Das gemeinschaftliche Treppenhaus verbindet die beiden Gebäudeteiles des Wohnkomplexes, den die GWG Schwerte an der Kleinen Märkischen Straße errichtet hat. 37 Wohnheinheiten in verschiedenen Größen sind hier entstanden. © GWG Schwerte
Wohnen in Schwerte

Mini-Heizung versorgt 37 Wohnungen: Kaum größer als eine Waschmaschine

Eine neue Wohnanlage ist an der Ecke Märkische-/Kleine Märkische Straße entstanden. Das Projekt der GWG bietet viele Besonderheiten. Doch das Erstaunlichste steckt unten im Keller.

Außen rund, innen eckig. Die Quadratur des Kreises ist den Architekten gelungen. Fein geschwungen, schmiegt sich die Fassade der Wohnanlage an die Biegung der Kleinen Märkischen Straße. „Die Räume sind trotzdem rechteckig“, erklärt Birgit Theis, Prokuristin der Gemeinnützigen Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG). Durch eine geschickte Lösung sind die Stellwände so, wie man sie zum Aufstellen von Schränken, Regalen und Einbauküchen braucht. Und das ist nicht das einzige Erstaunliche an dem Neubau, mit dem 37 Wohneinheiten entstanden sind.

Waschmaschinen-große Kiste beheizt sämtliche Wohnungen

Die größte Überraschung verbirgt sich hinter einer Tür im Keller, wo ein unscheinbarer blau-silbriger Kasten vor sich hinbrummt. Kaum größer als eine Waschmaschine ist das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke, das den kompletten Gebäudekomplex mit Wärme versorgt.

GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe zeigt das Blockheizkraftwerk: Kaum größer als eine Waschmaschine ist das Gerät, das alle 37 Wohnheiten beheizen kann. Nur bei strengem Frost wird ein Gaskessel zugeschaltet.
GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe zeigt das Blockheizkraftwerk: Kaum größer als eine Waschmaschine ist das Gerät der Stadtwerke, das alle 37 Wohnheiten beheizen kann. Nur bei strengem Frost wird ein Gaskessel zugeschaltet. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Dazu wird die Abwärme, die das Gerät beim Antrieb seines Stromgenerators erzeugt, in zwei Pufferspeichern als warmes Wasser gesammelt. Dieses wiederum erhitzt in jeder Wohnung eine Übergabestation, die das Wasser in der jeweiligen Fußbodenheizung auf 30 Grad bringt. Höher geht es nicht. „Sonst verbrennen Sie sich die Füße“, erklärt GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe.

Auf dem Dach ist eine Fotovoltaik-Anlage für Eigenstrom installiert

Nur bei extremer Winterkälte muss das Blockheizkraftwerk durch einen zusätzlichen Gasbrenner unterstützt werden. Zusätzlich produzieren die Mieter noch ihren eigenen Strom durch eine 100-Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. „Er wird zunächst hier verbraucht für den Allgemeinstrom“, sagt Ralf Grobe. Beispielsweise für die indirekte Beleuchtung unter den Handläufen entlang der Gänge, die zu den Wohnungen in den zwei Gebäudeteilen führen.

Mietergärten für die Erdgeschosswohnungen, Rasen und ein Spielplatz prägen den Innenhof zwischen den beiden Hälften des Wohnkomplexes an der Kleinen Märkischen Straße 2.
Mietergärten für die Erdgeschosswohnungen, Rasen und ein Spielplatz prägen den Innenhof zwischen den beiden Hälften des Wohnkomplexes an der Kleinen Märkischen Straße 2. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Erschlossen werden sie beide durch ein verbindendes Treppenhaus samt Aufzug in der Mitte. „Einer für alle – da ist die Unterhaltung kostengünstiger“, erklärt Ralf Grobe. Ausgaben zu senken, helfen auch die elf Zisternen unter dem Vorgarten, die 88.000 Liter Wasser für die WC-Spülungen fassen – und gleichzeitig als Puffer bei Starkregen die Kanalisation entlasten können.

GWG übernahm Projekt und Grundstück von den Eisenbahnern

Die GWG hatte das samt Grundstück 9,5 Millionen Euro teure Projekt vor zwei Jahren von der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft (EWG) übernommen, die sich mehr auf ihre denkmalgeschützte Siedlung in Schwerte-Ost konzentrieren wollte. Die Planung wurde in den Grundsätzen weitergeführt und nur in Details angepasst. Entstanden sind frei finanzierte Wohnungen von 56 bis 111 Quadratmetern für eine gemischte Mieterstruktur. Der Quadratmeter kostet im Monat derzeit 9,50 Euro. Junge Familien zogen genauso ein wie ältere Paare, denen die Treppen in ihrem Reihenhaus zu beschwerlich geworden waren. Durch eine Kooperation kamen auch EWG-Mitglieder zum Zuge, die eine barrierefreie Wohnung brauchten, die in der Kreinbergsiedlung kaum anzulegen wäre.

Geschwungen ist die Fassade des Vorderhauses zur Kleinen Märkischen Straße, wo (v.l.) GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe, Prokuristin Birgit Theis und Vorstand Burkhard Floegel stehen.
Geschwungen ist die Fassade des Vorderhauses zur Kleinen Märkischen Straße, wo (v.l.) GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe, Prokuristin Birgit Theis und Vorstand Burkhard Floegel stehen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

An der Kleinen Märkischen Straße ist alles barrierefrei. Von der Verbindungstür an der Tiefgarage, die sich auf Schalterdruck hin öffnet, bis zum geräumigen Badezimmer mit dem Rollstuhl-breiten Eingang und der ebenerdigen Dusche. Die Balkone wurden auch in den kleineren Wohnungen so bemessen, dass man dort Sitzmöbel aufstellen kann. Wer im Erdgeschoss wohnt, hat einen kleinen Mietergarten mit Terrasse – weit genug entfernt vom Spielplatz im Innenhof.

Dort gibt es – gegenüber vom Treppenhaus – auch noch einen Gemeinschaftsraum, in dem Senioren-Programme stattfinden und 30 bis 40 Personen zusammen feiern können. In der voll eingerichteten eingerichtete Küche nebenan stapelt sich sogar Geschirr für 60 Gäste. „Sie nehmen doch auch einen neuen Teller, wenn Sie nochmal zu Büfett gehen“, erklärt Birgit Theis das Überangebot mit einem Lächeln. Das Saubermachen hinterher übernimmt sowieso der Miele-Geschirrspüler.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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