Kerzen selber gießen. Links: eine Kerze aus einer selbstgebastelten Pappform; Mitte: eine Kerze aus einer wieder verwendbaren Form, in die zunächst weißer Wachs und dann roter Wachs eingefüllt wurden; rechts: klassisch einfarbig ohne Verwendung von Würfeln. © Carina Strauß
Recycling-Kerze

Kerzen aus Resten ganz einfach selbst gießen – mit einer Rolle Klopapier

Was mache ich eigentlich mit den ganzen Kerzenresten vom Adventskranz? Ganz einfach: eine neue Kerze gießen. So geht’s ganz einfach.

Was mache ich eigentlich mit den ganzen Kerzenresten? Für meinen Vater gibt es dazu schon lange eine klare Antwort: aus Alt mach Neu. Mittlerweile bekommt er die Kerzenreste aus dem ganzen Verwandten- und Freundeskreis und gießt damit jedes Jahr aufs neue Kerzen.

Gerade in der Corona-Zeit ein schöner Zeitvertreib, bei dem gleichzeitig Müll gespart wird und ganz individuelle Kerzen entstehen. Und dafür braucht man nicht die Profi-Ausrüstung. Es wird benötigt:

  • eine leere Toilettenpapier- oder Küchenrolle,
  • ein Spieß (z.B. eine Rouladen-Nadel),
  • etwas Klebeband,
  • altes Wachs,
  • ein Topf mit ein bisschen Wasser
  • alte Konservendosen
  • eine feuerfeste Unterlage
  • und natürlich einen Docht.
    Wer möchte, der kann einen Docht auch selber aus Baumwollfäden flechten, allerdings kosten richtige Kerzendochte nicht viel und die Kerzen werden damit wahrscheinlich besser abbrennen.

Alles zusammen? Los geht’s.

Schritt 1: Die Eigenschaften von Wachs

Wachs hat Eigenschaften, die sollte man vor dem Gießen der ersten Kerze kennen. Wachs dehnt sich im warmen Zustand stark aus und zieht sich beim Abkühlen wieder zusammen und ein Hohlraum entsteht. Deswegen muss eventuell nach dem Abkühlen noch mal Wachs nachgegossen werden.

Dazu ein Tipp: Um das Nachfüllen zu vermeiden, haben wir zunächst weiße Wachswürfel in die Form gepackt. Diese sorgen nicht nur für eine besondere Musterung der Kerze, sondern auch dafür, dass beim Eingießen des Wachs das Risiko von Luftlöchern geringer wird und sich der Effekt, dass sich das Wachs beim Abkühlen zusammenzieht und eine leere Kuhle hinterlässt, minimiert.

Dafür einfach weißen Wachs schmelzen, in eine flache, feuerfeste Form gießen und wenn das Wachs noch nicht kalt, aber schon schneidbar ist, in Würfel schneiden.

So kann es aussehen, wenn zunächst Würfel in die Form gegeben werden. Dadurch minimiert sich der Effekt, der entsteht, wenn sich Wachs beim Abkühlen zusammenzieht. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 2: Der Fuß

Vorab: Wer viele Kerzen und regelmäßig Kerzen gießen möchte, für den kann es sich empfehlen, wieder verwendbare Formen zu kaufen.

Für die selbstgebastelte Form nehmen wir zunächst ein quadratisches Stück Pappe. Nun wird an jeder Seite circa 1 Zentimeter neben der rechten Ecke ein kleiner Schnitt gemacht. Dann werden die Kanten umgeknickt und die überstehenden Ecken können ebenfalls umgeknickt und angeklebt werden.

Ein quadratisches Stück Pappe an jeder Seite circa 1 Zentimeter neben der rechten Ecke einschneiden und Kanten umknicken. © Carina Strauß © Carina Strauß

Es entsteht eine Art Körbchen. Wichtig ist, dass dieses auf den Kanten gleichmäßig gerade steht, damit die Kerze nicht schief wird.

