Neue Betreiber machen „Fritten Karl“ fit für die 2020er-Jahre

mlzSchwerter Kult-Imbiss

Seit 1966 ist der Imbiss am Bahnhof Schwerte eine Institution. Nach Totalrenovierung wird er bald unter neuer Leitung wiedereröffnet. Die neuen Betreiber sind in Schwerte nicht unbekannt.

Schwerte

, 09.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die himmelblauen Resopalplatten liegen herausgerissen vor der Tür. Mit den Wandverkleidungen verschwinden die letzten Relikte der Wirtschaftswunderjahre bei „Fritten Karl“, wie die Schwerter die Grillstube gegenüber vom Bahnhof immer noch liebevoll nennen. Sie ist eine der ältesten Imbissbuden im ganzen Ruhrgebiet - und macht sich fit für die 2020er-Jahre. So gründlich wie jetzt sie seit ihrer Gründung im Jahre 1966 wohl noch nie renoviert worden. Die neuen Betreiber Ramona Frick und Nikolaus Ntestakos (sprich: Destakos) scheuen, unterstützt von der Mutter Alexandra Alatza, weder Mühe noch Aufwand. Auch die Geräte hinter Theke sollen erneuert werden.

Der uralte Hähnchengrill aus dem Schaufenster geht in Rente

„Es muss alles schick sein, wenn man was erreichen will - und sauber“, sagt Ramona Frick. Deshalb geht auch der uralte Hähnchengrill, an dem sich seit Jahr und Tag im Schaufenster die Broiler drehten, in Rente - unmöglich, ihn jemals wieder richtig blitzeblank zu bekommen. Auch das Fenster selbst und die Eingangstür, noch im eloxierten Alu-Design von anno dazumal, werden ausgetauscht. An den Wänden wurden so viele Lagen Tapeten abgekratzt, dass der Raum eigentlich ein Stück größer geworden sein muss. Kartonweise stapeln sich rustikaler Keramikplatten, die dort einen Hauch von Griechenland einziehen lassen.

Die neue Inhaberin Ramona Frick (v.r.), ihr Mann Nikolaus Ntestakos und Mutter Alexandra Alatza bereiten mit Elan die Eröffnung ihres Alexandra-Grills am Bahnhof vor.

Die neue Inhaberin Ramona Frick (v.r.), ihr Mann Nikolaus Ntestakos und Mutter Alexandra Alatza bereiten mit Elan die Eröffnung ihres Alexandra-Grills am Bahnhof vor. © Reinhard Schmitz

„Wir versuchen, am 22. Juni eröffnen“, sagt Ramona Frick. Fix zu arbeiten, damit kennen sie und ihre Familie sich aus. Dafür waren die Drei schon bekannt, als sie in den vergangenen sieben Jahren in einem anderen Grill in Schwerte als Angestellte hinter der Theke standen. Aber schon lange suchten sie nach einer Möglichkeit, eine eigene Imbissstube in ihrer Heimatstadt zu übernehmen. Am Bahnhof wurden sie fündig. Schon seit vergangenem Sommer hatte Vorgänger Konstantinos Papas dort nach einem Nachfolger für den Bahnhofsgrill, den er in „Athen-Grill“ umbenannt hatte, gesucht. Sogar bei Ebay-Kleinanzeigen im Internet bot er seinen Betrieb an.

Im Alexandra-Grill wird es auch Veganes geben

Griechisch bleibt der Imbiss künftig auch als Alexandra-Grill - der Name ist eine Hommage an die Tochter der Inhaberin und deren Oma. Es wird Gyros vom Hähnchen und vom Schwein geben, Gegrilltes und selbstgemachte Salate. Natürlich auch Pommes, Currywurst und Frikadellen, aber auch Pizza und Hähnchen, damit für jeden Geschmack etwas dabei ist. „Eine vegane Auswahl an Speisen kommt dazu und ein Kinderteller“, erklärt Ramona Frick. Für alles werde auch ein Lieferservice angeboten. Geöffnet wird jeweils von 10 bis 23 Uhr - an sieben Tagen in der Woche.

Stapelweise Keramikfliesen für die Wände liegen bereit: Von Grund auf renoviert wird der frühere Bahnhofsgrill von den neuen Inhabern.

Stapelweise Keramikfliesen für die Wände liegen bereit: Von Grund auf renoviert wird der frühere Bahnhofsgrill von den neuen Inhabern. © Reinhard Schmitz

Damit gibt es neuen Schwung in Schwertes Kult-Imbiss, der 1966 von Klara Stemmer an der Bahnhofstraße 36 gegründet und zwei Jahre später an ihre Tochter Marietta Krusemann übergeben worden war. Offiziell hieß er „Bahnhofsgrill“. Doch alle sprachen nur von „Fritten Karl“ nach dem legendären Karl Krejci, der im langen weißen Kittel an den Fritteusen stand und mit gekonntem Schwung den Löffel Majonäse aus der Nirostaschale nahm, um ihn auf die Pommes zu klatschten. Auf die Frage „Ein bisschen scharf machen?“ warteten sowieso alle, die eine Currywurst bestellt hatten.

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Mehr als drei Jahrzehnte gehörte dieses Erlebnis einfach zu Schwerte dazu. Dann setzte sich Marietta Krusemann und mit ihr auch „Fritten Karl“ zur Ruhe. Doch es sollte nicht das Ende sein. Die Kunden Franz Schnitzler und Rainer Langner, die nebenan eine Spielhalle betrieben, übernahmen den Betrieb. Traditionsbewusst führten sie ihn zwölf Jahre lang mit den originalen Rezepten weiter, bis gesundheitliche Gründe sie zum Rückzug zwangen. Darauf folgte ein kurzes Intermezzo unter türkischer Regie, dann die nur etwas längere Zeit unter Konstantinos Papas. Mit dem „Alexandra-Grill“ schlagen Ramona Frick und ihre Familie jetzt ein neues Kapitel in Schwertes Kult-Grill auf.

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