzt finde ich, ist es Zeit für neue Ideen.

Und das Amt des Ersten Stellvertretenden Bürgermeisters?

Für mich stand und steht der Bürger immer an erster Stelle. Aber mittlerweile ist es so, dass ich in dem Moment, indem ich die Straße betrete, Bürgermeister-Sprechstunde habe, ich werde überall erkannt und auch angesprochen. Wenn nachts um 22 Uhr das Telefon klingelt, bleibe ich zwar höflich, aber das muss ich nicht mehr haben.

Heißt das jetzt, dass Sie sich langsam aus dem öffentlichen Leben in Schwerte zurückziehen und den Ruhestand genießen?

Nein, es gibt noch viel zu tun, ich bin ja noch in den Ämtern. Ich starte gerade das Projekt „Herbstzeit“. Dabei geht es darum, Senioren, ehemalige Nachbarn oder Vereinsfreunde, die sich durch den Umzug in ein Senioren-Heim aus den Augen verloren haben, wieder zusammenzubringen. Da finden jetzt Gespräche mit den Schwerter Seniorenheimen statt. Außerdem soll Schwerte einen Senioren-Rat bekommen. Das wird viel Arbeit. Außerdem übernehme ich ab 2020 die Leitung der Zeitschrift AS (Aktive-Senioren). Weil diese Zeitschrift auf Sponsoren angewiesen ist, habe ich schon jetzt viele Gespräche geführt.

Das erweckt den Eindruck, dass Ihnen der Einsatz für das Gemeinwohl zu sehr am Herzen liegt, als dass Sie ihn wegen des Alters aufgeben könnten?

So bin ich geprägt worden. Früher als ich noch Kind war da gab es nicht viel für uns Kinder. Aber im Turnverein bin ich freundlich aufgenommen und gefördert worden. Diese Hilfe hat aus mir Jemanden gemacht, der gerne hilft. Der Sport hat auch mein weiteres Leben bestimmt. Als ich 68 in Berlin an der Polizeischule war, kam ich mal zu spät von einem Wettkampf wieder. Oh, oh. Da habe ich irgendwie die Lust verloren und bin nach Schwerte zurückgekommen in meinen Job als Werkzeugmacher. Und hier in Schwerte habe ich als Jugendtrainer und als Trainer im Damen und Herrenbereich beim Handball gearbeitet, und dann bin ich zur Politik gekommen. 1999 gab es die erste Anfrage, sachkundiger Bürger für den Sportausschuss zu werden, dann wurde ich aber schon direkt in den Stadtrat gewählt. Nach fünf Jahren im Stadtrat wurde ich fünf Jahre Kreistagsmitglied. 2009 wurde ich wieder in den Rat gewählt und bin seitdem Erster Stellvertretender Bürgermeister.

Ist Ihnen eigentlich alles gelungen, was Sie angefasst haben?

Nein, längst nicht. Zuerst nenne ich da mal die Rollator-Übungsstrecke im Stadtpark. Das Geld ist seit fast fünf Jahren da, ebenfalls die Zusage der SEG, die Strecke zu bauen. Aber nichts passiert. Auch unsere Anregung, die Behindertenparkplätze in die Schwerte-App aufzunehmen, um Parksuchverkehre zu minimieren, wurde noch nicht umgesetzt.

Mal was ganz anderes. Auf Facebook geben Sie als Lieblingsband die „Toten Hosen“ an.

Ja, aber das stimmt nicht ganz. Mein Sohn ist Fan der Toten Hosen. Als die gerade richtig „in“ waren, waren die Lieder im Haus nicht zu überhören. Aber eigentlich mag ich klassische Musik.

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