Wasserpreiserhöhung: „Können die Stadtwerke machen was sie wollen?“

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Der Wasserpreis für den Kubikmeter bleibt unverändert. Dennoch drehen die Stadtwerke an der Preisschraube. Der Anteil der Kosten für Netz und Wasseraufbereitung wurden nahezu verdoppelt.

Schwerte

, 27.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Wasserpreis teilt sich seit einiger Zeit in drei Einzelpreise auf. Der Grundpreis für den Zähler, der Preis für das verbrauchte Wasser und eine Pauschale, die jeder Haushalt für Wasserleitungen, die Aufbereitung und was man sonst braucht, um Wasser an Verbraucher zu liefern.

Und dieser Preis steigt ab Oktober erheblich. Verbraucher Hans Pfeil ärgert das: „Können die Stadtwerke eigentlich machen was sie wollen? Wasserpreise für das Jahr 2021 um insgesamt 44,4 Prozent erhöhen, ohne dafür eine Begründung zu liefern? Sind städtische Gebühren ohne jeglichen Nachweis eigentlich rechtlich in Ordnung“, schreibt er in einem Brief an die Ruhr Nachrichten.

Am Dienstag, 22. September, hatten die Stadtwerke Schwerte in den Ruhr Nachrichten die neue Trinkwasserpreise angekündigt - sie gelten ab dem 1. Oktober 2020. Mehr Informationen seien telefonisch oder persönlich im Kundenzentrum zu erfragen oder über die Webseite der Stadtwerke zu bekommen, so die Nachricht in der Zeitung.

Erste Preiserhöhung nach fünf Jahren

„Fünf Jahre konnten wir die Wasserpreise stabil halten - trotz allgemeiner Kostensteigerungen, dem Rückgang des Wasserverbrauchs und den Fixkosten des Netzbetriebs“, sagt Michaela Zorn-Koritzius. Die stetig steigenden Bezugskosten des Wasserlieferanten würden es nun aber zwingend erforderlich machen, eine Preisanpassung durchzuführen.

Die Entwicklung der Bezugspreise sei auf den kontinuierlichen Anstieg des Kostenniveaus bei den Wasserwerken Westfalen zurückzuführen. Grund ist die Umsetzung der verpflichtenden behördlichen Verfügungen – zum Beispiel dem Umbau im Ruhrtal in Westhofen durch das neue Gebäude im Wassergewinnungsgebiet. Online ist zu dem Thema auch das Kundenmagazin der Stadtwerke einzusehen.

Aufsummiert bleiben 1,66 Euro mehr im Monat übrig

„Für einen Schwerter Musterhaushalt, bestehend aus drei Personen mit einem Jahresverbrauch von 120 Kubikmeter in einem Mehrfamilienhaus, ergeben sich im Rahmen der Preisanpassung zusätzliche Kosten von 1,66 Euro brutto im Monat“, erläutert Michaela Zorn-Koritzius.

Der Systempreis lag bis zum 30. September 2020 bei 24 Euro netto pro Jahr. Brutto betrug der Systempreis bisher 25,20 Euro pro Jahr (je Wohneinheit für Wohngebäude und Kleingewerbe). Der Systempreis ab dem 1. Oktober 2020 beträgt netto 43,00 Euro pro Jahr. Brutto beträgt der Systempreis 45,15 Euro pro Jahr (je Wohneinheit für Wohngebäude und Kleingewerbe). Mittlerweile sind die Fixkosten, die man für seinen Wasseranschluss bezahlt, also die Kosten für den Wasserzähler und die Infrastruktur meist höher, als die Kosten für das bezogene Wasser. Erst ab 195 Kubikmeter pro Haushalt ändert sich das Verhältnis.

Preiserhöhung wirksam mit Veröffentlichung

Und wie sieht es rechtlich aus? Dürfen die Stadtwerke ihre Trinkwasserpreise einfach erhöhen? Anscheinend ja. So sagt zumindest Michaela Zorn-Koritzius von den Stadtwerken: „Anders als bei einer Preisanpassung bei Strom und Gas ist es laut Gesetzgeber ausreichend, wenn die Preise zum Wirksamwerden veröffentlicht werden.“ So stehe es zum Nachlesen in der Verordnung „Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser“ (AVB WasserV).

Es seien viele Maßnahmen erforderlich, um das Trinkwasser als das wichtigste Lebensmittel in bester Wasserqualität in Schwerte rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen. Neben Instandhaltungsarbeiten und Modernisierungen würden eben täglich Wasseruntersuchungen und Netzkontrollen durchgeführt.

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