Er war alkoholabhängig, obdachlos, saß im Gefängnis. Hinzu kam der Krebs. Auf seiner „Tour der Hoffnung“ radelte Oliver Trelenberg für den guten Zweck - und machte auch Halt in Schwerte.

Schwerte

, 31.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Oliver Trelenberg war bereits ganz unten angekommen im Leben. Mehrmals. Alkoholkonsum, Gefängnisstrafe, Obdachlosigkeit, Krebs. Es schien, als würde ihm nichts gelingen, was er sich vornahm. Gesundheitliche Schicksalsschläge legten ihm zusätzliche Steine in den Weg.

Erst rund 30 Jahre, nachdem er als jugendlicher Berufsschulabbrecher zum ersten Mal alkoholabhängig geworden war, schien er etwas gefunden zu haben, das ihm Halt gibt in seinem Leben: Das Fahrrad.

Der Drahtesel ist für den heute 56-jährigen mehr als ein Mittel, um von A nach B zu kommen. Es ist zu seiner wichtigsten Stütze geworden, das ihn auf den richtigen Weg gebracht hat und ihn seit nunmehr zehn Jahren dort begleitet.

Ein lebenslanger Kampf gegen den Alkohol

2009 war das, als Oliver Trelenberg die Bewegung auf zwei Rädern für sich entdeckte. Sechs Jahre zuvor hatte er sich bereits endgültig vom Alkohol abgewendet. Von der Droge, die ihm seit seiner Jugendzeit beinahe durch sein gesamtes Leben begleitet hatte. Von der er zwischenzeitlich schon einmal erfolgreich Abstand genommen hatte, ihr nach einer gescheiterten Ehe aber erneut verfiel.

Endlich schien er in die richtige Spur gefunden zu haben. Doch mit der Abkehr vom Alkohol gingen zugleich psychologische Erkrankungen einher. Sein Alltag war fortan geprägt von Depressionen, traumatischen Störungen und Zwangserkrankungen. Noch während er sich deshalb in stationäre und ambulante Therapie begab, brach eine Hautkrankheit aus. Doch auch der Schuppenflechte sagt er den Kampf an.

Hätte Oliver Trelenberg zu diesem Zeitpunkt nicht bereits längst mit dem Radfahren begonnen – wer weiß, ob er die gesundheitlichen Rückschläge hätte verkraften können. Die Bewegung an der frischen Luft, quer durch die Natur, gab ihm die Kraft, auch den wahrscheinlich härtesten Schicksalsschlag seines Lebens zu verkraften: Kehlkopfkrebs.

2013 bekam er diese „Schock-Diagnose“, wie er sie selbst nennt. Entgegen der meisten anderen Menschen, die an diesem Tumor erkranken, behielt Trelenberg seine Stimme. Dafür musste der Kehldeckel entfernt werden, was bedeutet, dass die Luftröhre beim Atmen nicht mehr geschlossen wird. Es ist eine erhebliche konditionelle Beeinträchtigung, mit der er seitdem zu kämpfen hat. Und eine zusätzliche Herausforderung für seine Radreisen.

Ruhrtalradweg als letzte Etappe

„Schon bei kleinen Anstiegen muss ich das Rad schieben“, erklärt der passionierte Radfahrer. Längst sind es keine Tagesausflüge mehr, die der 56-Jährige unternimmt. Denn unter dem Motto „Oli radelt“ reist Trelenberg nun bereits seit 2014 quer durch die Republik. Auf seiner „Tour der Hoffnung“ sammelt er Spenden für den guten Zweck, um anderen Menschen zu helfen, die ähnliche Schicksalsschläge erlitten haben wie er.

Auf der letzten Etappe seiner „Tour der Hoffnung“ wurde Oliver Trelenberg im Rathaus von Gabriele Stange, der persönlichen Referentin des Bürgermeisters und Klimaschutzmanagerin Jana Ermlich im Schwerter Rathaus empfangen.

