Morgens stauen sich die Autos an der Bahnhofskreuzung oft sogar bis weit über die Einmündung Hastingsallee hinaus. © Mühlbauer (Archiv)
Verkehrsversuch

Kühne Idee? Sollen Autos künftig in Schwertes Innenstadt verboten werden?

Keine Autos mehr auf den Innenstadtstraßen? Vorrang für Fußgänger nicht nur in der Schwerter Fußgängerzone? Nur noch Anwohner-Parken? Mit diesem Plan muss sich die Ratspolitik bald befassen.

Die kostenfreien Parkplätze vor den Geschäften, das Erreichen der City mit dem Auto: Das galt lange Zeit in Schwerte als eines der obersten Gebote der Politik. Spätestens seit man 2004 die Parkscheinautomaten abgeschafft hatte, konnte man in großen Teilen der City kostenlos sein Auto abstellen.

Eine Verkehrsuntersuchung, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurde, kam sogar zu dem Ergebnis, dass der Schwerter bei einem City-Besuch oft mehr als einmal parkt.

Doch was wäre, wenn die City weitestgehend autofrei wäre? Also nicht nur im Bereich des fließenden Verkehrs, sondern auch parkende Autos dort keinen Platz mehr finden würden. Eine kühne Idee?

Projekt aus der Vorschlagsliste Mitmach-Stadt

Fest steht, die Ratspolitik muss sich bald mit diesem Thema beschäftigen. Denn erstmals hat ein Projekt auf der Vorschlagsliste im städtischen Mitmachportal 100 Likes erhalten. Und das bedeutet, dass sich ein politischer Ausschuss des Themas annehmen muss.

Was die Forderung bedeutet, hat Fahrradaktivist Marc de Mattheis, der den Vorschlag ins Stadtportal eingestellt hat, so erklärt: „In einem zeitlich begrenzten Feldversuch sollen die Auswirkungen einer geänderten Mobilität in der Schwerter Innenstadt für alle Bürger erlebbar werden. Diese Erfahrungen könnten dann einfließen in eine Diskussion über die Frage, wie eine Mobilitätswende in Schwerte angeschoben werden kann.“

Das ganze nur als Feldversuch

In dem Feldversuch sollen weite Teile der Schwerter Innenstadt für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden. Lediglich Anlieger, ÖPNV und Rettungskräfte sollen hiervon ausgenommen werden. Fußgänger haben Vorrang. Radfahrer können über Pop-up-Radwege die Innenstadt gefahrlos befahren.

Dass dieser Versuch auch das Risiko birgt, nicht so mobile Menschen vom Besuch der Innenstadt auszuschließen, mahnten bereits die ersten Kommentatoren auf der Mitmach-Seite der Stadt an. „Wie kommen demnächst Gehbehinderte oder ältere Menschen in die Stadt“, fragt eine Kommentatorin.

„Der Einwand ist definitiv berechtig“, antwortet de Mattheis. Aber dieses Experiment solle ja gerade auf solche Aspekte Antworten finden. Mit der Haltung „das geht ja sowieso nicht“ komme man nicht auf neue Lösungen.

Die meisten Kommentatoren loben den Vorschlag

Auch wenn der größte Teil der Kommentatoren unter dem Vorschlag mit Lob nicht spart, ist längst nicht geklärt, ob die Forderung auch Wirklichkeit wird. Denn in den Statuten des Portals steht lediglich, dass sich der zuständige Ratsausschuss damit beschäftigen muss.

Das ist nach Auskunft von Stadtsprecher Ingo Rous übrigens nicht der Ausschuss für Klima und Mobilität, sondern der Beschwerdeausschuss. Der könne den Vorschlag dann an den Umweltausschuss weiterleiten.

Einen Antrag an den Beschwerdeausschuss hätte der Initiator der Idee, Marco de Mattheis, allerdings auch selber stellen können. Denn neben Beschwerden werden dort auch Bürgeranregungen behandelt. Ohne Mitmach-Plattform und ohne die Hürde, mindestens 100 Unterstützer zu finden.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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