Kunstschüsse mit dem Eisenfuß trainieren die Spieler von Ruhrpott Schwerte stundenlang

mlzTippkick in Schwerte

Die Ruhrstadt ist eine Hochburg des Tippkick-Sports. Der Verein „Ruhrpott Schwerte“ möchte 2020 die Endrunde der Deutschen Meisterschaft ausrichten. Er spielt mit hochpräzisen Figuren.

Westhofen

, 10.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Eisenfuß trifft nicht nur mit strammem Schuss quer über das halbe Spielfeld direkt ins obere Toreck. Er kann den Ball auch kunstvoll um einen Verteidiger herumdrehen. Oder mit einem gefühlvollen Heber ins Netz treffen. Abhängig von der Präzision, mit der die Tippkick-Figur zum eckigen Plastik-Ball ausgerichtet ist. Und von dem Druck, mit dem der Zeigefinger von Alexander Wrobel auf den Knopf über ihrem Schädel drückt. Das Ergebnis von Training, Training, Training.

Nichts dem Zufall überlassen

„Das ist ein Zwischending zwischen Billard und Dart“, erläutert der 27-Jährige, der vor zwei Jahren mit Gleichgesinnten den Verein Ruhrpott Schwerte gegründet hat, seinen Sport. Dem Zufall überlassen wird dabei nichts. Schon gar nicht, ob nach dem Schuss eine der sieben schwarzen oder der sieben weißen Flächen des Balls nach oben zeigt. Denn nur, wenn es dieselbe Farbe ist wie vorher, bleibt der Spieler am Zug. Sonst ist der Gegner dran. „Je nachdem, wie man trifft, kann man die Farbe beeinflussen“, verrät Wrobel. Seitlich müsse man mit dem Eisenfuß auf eine Spitze des Balls zielen: „Dann dreht er sich um seine eigene Achse und bleibt auf der Farbe liegen.“ Könner schaffen das in 90 bis 95 Prozent aller Fälle: „Da kommt man selber dann gar nicht zum Spielen.“ Nur beim Wechsel, nachdem ein Tor gefallen ist.

Kunstschüsse mit dem Eisenfuß trainieren die Spieler von Ruhrpott Schwerte stundenlang

Gehalten: Mit voller Konzentration führt Alexander Wrobel seinen Tippkick-Torwart. © Reinhard Schmitz

Figuren mit unterschiedlichen Füßen

Mit den handelsüblichen Figuren aus dem Spielwarenregal ist das natürlich nicht zu schaffen. „Mit den dicken Klumpfüßen geht das nicht“, sagt Wrobel. Er setzt auf hochpräzise Tippkicker, speziell aus Eisen gesägt und gefräst. Butterweich schwenkt das Bein in Kugel- und Gleitlagern. Und auch das Gestänge, das die Fingerkraft überträgt, steckt nicht einfach in Bohrungen. Hochpräzise wird es durch eingelassene Hülsen geführt: „Das ist Hightech pur.“ Es gibt sogar unterschiedlich geformte Füße je nach gewünschter Schusstechnik. Der eine ist besser für das Dribbeln, der andere für den satten Fernschuss.

Die Bemalung des Trikots interessiert dagegen niemanden.

Nirgendwo ein BVB-Trikot

BVB- oder Schalke-Embleme sucht man vergebens. Es reicht, wenn die Körper eisenblank oder einfarbig sind. Nur Wrobel gönnt sich den Luxus einer 24-karätigen Goldauflage. „Als ich über die Tischkante gucken konnte“ - so erzählt er - sei er als Kind mit seinem Sport angefangen. Er hatte den besten Trainer. Denn Vater Hans Wrobel (62) spielt ebenfalls schon seit seinem fünften Lebensjahr: „Ich bin bei einem Nachbarsjungen angefangen.“ Irgendwann gründete er sogar in Schwerte seinen ersten Verein, Borussia 88. Den gibt es immer noch, allerdings mittlerweile mit Spielstätte in Holzwickede. Als Dritter im Bunde macht „Torpedo Ergste“ die Ruhrstadt als Hochburg des Tippkicks komplett.

Von der Verbandsliga bis zur Bundesliga

Bundesweit - so berichtet Wrobel - haben sich rund 60 Vereine dem Sport verschrieben. Sie sind in einem Liga-Spielbetrieb von der Verbands- bis zur Bundesliga organisiert. „Wir sind noch in der ,Bauernliga‘, der Verbandsliga. Aber unser Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga.“ Eine noch größere Nummer peilt Ruhrpott Schwerte für 2020 an: „Dann wollen wir die Endrunde der Deutschen Tippkick-Meisterschaft und die Pokal-Endrunde ausrichten.“ Als Testlauf sozusagen fand am Samstag ein überregionales Turnier mit Clubs aus Aachen, Kierspe und Bochum in der Turnhalle der Reichshof-Grundschule statt. Und weiterhin wird kräftig an den eigenen Fähigkeiten trainiert. Jeden Donnerstag ab 18 Uhr in der Halle von Wrobels Bohr- und Fräswerk am Weidenweg 27. Stressfrei geht es dort zu: „Wir trinken auch mal ein Bierchen.“

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