Auf der letzten Etappe seiner „Tour der Hoffnung“ wurde Oliver Trelenberg im Rathaus von Gabriele Stange, der persönlichen Referentin des Bürgermeisters und Klimaschutzmanagerin Jana Ermlich im Schwerter Rathaus empfangen. © Stadt Schwerte

Jetzt hat er auch in Schwerte Station gemacht. Der Ruhrtalradweg war die letzte Etappe seiner diesjährigen Sommerreise. Im Schwerter Rathaus wurde er von Gabriele Stange, der persönlichen Referentin des Bürgermeisters und Klimaschutzmanagerin Jana Ermlich empfangen. Sie überreichten ihm einen Scheck im Wert von 901,20 Euro, die bei der Fundräderversteigerung des Drahteselmarktes zusammengekommen waren.

Eine Radreise quer durch die Republik

Knapp 3840 Kilometer auf dem Fahrrad steckten ihm da bereits in den Knochen. 69 Tage auf dem Sattel, mit kaum einem Tag Pause dazwischen. Eine Reise, die in Stuttgart begonnen hatte und ihn anschließend quer durch die Bundesrepublik führte. Über Nürnberg und Frankfurt, Koblenz und Köln, einmal vorbei an der Heimat bis nach Cuxhaven und Kiel im hohen Norden – und schließlich wieder zurück nach Hagen.

„Begonnen habe ich mit der Vorbereitung bereits im vergangenen Oktober“, erzählt Trelenberg. Jedes Jahr nimmt er auf seiner Tour eine andere Route – „sonst wäre das ja langweilig.“ Umfangreiches Kartenmaterial hat er sich dafür besorgt, um keinen Meter dem Zufall zu überlassen. „Ich plane das ganz akribisch“, erzählt Trelenberg, denn er weiß, dass er auf dem Weg stets seine Gesundheit im Blick haben muss.

Der tägliche Kampf gegen die Erkrankungen hält weiter an

Weiterhin kämpft der Frührentner täglich mit den Langzeitfolgen seiner Erkrankungen: Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit und bei jedem Schluck Flüssigkeit und jedem Bissen die Gefahr, zu ersticken, weil die Luftröhre nicht mehr verschlossen wird. „Ich radle größtenteils entlang von Flüssen, weil die Steigungen da meistens nicht so groß sind“, erklärt Trelenberg, der die Mammut-Reise auch nicht als Ausdauersport betrachtet: „Im Prinzip möchte ich das ja zur Erholung machen.“

Rund 20.000 Euro hat er auf seinen Reisen insgesamt bisher gesammelt. Wichtig zu betonen ist Trelenberg dabei, dass jeder Cent bei dem von ihm unterstützten Projekt ankommt. In diesem Jahr ist das der Spendentopf der „Tour der Hoffnung“, ein Radsportprojekt zur Unterstützung krebs- und leukämiekranker Kinder.

Oliver Trelenberg hat auch in Zukunft große Ziele

Die Spenden sammelte er in allen Städten, in denen er während seiner Reise Station machte. Er erzählte Kommunalpolitikern und Pressevertretern von seinem Projekt und sprach auf seiner Reise direkt mit den Menschen, denen er begegnete. Gesponsert wird er von Hotels, Pensionen und Jugendherbergen, die ihm auf dem Weg eine Unterkunft bieten.

Und von Firmen aus der Radbranche, die ihm die Ausrüstung zur Verfügung stellen. Für die Verpflegung sorgt er selbst – auch das ist Trelenberg wichtig zu betonen, wenn er um Spenden wirbt.

Wie hoch sie gesammelte Summe in diesem Jahr ausfällt, muss er in den nächsten Tagen in Ruhe berechnen. Und dann beginnen auch schon die Planungen für die nächste Reise, denn auch in Zukunft, so verrät er, „habe ich noch einiges vor.“

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