Margot Schlieper (99) mit Sohn Dieter (76). © Jörg Bauerfeld
Positives in Coronazeiten

Margot Schlieper überstand mit 99 Jahren eine Corona-Infektion

Der Schock kam am 13. Januar. Drei Tage nach der ersten Impfspritze ging bei der Familie Schlieper das große Bangen los. Margot Schlieper, Mutter, Oma und Uroma, wurde positiv auf Corona getestet.

Die Sonne scheint in das Zimmer von Margot Schlieper. Auf dem kleinen Tisch ein Fläschchen Eierlikör und eine Schachtel mit Ahoi-Brause – man muss ja etwas anzubieten haben, wenn Besuch kommt. Seit einem halben Jahr wohnt die 99-Jährige im Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum in Holzen.

Sie fühlt sich hier wohl, obwohl sie immer noch ein wenig wehmütig an ihre frühere Heimat auf dem Sommerberg zurückdenkt. „Das war schon schön dort. Aber hier habe ich mir auch ein gemütliches Zimmer ergattert“, sagt Margot Schlieper und lächelt spitzbübisch.

Kirsten Hermann ist Leiterin der Awo-Einrichtung in Holzen. Coronafälle gibt es hier zurzeit keine. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Sie wirkt noch ziemlich fit für ihr Alter. Gut, dass mit dem Laufen klappt nicht mehr so richtig. Aber mit einem Rollator funktioniert es noch ganz gut. Dass sie sich mit Corona infiziert hatte, ist Schnee von gestern. Mittlerweile hat die fast hundertjährige (im August 2021 ist es so weit) die zweite Impfung erhalten, ist durchgeimpft.

Man kann nur vermuten, warum der Verlauf milde war

„Ihre gute Konstitution hat sie vielleicht vor einem schwereren Krankheitsverlauf bewahrt“, sagt Awo-Einrichtungsleiterin Kirsten Hermann. Vielleicht war es auch die erste Impfe, die bei Margot Schlieper Schlimmeres verhindert hat. „Aber das sind alles nur Vermutungen“, sagt Hermann. Seite einiger Zeit ist die Einrichtung am Holzener Weg coronafrei.

Zutritt in das Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum gibt es nur mit einem negativen Corona-Schnelltest. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Ein Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner ist durchgeimpft. Auch zahlreiche Mitarbeiter. „Alle, die wollten“, sagt Kirsten Hermann. Sicherheit geht trotzdem vor. Jeder, der von außen in die Einrichtung möchte, muss sich einem Schnelltest unterziehen. Es wird Fieber gemessen, Hände desinfiziert.

Trotzdem ist man auch bei allen Vorkehrungen nicht davor gefeit, dass sich das Virus einnistet. So wie in den Tagen um den 13. Januar. „Es war schon ein Schock“, sagt Dieter Schlieper, als er von der Erkrankung seiner Mutter gehört hatte. „Man kann nichts machen, nur abwarten“.

Nur ein Winken von der Straße aus

Die Besuche fielen weg, ein Zuwinken von der Straße aus, das war’s. Ein paar Telefonate, bis die erlösende Nachricht kam, dass Mutter Margot wieder gesund ist. „Sie war ein wenig schlapper als sonst, hat gehustet, aber sonst nichts weiter“, sagt Dieter Schlieper.

Margot Schlieper hat die Coronainfektion und auch die Impfe schon fast vergessen. „So ein kleiner Piecks, da hab ich schon ganz anderes mitgemacht.“ Zum Beispiel warten auf den Pressetermin. Mensch, war die 99-Jährige nervös. Mehrmals habe sie sich umgezogen, sagt Kirsten Hermann. „Jetzt sitze ich die ganze Zeit hier, habe mich heute Mittag schon extra fein gemacht und kein Deubel kommt“, so Margot Schlieper.

Anekdötchen und einen Brocken Ahoi-Brause

Die Deubel (Teufel) waren dann doch da. Es gab Anekdötchen von früher, ein Lächeln und für alle noch einen Brocken Ahoi- Brause. Lachen kann auch Einrichtungsleiterin Kirsten Hermann wieder. „Man leidet ja richtig mit, wenn ein Bewohner oder eine Bewohnerin erkrankt“. Coronamäßig ist hier im Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum zumindest im Moment alles im grünen Bereich.

Und vielleicht kann man dann im August, im Garten an der Westseite des Gebäudes, den 100. Geburtstag von Margot Schlieper feiern. Einer rüstigen Frau, die Corona mit 99 Jahren noch die Stirn geboten hat.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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