Angelika Weischer tritt in den Ruhestand. 40 Jahre war sie bei der Verbraucherberatung und hat so einige kuriose Fälle erlebt. © Heiko Mühlbauer
Angelika Weischer geht

Kuriose Fälle aus der Verbraucherberatung: Wenn der Papagei von der Stange fällt

Von einem Papagei, der von der Stange fiel, bis zum Friseur, der beim Haare-Waschen für das Shampoo Aufpreis nahm. Seit 1980 erlebte Angelika Weischer in der Verbraucherberatung so einiges.

Direkt nach dem Studium der Ökotrophologie hatte Angelika Weischer 1980 bei der Verbraucherberatung angefangen. Als Leiterin der Schwerter Beratungsstelle tritt sie Ende des Jahres in den Ruhestand. Doch bevor sie ihren Job übergibt, zog sie noch einmal Bilanz.

Der Fall des kranken Papageis

In vierzig Jahren Verbraucherberatung ist schon einiges an Spannendem und Kuriosem aufgelaufen. Wie der Papagei, ein Ara war es, der immer wieder von der Stange fiel. In den 80ern, war der Kunde bei Angelika Weischer vorstellig geworden.

Das Tier, das er im Fachhandel gekauft hatte, litt unter Kreislaufbeschwerden und brauchte die Hilfe einer Spezialklinik für Exoten in Düsseldorf. Sogar ein Blutaustausch musste gemacht werden, die Tierarztrechnung stieg schnell auf 400 Euro, die der Vogelkunde nicht bezahlen wollte. Der Fall ging gut aus: Der Ara überlebte und der Vogelhändler musst die Arztrechnung übernehmen.

Haare waschen im Angebot – Aufpreis fürs Shampoo

Ähnlich interessant war auch der Fall des Figaros, der damit warb: „Haareschneiden und -waschen für 11 D-Mark“. Als der Kunde, es handelte sich um einen Herrenhaarschnitt, bezahlen wollte, wurde ihm aber eine Rechnung über 13,50 Mark präsentiert.

„Das Shampoo gibt es ja nicht geschenkt“, argumentierte der Friseur auch gegenüber Angelika Weischer. Zu unrecht, wie er schnell quittiert bekam. Die Verbraucherschützerin schaltete die Innung ein, die ihr Mitglied abmahnte.

Bibel und Kunstdruck für 15.000 Euro

Ganz frisch, und deshalb noch ohne Ergebnis ist der Fall des Mannes, den ein angeblicher Vertreter für ein Kunstkontor besucht hatte. Der Schwerter hatte sich mit dem Mann unterhalten, der dann auch wieder ohne einen Auftrag gegangen war.

Kurz darauf erhielt er aber dennoch eine Auftragsbetätigung für einen nummerierten Druck „Leonardo da Vinci III“ und eine Faksimile Bibel für insgesamt knapp 15.000 Euro. Zahlbar in bar. „Was dahinter steckt, müssen wir selbst noch ermitteln“, so Weischer.

Einiges hat sich in der langen Zeit bei der Verbraucherberatung geändert. Haushaltsgerätetests oder Beratung, welcher Fernseher denn der beste sei, machen die Verbraucherzentralen fast gar nicht mehr. Dafür geht es mehr um Fake-Shops im Internet, Inkasso-Abzocke oder Telefon- und Internetverträge.

Zu den Klassikern damals wie heute zählen hingegen die Kaffeefahrten. „Eigentlich müsste da doch jeder Bescheid wissen“, so Weischer. Aber auch Menschen, die gut vorbereitet sind, tappen da in die Falle.

Zwei teure Koffer voller Vitamine

So wie das Ehepaar, das die Wildpferde in Dülmen besuchen wollte. Beiden war klar, dass man bei so einer Fahrt, den Verkäufern widerstehen muss. Das klappte offensichtlich dann doch nicht. Für jeweils 999 Euro hatten beide am Ende einen Koffer mit Nahrungsergänzungsmitteln erstanden. Gezahlt in bar.

Warum man denn soviel Geld mit zur Kaffeefahrt nimmt? Hatten die beiden gar nicht. Der diensteifrige Verkäufer hatte sie nach Hause begleitet und dort das Geld in Empfang genommen. Da es bei Haustürgeschäften ja ein Widerrufsrecht gibt, wollten die beiden ihre deutlich überteuerten Vitaminkoffer nun zurück geben.

Doch da hatten sie nicht mit dem Verkäufer gerechnet. Der hatte zwar eine Widerrufserklärung mitgebracht, auf der fehlte aber genau wie auf der Rechnung seine Adresse oder auch nur ein Name. Selbst über das Busunternehmen und die Gaststätte war er nicht zu ermitteln. Das Ehepaar blieb auf ihren Koffern und dem üppigen Sortiment an Pillen und Pülverchen sitzen.

Das Gedicht-Abonnement aus dem Internet

Und die erste Kundin in Schwerte? Die hatte seinerzeit für ihre Frauenhilfegruppe ein Gedicht im Internet kopiert. Anschließend kam die Rechnung über ein Gedicht-Abo. Für nur 198 Euro könne sich die Kundin nun 24 Monate alle Gedichte dieses Anbieters herunterladen.

Der Frau konnte zum Glück geholfen werden, weil sie sich an die Verbraucherschützer gewandt hatte. Doch der Trick, dem mit der Bestellbutton-Verpflichtung 2012 ein Riegel vorgeschoben wurde, war jahrelang bei Internet-Abzockern äußerst beliebt.

Wenn das Handy plötzlich den Weg erklärt

In dieser Zeit stiegen auch viele Menschen von ihrem Handy aufs Smartphone um und erlebten eine böse Überraschung. Die Handyrechnung betrug plötzlich 800 Euro, vor allem dann, wenn man die Simkarte von seinem alten Siemens-Handy direkt ins neue Smartphone steckte.

Angelika Weischer erinnert sich an den Kunden, der genau dieses Problem hatte, dann aber anmerkte: „Das Handy hat mir direkt den Weg zu ihnen gezeigt, das konnte das alte nicht.“ Die Verbraucherberatung verhandelte in diesen Fällen meist erfolgreich mit den Anbietern, die damals ja noch ein Interesse daran hatten, möglichst viele Kunden für die neue Geräte-Generation zu bekommen.

Und was sind heute die häufigsten Anfragen? Handyverträge, sagt Angelika Weischer. Oft kommen die Kunden aus dem Handyshop direkt in die Verbraucherberatung. „Da kann man ja nur mit einer Rückfrage zum Vertrag reinkommen und geht mit einem neuen Vertrag raus“, weiß sie. Und oft sind diese Verträge nicht zum Wohl des Kunden.

Doch auch wenn der Job immer spannend war, am 17. Dezember ist Schluss. Dann kümmert sich die Ökotrophologin um ihre Enkel, den großen Garten und wenn Corona es wieder zulässt auch um ihren Freundeskreis. Ach ja und E-Bikes hätten sie angeschafft. Was man halt so plant, wenn es Richtung Ruhestand geht.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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