Krach wie beim Flugzeugabsturz: Anwohner in Schwerte klagen über nagelneue Züge aus Polen

mlzDeutsche Bahn

Die Pannenserie geht weiter. Erst verzögerte sich die Lieferung um Jahre. Jetzt sind die rund 25 Millionen Euro teuren Triebwagen zu laut. Der Bahn sind die Probleme bekannt. Sie reagiert.

Schwerte

, 18.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war das urplötzlich für ein Höllenlärm? „Ich hab´ gedacht, da stürzt ein Düsenjet ab“, sagt Marion Roth. Die Anwohnerin vom Kirschbaumsweg, die es sich in ihrem Gartenstuhl gemütlich machte, zuckte zusammen. Was sie so erschreckt hatte, kam aber nicht von oben. Es war einer der nagelneuen Eisenbahn-Triebwagen, der über die nur hundert Meter entfernte Strecke nach Fröndenberg herandonnerte. „Da muss man erstmal drauf kommen“, sagt die Schwerterin, die seit 33 Jahren in der Nähe des Schienenstrangs wohnt und eigentlich die vorbeiratternden Züge schon gar nicht mehr wahrnimmt. Nur diese neuen aus Polen, die seien wesentlich lauter als alle anderen vorher.

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Deutsche Bahn spricht von Problem beim Bremsen

Der Deutschen Bahn, die den modernen Triebwagen-Typ Pesa Link seit dem vergangenen Jahr auf ihrem Sauerlandnetz einsetzt, sind die Klagen über den Lärm nicht verborgen geblieben. „Die Geräuschentwicklung kommt nicht vom Motor, sondern vom Bremsen“, erklärt ein Bahnsprecher. Die dabei entstehende Energie erhitze das Getriebeöl, das über einen Lüfter auf dem Fahrzeugdach gekühlt werde. Dort sitze das Problem. „Das haben wird auch erkannt“, so der Sprecher weiter.

Zusammen mit dem polnischen Fahrzeughersteller Pesa und dem Motorentwickler MTU arbeite man daran, die Geräuschentwicklung zu vermindern. Denn die Bremsgeräusche seien „vom Empfinden her lauter, obwohl sie die Richtwerte erfüllen“. Die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt liege vor.

Das ist aber nicht der einzige Mangel, den die Deutsche Bahn an den erstmals aus Polen bezogenen Zügen vom Typ Pesa Link ausgemacht hat. „Mit der Zuverlässigkeit sind wir nicht zufrieden“, sagt der Bahnsprecher unumwunden. Immer wieder fielen Fahrzeuge aus, an deren Stelle dann ältere Modelle eingesetzt werden müssten. Mal komme es zu Störungen an den Türen, dann streike die Klimaanlage oder die Kupplung, mit der zwei Zugeinheiten verbunden werden. Experten des Herstellerwerks Pesa in Bydgoszcz (Bromberg) seien in Dortmund vor Ort und versuchten, die Züge zu reparieren. Sie sind schließlich nicht billig. Ihr Stückpreis lässt sich auf 25,5 Millionen Euro errechnen, wenn man den Rahmenvertrag zugrunde legt, den die Bahn mit dem Hersteller abgeschlossen hat. Darin ist eine Lieferung von 470 Exemplaren für insgesamt 1,2 Milliarden Euro vorgesehen, so der Bahnsprecher.

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Alle Einheiten müssen nochmal komplett zurück nach Polen

Auf dem Sauerlandnetz rund um Schwerte laufen die allerersten - insgesamt 36 Triebwagen als zwei- oder dreiteilige Einheiten. Zur Verbesserung des Angebots waren sie Anfang 2014 ursprünglich für 2016 angekündigt worden. Doch dann verzögerte sich die Lieferung immer wieder, so dass zwischenzeitlich nicht einmal ein Termin genannt werden konnte. Erst im vergangenen Jahr tauchten die Züge dann endlich auf den Strecken rund um Schwerte auf. Sie ist auch auf der Ardeybahn nach Dortmund und Iserlohn unterwegs.

Um die Kinderkrankheiten endgültig zu beseitigen, sollen alle Fahrzeuge nach und nach noch einmal ins Herstellerwerk nach Polen zurückgeschickt werden, kündigt der Bahnsprecher an. Bei einer einwöchigen „Rollkur“ werden die Triebwagen dort noch einmal durchgecheckt. Bleibt zu hoffen, dass ihnen dann auch das Flüstern beigebracht wird. Oder mindestens ein Motorengeräusch wie bei ihren Vorgängern, die trotz ihrer 20 Jahre älteren Technik leiser klingen.

„Warum veröffentlicht die Bahn das nicht von sich aus und sagt, die Leute sollten sich gedulden oder wie auch immer?“, fragt sich Marion Roth. Sie hat aber den Eindruck, als ob die Verantwortlichen zumindest auf andere Weise reagiert hätten, um den Krachpegel zu senken: „Ich meine, dass die Züge seit den Beschwerden nicht mehr mit vollem Tempo hier durchfahren.“

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