Künstlerin aus Schwerte baut einen Beichtstuhl für eine historische Kirche im Münsterland

mlzKunst aus Schwerte

Ein neuer Beichtstuhl: Kein alltäglicher Auftrag. Die Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver entwarf einen für eine Kirche im Münsterland. Wie der aussieht? Sehr groß und sehr speziell.

Schwerte

, 28.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Albersloh liegt im Münsterland. In einer sehr katholischen Gegend mit sehr alten Kirchen. Und auch die St.-Ludgerus-Kirche macht da keine Ausnahme. Ende des 13. Jahrhunderts gebaut und seitdem in verschiedenen Schritten ausgebaut und verändert. Ausgerechnet für diese Kirche hat die Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver einen neuen Beichtstuhl entworfen. Am Wochenende wurde er eingeweiht.

Doch wie gerät eine evangelische Schwerter Künstlerin an eine katholische Gemeinde aus dem Münsterland? Da spielen auch die ausrangierten Kirchenbänke der Schwerter St.-Viktor-Kirche eine Rolle.

Den Auftrag, die Kirche im Münsterland umzubauen, hatten Gemeinde und Bistum an den Düsseldorfer Architekten Volker Lembken aus Ahlen vergeben. Der gilt als einer der Experten auf diesem Gebiet. Die Idee war, ob man aus den Kirchenbänken, die bei der Sanierung und Verkleinerung des Kircheninnenraums übrig blieben, etwas Neues schaffen könne.

Kunstwerke aus Kirchenbänken

Und da kam Jessica Maria Toliver ins Boot. Denn über drei Ecken kannte der Architekt die Schwerter Künstlerin und erinnerte sich an die kleinen Kunstwerke, die sie aus den ausrangierten Kirchenbänken von St. Viktor geschaffen hatte - zusammen mit dem Kunsttischler Konrad Horsch aus Iserlohn.

Mit dem nahm sie dann auch die Aufgabe an, aus alten Kirchenbänken einen neuen Beichtstuhl zu bauen. Die Grundidee dabei: Aus dem Holz der Bänke zunächst einmal feste Platten zu machen. Dazu wurden die Bänke auseinander montiert und in ihre Einzelteile zerlegt. Sitzflächen und Kniebänke konnten als Furnier dienen, die mehr mitgenommenen Fußteile und Seitenstreben landeten im Inneren des neuen Beichtstuhls.

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So sieht der Beichtstuhl von Jessica Toliver aus

400 bis 500 Stunden dauerte die Arbeit an dem Beichtstuhl und der benachbarten Abstellkammer. So sieht das künstlerische Werk aus und so war es bei der Altareinweihung, bei der auch der neue Beichtstuhl eingeweiht wurde.
26.11.2019
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So sah es in der Zeit aus, als die beiden Kuben in der Kirche gebaut wurden.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. © BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. © BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. © BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. © BERND PAULITSCHKE
So sehen Beichtstuhl und Abstellraum jetzt aus.© BERND PAULITSCHKE
So sehen Beichtstuhl und Abstellraum jetzt aus.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
So sieht der Beichtstuhl im Detail aus.© BERND PAULITSCHKE
Das ist der Altar, der ebenfall erneuert wurde, bei der Kirchensanierung.© BERND PAULITSCHKE
So sehen die Kuben von Innen aus.© BERND PAULITSCHKE
So sehen die Kuben von Innen aus.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
Altarweihe in St. Ludgerus, Albersloh und erster Gottedienst in der renovierten Kirche mit dem Bischof Felix Genn. Der Architekt Volker Lembken hat mit vielen fleissigen Handwerkern die Kirche umgestaltet. Mit dabei waren auch die Künstlerin Jessica Maria Toliver und der Schreiner Konrad Horsch.© BERND PAULITSCHKE
Aus Filz gestaltete die Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver ein Altartuch, das sie der Gemeinde schenkte.© BERND PAULITSCHKE

Künstlerisch erinnert der neue Beichtstuhl an die Scherenschnitte der Schwerter Künstlerin. Die Holzplatten sind von Scharten durchzogen, die zum einen dafür sorgen, dass Licht in den großen Kubus fällt, zum anderen als Trennwand mit einer Art Gitter die klassische Ohrenbeichte ermöglichen.

3,50 Meter ist der neue Beichtstuhl hoch. Neben der klassischen Kabine für die Beichte gibt es auch eine Art Zimmer mit zwei Stühlen, wo man mit dem Seelsorger Auge in Auge sprechen kann.

„Als Kind war die Beichte schon etwas Besonderes“, sagt Konrad Horsch. Anders als Jessica Toliver ist er katholisch aufgewachsen. Wenn man da in die schwarze Kiste musste, sie das schon unangenehm gewesen. In dem modernen Beichtstuhl kommt so ein Gefühl nicht auf. Die Scherenschnitte der Toliver tauchen übrigens im ebenfalls neuen Altar der Gemeinde auch auf. Denn Architekt Lembken nahm das Thema auf und ließ vom Steinmetz in die schweren Stelen aus Stein ebenfalls Bruchkanten einarbeiten.

Zweiter „Beichtstuhl“ dient als Toilette

Neben dem Beichtstuhl steht ein optisch sehr ähnlicher Kubus. Auch den haben die beiden Künstler aus Schwerte und Iserlohn geschaffen. Er dient allerdings nicht als Beichtstuhl. In ihm sind ganz profan die Toiletten und eine Abstellkammer untergebracht.

400 bis 500 Stunden habe man in das Projekt gesteckt, erzählt Jessica Toliver - von der Idee bis zur Umsetzung. Dabei blieb auch für die Schwerte etwas übrig. Denn nicht alle ausrangierten Kirchenbänke wurden zu Holz für den Beichtstuhl. Aus einem kleineren Teil fertigte die Künstler wieder Kerzenständer, Stövchen oder Mini-Krippen in Scherenschnittoptik. Die können die Schwerter am Wochenende im Atelier von Jessica Toliver an der Ruhrstraße 16 (neben der Rohrmeisterei) bei der großen Adventsausstellung besichtigen und auch kaufen.

Die Türen des Ateliers sind am Samstag, 30. November, von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag, 1. Dezember, von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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