Mann (35) in Ergste gefoltert: Ging es um die PIN-Nummer?

mlzErpressung als Ursache

Ging es um die PIN-Nummer? Wurde ein polnischer Leiharbeiter deshalb tagelang von Arbeitskollegen in einem Haus in Schwerte-Ergste gefoltert? Die Staatsanwaltschaft geht davon aus.

Schwerte

, 27.07.2020, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war das Motiv für diese Tat? Wieso sollen drei Männer (22, 26 und 29) ihren Kollegen gefesselt und mehrere Tage und Nächte lang so stark geschlagen haben, dass er mit Hämatomen und Prellungen am Kopf ins Krankenhaus gebracht werden musste?

Am Montag äußerte sich ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hagen dazu. Demnach gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass die drei Männer aus Polen das Opfer bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18. auf 19. Juli, überfielen. Sie sollen ihm Geld und Dokumente abgenommen, ihn gefesselt und dann immer wieder mit Schlagwerkzeugen geschlagen haben, wie der Staatsanwalt schilderte.

Staatsanwaltschaft: Verdächtige wollten wohl an das Geld

Die Tatverdächtigen hätten offenbar versucht, dem Opfer die PIN-Nummer seiner EC-Karte abzupressen, sagte der Sprecher. Das Alter des Opfers wurde nun mit 35 Jahren angegeben.

Die Männer wohnten gemeinsam in einer Sammelunterkunft an der Straße Am Derkmannsstück in Schwerte-Ergste. Nachbarn hatten berichtet, dass dort schon seit längerem Leiharbeiter aus Polen untergebracht seien.

Alle vier Wochen kämen neue. Nachts werde oft gefeiert. Schon mehrfach seien deshalb Ordnungsamt oder Polizei deshalb gekommen.

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Bestätigt: Hinweis auf die Tat kam aus Polen

Das Martyrium des 35-Jährigen endete erst, nachdem die Polizei am Dienstagnachmittag, 21. Juli, das Haus durchsuchte. Der Hinweis, dass dort etwas Schreckliches passiert sei, kam tatsächlich von polnischen Ermittlungsbehörden. Auch das bestätigte die Staatsanwaltschaft am Montag.

Drei Männer sitzen weiterhin in U-Haft, zwei seit der Durchsuchung am Dienstag, einer seit Mittwoch. Der Vorwurf: erpresserischer Menschenraub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Weiter offen: Was ist mit den Versiegelungen passiert?

Die Ermittlungen dauern an. Zu einem weiteren Aspekt wollte sich die Staatsanwaltschaft allerdings noch nicht äußern: zum Thema Versiegelung. Nach der Tat waren mehrere Eingangstüren zu dem Bungalow mit amtlichen Siegeln versehen worden. Sie zu entfernen oder durchzuschneiden, ist normalerweise eine Straftat.

Auch an dieser Tür hing zunächst ein amtliches Siegel.

Auch an dieser Tür hing zunächst ein amtliches Siegel. © Reinhard Schmitz

Schon am Sonntag waren allerdings die Siegel weg. In einem Fall war sogar eine Tür ausgetauscht. Nachbarn berichteten davon, dass mehrere Personen am Wochenende viele Dinge aus dem Haus geräumt hätten. Offenbar seien die übrigen Bewohner – allesamt ebenfalls Leiharbeiter aus Polen – nun in die Heimat zurückgekehrt.

Durften Menschen das Haus betreten? Oder ist das gegen den Willen der Ermittler geschehen? Dazu gab es am Montag keinerlei offizielle Angaben.

Mit Material von dpa.

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