Michael S. schweigt - vor 29 Jahren legte er schnell ein Geständnis ab

mlzMord in Ergste

Seit vier Wochen schweigt Michael S. Die Polizei ist überzeugt, dass er eine Frau in Ergste getötet hat. Vor fast 30 Jahren beging S. schon einen Mord. Es gibt Parallelen.

Ergste

, 07.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier Wochen ist es her, dass eine 72 Jahre alte Frau in Ergste in ihrem Haus brutal getötet wurde. Einen dringend tatverdächtigen Mann nahm die Polizei bereits eine halbe Woche nach der Tat fest. Doch der schweigt beharrlich. Das bestätigte Staatsanwalt Michael Burggräf gestern auf Anfrage.

Indiziennetz wird engmaschiger

Die Mordkommission versucht derweil, das Indiziennetz gegen den 50-jährigen Michael S. engmaschiger zu ziehen. Denn der Tatverdacht gegen den Mann begründet sich derzeit nämlich ausschließlich auf Indizien, allerdings sind darunter auch eindeutige Hinweise.

Michael S., der ja vor seiner Entlassung in der JVA Schwerte einsaß, sei natürlich jetzt in einer anderen Haftanstalt untergebracht, betont der Staatsanwalt. Ansonsten gebe es nicht viel Neues. Es sei allerdings üblich, dass dringend Tatverdächtige nicht gleich aussagen. Zumindest nicht dann, bevor sich ihr Anwalt in die Akten eingearbeitet hat.

Lebensweg des Täters nachgezeichnet

Bei dem Mordfall 1990, für den S. 28 Jahre hinter Gittern verbrachte, war das anders. Damals hatte der 21-Jährige sofort ein Geständnis abgelegt, wie das Archiv der Aachener Nachrichten hergibt. Die hatten den Lebensweg des Täters nachgezeichnet.

S. soll schon in seiner Kindheit über den Vater ins kriminelle Milieu abgerutscht sein. Der Vater war laut Gerichtsakten ein Gewohnheitskrimineller, der seinen Sohn, als der älter wurde, auf seine Beutezüge mitnahm.

In de 80er-Jahren wurde der damals noch Jugendliche zu vier Jahren Jugendstafe verurteilt. Gemessen an den üblichen Urteilen gegen Minderjährige eine sehr harte Strafe. Erst am 5. Juni 1990 wurde der inzwischen 21-Jährige aus dem Gefängnis entlassen. Bereits sechs Tage später beging er seinen ersten Mord.

Spaziergänger hatten am Abend des 11. Juni einen herrenlosen Tibet-Terrier am Ufer des kleinen Flusses Wurm gefunden.

Kurze Zeit später fanden Spaziergänger die Leiche

Und kurze Zeit später fanden sie die Leiche des 59-Jährigen Frauchens, die im Wasser lag. Ob die ertränkt oder erwürgt worden war, ließ sich nicht mehr feststellen, allerdings war sie missbraucht worden. Mit großem Aufwand, Flugblättern und Befragung von Spaziergängern ermittelte die Polizei über Wochen, erstellte Phantombilder von Verdächtigen, wäre aber wohl nicht zum Ziel gekommen, wenn Michael S. nicht fünf Wochen später eine 50 Jahre alte Verkäuferin in der Aachener Innenstadt in ihrem Geschäft überfallen hätte. Er war seinem Opfer bis auf die Toilette gefolgt und hatte es dort versucht zu vergewaltigen und gleichzeitig Geld gefordert. Die Verkäuferin kam mit dem Leben davon und konnte eine gute Personenbeschreibung abgeben. Die reichte aus, um Michael S. auf die Spur zu kommen.

991 zu lebenslanger Haft verurteilt

1991 wurde er dann, mittlerweile 22 Jahre alt, zu lebenlanger Haft verurteilt. Bis 2004 soll er in der Justizvollzugsanstalt Aachen eingesessen haben Danach ging es nach Schwerte. Dort hat wohl auch die erste Prüfung auf eine mögliche Haftentlassung stattgefunden, wie der Hagener Landgerichtssprecher Dr. Bernhard Kuchler im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten erklärte. Mehrfach hatte S. versucht, seine Haftentlassung zu betreiben. Gelungen war ihm dies aber erst im Oktober 2018. 2015 habe es jeweils ein Prognose-Gutachten gegeben, genau wie erneut 2018 wieder. Seinerzeit habe es dann sogenannte vollzugslockernde Maßnahmen wie beispielsweise Freigänge gegeben.

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