Die Bürgerinitiative um Silvia Kötter-Brökelschen (l.) setzt nun ihre Hoffnung auf die Eingabe beim Kreis Unna. © Heiko Mühlbauer
Beschwerdeausschuss

Landschaftsschutzgebiet: Politiker wollen Pläne für K20 nicht überdenken

Die Weiterführung der K20 führt durch ein Landschaftsschutzgebiet. Das will eine Bürgerinitiative verhindern. Der Beschwerdeausschuss des Rates erteilte den Bürgern aber ein Abfuhr.

Lange Jahre galt die Umgehungsstraße von McDonald‘s bis zur Binnerheide als die Lösung vieler Schwerter Verkehrsprobleme. Und auch von der Weiterführung in Richtung Geisecke versprach man sich einiges. Allerdings hatte man lange gehofft, die Straße an die Autobahn in Lichtendorf anschließen zu können.

Das wird vom dafür zuständigen Bundesverkehrsministerium und auch von vielen Menschen in Dortmund Lichtendorf abgelehnt. Also arbeitete der Kreis an einer Ersatzlösung, dem Weiterbau der K20 ohne Autobahn-Anschluss. Der führt zumindest in der bisher favorisierten Variante durch das Landschaftsschutzgebiet rund um den Gehrenbachstausee.

Am Ende stand die Antragstellerin mit leeren Händen da

Das wiederum ruft Bürgerprotest hervor. Eine Bürgerinitiative formierte sich. Am Dienstagabend (8.6.) wurde deren Antrag auf ein Ende solcher Pläne im Beschwerdeausschuss diskutiert. Am Ende musste die Antragstellerin aber mit leeren Händen heimkehren.

Nur die Grünen erklärten sich bereit, das Thema noch einmal zu diskutieren. Die anderen Fraktionen verwiesen zum einen darauf, dass der Kreis Unna hier die Planungshoheit hat, zum andren, dass man bereits vor Jahren eine positive Stellungnahme zu den Bauplänen gegeben habe.

Verbraucht Fläche und löst keine Verkehrsprobleme

„Mit Erschrecken haben wir gesehen, dass die Trasse durch das Landschaftsschutzgebiet führt“, begründete Silvia Kötter-Bröckelschen ihren Antrag. Daraufhin habe man eine Bürgerinitiative gegründet. Rund 30 Mitglieder gebe es. Ihre Argumentation gegen die Planung: Sie verbraucht viel Fläche, sie zerstört Natur und das für einen verkehrspolitisch höchst zweifelhaften Erfolg.

Die Stadtverwaltung glaubt an die Sinnhaftigkeit der Entscheidung, das machte Stadtplaner Jan Menges deutlich. Er zeigte die Verkehrsbelastung auf der B236 anhand von Grafiken. Alle zwei Sekunden fahre dort nachmittags ein Auto. Und bis 2030 würde der Verkehr noch zunehmen. Zudem seien Gewerbegebiete wie Silberkuhle und Schwerte-Ost nur durch die Innenstadt erschlossen, weil die niedrige Bahn-Brücke an der Lohbachstraße die Nutzung der K20 für große Lkw unmöglich mache.

Planungshoheit liegt beim Kreis

Carsten Böckmann von der CDU fasste das Thema für die Mehrheit im Ausschuss zusammen: „Es ist ein berechtigtes Ansinnen der Anwohner, aber wir haben derzeit Druck mit den Lkw.“ Außerdem verwies auch er darauf, dass die Planungshoheit jetzt beim Kreis liege. Und das Verfahren ja noch Möglichkeiten zur Mitwirkung biete.

Gegen diese Meinung argumentierte Maximilian Ziel von den Grünen: „Es existiert eine Klimakrise. Und selbst Verkehrsminister Andreas Scheuer hat erkannt, dass Güter auf die Schiene gehören.“ Wer so einen Plan umsetzen wolle, müsse beachten, dass das auch in 20 Jahren noch Sinn mache. Der alte Rat habe dem Plan zugestimmt. Der neue Rat habe sich noch nicht damit befasst, deshalb könne man das im zuständigen Fachausschuss doch noch einmal beraten.

Die Gewerbegebiete müssen erschlossen werden

Bei der SPD wollte man das Anliegen der Bürger an den Kreis weiterleiten. Denn der sei die zuständige Administration, so Arnd Joeres (SPD).

Und Eckehard Weist, der für die WfS im Beschwerdeausschuss sitzt, merkte an: „Wir haben uns aber selbst die Gewerbegebiete hierhin geholt und da fährt man nicht in dem Fahrrad hin, Metallteile ausliefern.“ Dennoch stimmte er den Grünen zu: Man könne das Thema ruhig noch einmal im Fachausschuss diskutieren.

Am Ende konnte sich der Ausschuss aber nur dazu durchringen, das Thema an den den Kreis weiterzuleiten. An den hatte Silvia Kötter-Brökelschen aber schon selbst eine Eingabe gemacht. Von der Schwerter Politik sind sie und ihre Mitstreiter enttäuscht. Zum einen über die Entscheidung, zum anderen aber auch, weil Stadtplaner Menges einen Powerpoint-Vortrag halten durfte, während man sich die Folien der Beschwerdeführerin im Ausschuss nicht ansah. Die hätten die Politiker ja mit ihren Sitzungsunterlagen zugeschickt bekommen.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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