Schwimmkurse für Kinder sind laut der aktualisierten Corona-Schutzverordnung wieder erlaubt. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Keine Schwimmkurse, geschlossene Bäder: Angst um „Generation Nichtschwimmer“

Während der Corona-Krise hat kaum ein Kind das Schwimmen gelernt. Gefährlich – denn „Schwimmen ist ein potenziell tödlicher Sport“, sagt Jochen Schumacher von der DLRG-Ortsgruppe Ergste-Villigst-Hennen.

Das Coronavirus hat nicht nur das öffentliche Leben und Schulen lahmgelegt. Auch Schwimmkurse fallen aus – und das ist gefährlich. „Schwimmen ist ein potenziell tödlicher Sport“, sagt Jochen Schumacher. Der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Ergste-Villigst-Hennen findet drastische Worte für das Problem.

„Wenn ein Kind, das nicht Fußball spielen kann, gegen einen Ball tritt, passiert selten etwas Schlimmes“, begründet Schumacher seine Sorge. „Wenn aber ein Kind, das nicht schwimmen kann, ins Wasser geht, besteht Lebensgefahr.“

Nur kleines Zeitfenster für Schwimmausbildung

Deshalb setzen sich Organisationen wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für eine möglichst breite Schwimmausbildung für Kinder ein. Ein Kind, das die Grundschule verlässt, sollte schwimmen können, lautet der Grundsatz der Lebensretter.

Jochen Schumacher von der DLRG warnt vor der Gefahr.
Jochen Schumacher von der DLRG warnt vor der Gefahr. © Foto: Bernd Paulitschke © Foto: Bernd Paulitschke

Die Trainer sehen für die Schwimmausbildung nur ein kleines Zeitfenster, beginnend mit dem fünften bis sechsten Lebensjahr bis zum Übergang zur weiterführenden Schule.

Kaum Zeit im Schul-Schwimmunterricht

Erst ab fünf Jahren seien Kinder anatomisch so weit, effektiv schwimmen zu können. Und später, im Schwimmunterricht an den weiterführenden Schulen, hätten Lehrer kaum noch die Zeit, Kindern individuell das Schwimmen beizubringen.

Viele Kinder lernen bei der DLRG schwimmen. Das ist im Moment unmöglich.
Viele Kinder lernen bei der DLRG schwimmen. Das ist im Moment unmöglich. © picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa © picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa

Bereits in den vergangenen Jahren haben Vereine wie die DLRG bemängelt, dass Badschließungen die Schwimmausbildung behinderten. Doch jetzt, in der Corona-Zeit, fällt das Schwimmenlernen ganz aus.

Drei Jahrgänge sind betroffen

Betroffen ist nicht nur der Jahrgang, der im Jahr 2020 keine Schwimmkurse machen konnte, sondern auch der Jahrgang davor. Weil die Corona-Krise im März 2020 begann, fielen viele Seepferdchen-Prüfungen für die Kinder, die eigentlich Schwimmen gelernt hatten, aus.

Und die Kinder, die für die Kurse 2021 angemeldet sind, werden erst mal auf der Warteliste bleiben. Was im vergangenen Jahr aufgeschoben wurde, kann nicht einfach nachgeholt werden.

Und auch bei den Trainern fehlt der Nachwuchs: „Wir haben weder genug Trainer noch genug Zeit in den Becken, um das aufzuholen“, berichtet Jochen Schumacher. Und damit spricht er ein langfristiges Problem an.

Denn die Schwimmkurse waren auch immer Nachwuchspflege. Aus den Vereinsmitgliedern, die bei der DLRG ihre Schwimmausbildung bis zum Rettungsschwimmer meistern, schöpft der Verein seine Jugendbetreuer und Trainer.

Kaum Mitglieder-Verluste

Auch in diesem Bereich könnte eine Lücke entstehen, die sich aber erst in einigen Jahren bemerkbar machen wird. Stolz ist Jochen Schumacher auf die bestehenden Mitglieder seines Vereins.

Obwohl sie jetzt ein Jahr lang kein Vereinsleben mehr genießen konnten, habe es kaum Austritte gegeben. Finanzielle Probleme gibt es bei der DLRG in Ergste-Villigst-Hennen daher praktisch nicht.

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Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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