Es sollte eine Art Körbchen entstehen, das auf den Kanten gerade steht. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 2: Die Form

Für unsere Kerze nehmen wir eine leere Küchenrolle und schneiden sie in der Höhe so ab, wie wir hinterher auch die Kerze haben wollen. Dann wird die Rolle an einem Ende rundherum eingeschnitten, sodass ein Fuß entsteht.

Dieser wird auf den vorbereiteten Pappfuß aufgeklebt. Wer sichergehen möchte, dass später kein Wachs ausläuft, der kann anschließend eventuell entstandene Lücken zwischen Rolle und Fuß mit Kleber versiegeln. Wird das Wachs eingegossen und fließt unten wieder raus, verdichtet es die Lücken beim Abkühlen aber auch selbst. Einfach ein bisschen Geduld haben. Und deswegen IMMER eine feuerfeste Unterlage verwenden.

Die Papprolle auf den Fuß kleben. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 3: Den Docht befestigen

Nun kommt der Kerzendocht ins Spiel. Wir stechen ein Loch von unten mittig durch den Pappfuß. Den Docht so weit durchziehen, dass am oberen Ende der Kerze noch genug übrig bleibt, unten am Fuß einen doppelten Knoten machen und das Loch mit Klebeband abdichten.

Den Docht von unten durch den Fuß ziehen, mit einem Knoten fixieren und abdichten. © Carina Strauß © Carina Strauß

Am oberen Ende wird nun der Spieß durch die Rolle gesteckt. Mittig verläuft der Spieß durch den Docht. Achtung: Der Docht sollte auf Spannung sein, damit er auch beim Eingießen des Wachses mittig bleibt und die Kerze anschließend gut abbrennt. Dann wird der Spieß noch mit Klebeband an der Rolle fixiert, genauso wie der Docht mittig an dem Spieß.

Den Spieß durch die Rolle und den Docht stechen. Der Docht sollte auf Spannung sein. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 4: Wachs erhitzen

Wachs sollte immer im Wasserbad erhitzt werden, weil das Wachs nicht heißer werden sollte als 100 Grad, sonst wird es feuergefährlich. Zum Erhitzen wird entweder klein gehacktes altes Wachs in eine alte Konservendose gegeben. Wenn aber zum Beispiel noch eine ganze Kerze übrig ist, kann diese auch einfach komplett geschmolzen werden.

Dann müssen Sie nur vorsichtig den alten Docht aus dem flüssigen Wachs fischen. Die Wassermenge sollte so bemessen werden, dass die Dose nicht aufschwimmt, aber möglichst viel Außenfläche der Dose mit dem erhitzten Wasser in Kontakt kommt.

Wachs im Wasserbad erhitzen. Die Dosen sollten nicht aufschwimmen. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 5: Wachs einfüllen

Nun wird die vorbereitete Form mit Wachs aufgefüllt. Vorsicht: Die Dosen können heiß werden, deswegen am besten Handschuhe oder ein Tuch nutzen. Es können auch verschiedene Wachsfarben genutzt werden. So entstehen ganz individuelle Kerzen.

Wachs vorsichtig in die Form gießen. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 6: Abkühlen und aus der Form nehmen

Nun muss das Wachs abkühlen. Bei einer Pappform empfiehlt es sich, das Wachs soweit abkühlen zu lassen, dass es hart ist, aber noch nicht ganz kalt. Dann ist es einfacher, die Kerze aus der Pappform zu trennen. Hierfür wird zunächst der Pappfuß entfernt und dann vorsichtig die Papp-Rolle.

Bei Plastikformen geht es dagegen einfacher, wenn die Form samt Kerze richtig abgekühlt ist. Bei niedrigen Temperaturen einfach nach draußen stellen.

Nach dem Abkühlen die Pappe von der Kerze entfernen. © Carina Strauß © Carina Strauß

Schritt 7: Der letzte Schliff

Bei den Kerzen ist übrigens am Ende das, was vorher oben war, unten; und unten ist oben. Mit einem Cuttermesser kann man nun noch überstehende Wachsreste entfernen.

Fertig ist die Recycling-Kerze.

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Ahaus, Heek und Legden am Abend

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