An der Ecke Alter Dortmunder Weg/Waldstraße führt die Umleitung Heinz Kuhlmann in den Schwerter Wald hinein – nicht auf direktem Weg (l.) zur Hörder Straße zurück, sondern erstmal tief hinunter in das Bachtal. © Reinhard Schmitz
Ausbau B236

Kuriose Umleitung: Zur Bushaltestelle geht’s 1,3 Kilometer quer durch den Wald

„Schildbürgerstreich“, schimpfen viele. 100 Meter sind es normalerweise von der Freischützbrücke zur Bushaltestelle nach Dortmund. Jetzt muss man 1,3 Kilometer quer durch den Wald laufen.

Viele schöne Wanderwege führen durch den Schwerter Wald. Der Sauerländische Gebirgsverein hat ihren Verlauf mit weißen Symbolen an den Bäumen markiert.

Die auffälligen Zeichen für einen weiteren Weg, die jetzt dazugekommen sind, haben die Straßenbauer der Deges gesetzt, die am Freischütz mit der Verbreiterung der B236 beschäftigt sind. Mit dem auffälligen grünen „H“ auf gelbem Kreis weisen sie eine Umleitung für Fahrgäste, die am Freischütz in den Bus nach Dortmund einsteigen wollen.

Statt ihr Ziel von der Fußgängerbrücke nach vielleicht 100 Metern parallel zur Hörder Straße zu erreichen, werden sie auf 1,3 Kilometern über Stock und Stein geschickt.

Heinz Kuhlmann: „Das ist ein Schildbürgerstreich“

„Die Idee zu haben, ist ein Schildbürgerstreich“, sagt Heinz Kuhlmann (67) vom Heidekamp, der die eigenartige Umleitung am Wochenende entdeckt hat. Von der Fußgängerbrücke wird er zunächst den abgebundenen Teil der Waldstraße bis zur Einmündung Alter Dortmunder Weg hinuntergeschickt.

Dort geht es dann in den Wald hinein, aber nicht nach links Richtung Hörder Straße zurück, sondern erst einmal herunter zum Bachtal: „Das müssen wir alles wieder rauf.“ Erst dann macht die – gut ausgeschilderte – Strecke zwei Linksdrehungen, bis nach einem Steilaufstieg der Freischützturm durch das frische Buchengrün lugt.

Der direkte Weg von der Fußgängerbrücke am Freischütz parallel zur B236 zur Bushaltestelle ist gesperrt. Statt der vielleicht 100 Meter muss Heinz Kuhlmann jetzt eine 1320 Meter lange Umleitung durch den Schwerter Wald nehmen.
Der direkte Weg von der Fußgängerbrücke am Freischütz parallel zur B236 zur Bushaltestelle ist gesperrt. Statt der vielleicht 100 Meter muss Heinz Kuhlmann jetzt eine 1320 Meter lange Umleitung durch den Schwerter Wald nehmen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Mit Rollstühlen oder Kinderwagen wäre dieser unbefestigte Weg kreuz und quer durch den Wald nicht zu gehen, ist sich Heinz Kuhlmann sicher. Er hat sein Fahrrad geschoben, um auf dem Tacho die Länge abzulesen: 1320 Meter. Alles natürlich ohne Laternen. Wie gut, dass es jetzt wenigstens am Abend schon lange hell ist. Aber der Bus sei auf jeden Fall weg, wenn man an der Haltestelle ankommt – vielleicht auch schon der nächste.

Die Deges sucht nach einer besseren Alternative

Im Rathaus zeigt man sich alles andere als erfreut. „Die Umleitung ist nicht im Sinne der Stadt und der Verkehrsbehörde“, erklärt Stadt-Pressesprecher Ingo Rous. Sie sei zwar angezeigt worden, aber nicht genehmigt. Es gebe jetzt „freundliche Gespräche“, in denen dringend nach einer anderen Lösung gesucht werde.

Aus dem Tal heraus führt die Umleitung auf ihrem letzten Abschnitt wieder steil herauf zur Bushaltestelle am Freischütz.
Aus dem Tal heraus führt die Umleitung auf ihrem letzten Abschnitt wieder steil herauf zur Bushaltestelle am Freischütz. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Daran ist auch die Deges interessiert. „Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine bessere Alternative zu finden“, sagt Unternehmenssprecherin Simone Döll. Schon am Dienstag (11.5.) sei dazu ein Treffen der maßgeblichen Personen vor Ort angesetzt.

Allerdings sei der Raum für Alternativen in dem Bereich sehr begrenzt. Die Sperrung des bisherigen Weges zu der Bushaltestelle sei aber nötig, um die Rampe zu der neuen Fußgängerbrücke am Freischütz fertigzustellen.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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