Joachim und Dagmar Kockelke schließen ihr Traditionshaus Kettler. Sie wollen aber auf keinen Fall einen Leerstand in der Schwerter Innenstadt hinterlassen, sagen sie. © Carina Strauss
Geschäfte in Schwerte

Kettler schließt: 135-jährige Geschichte des Traditionshauses endet

Eine bewegte Geschichte liegt hinter dem Traditionshaus Kettler an der Hüsingstraße in Schwerte. Doch Joachim Kockelke wird das Geschäft schließen. Einen Leerstand will er damit aber nicht erzeugen.

Es fällt Joachim Kockelke sichtlich schwer, darüber zu reden. Schließlich führt er das Traditionsgeschäft Kettler an der Hüsingstraße in Schwerte bereits in der vierten Generation. Doch nun soll bald Schluss sein. „Es ist so, dass wir vier Generationen das Glück gehabt haben, dass immer jemand da war, der gesagt hat, ich mache weiter. Das ist jetzt nicht mehr der Fall”, so Kockelke.

Deswegen habe man sich lange Gedanken darüber gemacht, was man machen kann. „Es laufen im Moment Gespräche. Es sieht auch sehr positiv aus, dass wir einen Nachfolger oder Nachmieter bekommen. Das wird aber nicht weiter die Firma Kettler bleiben. Die Firma Kettler wird im nächsten Jahr aufgelöst.“

135 Jahre Geschichte

Damit endet 2021 also die 135-jährige Geschichte des Traditionshauses Kettler. Grund genug für Joachim Kockelke, noch einmal genauer in der Geschichte der Firma zu forschen.

Carl Kettler, 1886 Gründer des Traditionsunternehmens Kettler in Schwerte, und seine Frau Elisabeth.
Carl Kettler, 1886 Gründer des Traditionsunternehmens Kettler in Schwerte, und seine Frau Elisabeth. © privat © privat

1886 gründete Carl Kettler, Joachim Kockelkes Urgroßvater, die Firma an der Hüsingstraße 20 – damals noch als Buchbinderei und Einrahmungswerkstatt. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Über die Jahrzehnte kamen und gingen viele Warengruppen. „1905 war schon Porzellan dabei. Zu meiner Geburt gab es Spielwaren. Es gab immer wieder Trends, denen man sich angepasst hat. Wir sind nie so fixiert gewesen, das wir gesagt haben: ‘Es gibt nur das'”, so Kockelke.

Seit 1886 an der Hüsingstraße

Die Hüsingstraße war dabei immer der Standort der Firma. Carl Kettler erweiterte immer wieder die Ladenfläche in der Hüsingstraße 20 und kaufte später die benachbarte Hüsingstraße 18 dazu, die bis heute der Sitz der Firma ist.

Joachim Kockelke hat sogar alte Kassenbücher, unter anderem von 1940 bis 1942, die zeigen, dass das Geschäft auch in der Kriegszeit etwas verkauft hat. „Es war aber unheimlich schwer, an Ware zu kommen. Die Produktion stand teilweise still, in der Nachkriegszeit lag alles in Schutt und Asche”, so Kockelke.

Man sei dann mit dem ersten Auto zu irgendwelchen Fabriken gefahren und habe dort Ware kaufen können. „Sie waren dann total glücklich, dass sie zumindest irgendetwas wieder verkaufen konnten.“

Den Absprung schaffen

1978 stieg Joachim Kockelke in das Geschäft ein. Zusammen mit seiner Frau Dagmar entdeckte er die Liebe zum Schmuck und führte eine eigene Abteilung mit Edelstahlschmuck ein. Hinzu kamen auch Schals und Ledertaschen. Von 2000 bis 2016 war Joachim Kockelke zudem Vorsitzender der Werbegemeinschaft Schwerte.

Doch nun muss der 65-Jährige den Absprung vom Geschäft schaffen. Wie seine Großmutter weitermachen, bis er über 80 Jahre alt ist, das käme für ihn nicht infrage. „Das geht heutzutage nicht mehr. Meine Frau und ich haben es beide sehr gerne gemacht. Aber irgendwann muss man den Absprung schaffen. Gerade wegen der Mitarbeiterführung und dem ganzen Bürokram, der dahinter hängt. Das ist nicht mehr zu machen.“

Die Kockelkes wollen im nächsten Jahr aufhören. Wann genau das sein wird, hängt auch mit der Nachfolge zusammen. „Wir wollen auf keinen Fall einen Leerstand erzeugen und sind auf einem guten Weg, das das auch nicht so sein wird“, so Joachim Kockelke.

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