An dieser Stelle zwischen C&A und dem Neubau des Cafés Extrablatt hätte Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann im Jahre 1800 noch außen vor dem Bollwerk des Hüsingtors gestanden, das einer der vier Zugänge durch die Stadtmauer war. Die dahinter verlaufende Hüsingstraße war damals nur halb so breit wie heute. © Reinhard Schmitz
Stadtgeschichte Schwerte

Mörder verriet Uwe Fuhrmann: So groß war das Hüsingtor der Stadtmauer

Links und rechts ein Turm, davor ein doppelter Wassergraben. Eine Attraktion wäre das verschwundene Hüsingtor. Ein Mörder verriet Uwe Fuhrmann, wie mächtig die Anlage vor 200 Jahren war.

Einem Mörder ist zu verdanken, dass wir eine Ahnung von der Mächtigkeit des Stadttores haben, das Schwerte im Mittelalter vor feindlichen Angriffen schützte. Schon vor 200 Jahren verschwand das Hüsingtor von dem Platz am Nordwall, der heute den Eingang zur Fußgängerzone markiert.

„1802 wurde es abgerissen“, weiß Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann, der seit Jahren die Spuren der ehemaligen Stadtbefestigung erforscht. Dabei stieß er in Gerichtsakten auf den Bericht über den Mörder, der als Spross eines reichen Bauern nicht im feuchten Keller, sondern in der kamingeheizten dritten Etage des Hüsingtors eingekerkert war – von wo ihm die Flucht gelang.

Zeichnungen in alten Gerichtsakten geben Hinweise auf den Bau

Das Bauwerk muss also bedeutend höher gewesen sein als das kleine Fantasiemodell, das die Bürgerschützen zu ihrem 550-jährigen Jubiläum im Jahre 1984 mit einem Zuschuss des Heimatvereins in die Fußgängerzone stellten. „Man hatte von dort gute Sicht bis nach Holzen“, ist Uwe Fuhrmann überzeugt. Denn außerhalb der damals noch kleinen Stadt war freies Feld, auch den Bahndamm samt Bahnhof gab es natürlich noch nicht.

Links der eckige Hüsingturm, rechts ein runder Turm, davor ein Bollwerk: So muss das vor 200 Jahren verschwundene Hüsingtor der Stadtbefestigung ausgesehen haben, wie Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann in jahrelanger Arbeit erforscht hat. Der Eingang zur Innenstadt befand sich zwischen dem heutigen dm-Markt und der Boutique Contrast. Die Vorkastenburg reichte über einen doppelten Graben bis in Höhe des jetzigen Eingangs von C&A.
Links der eckige Hüsingturm, rechts ein runder Turm, davor ein Bollwerk: So muss das vor 200 Jahren verschwundene Hüsingtor der Stadtbefestigung ausgesehen haben, wie Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann in jahrelanger Arbeit erforscht hat. Der Eingang zur Innenstadt befand sich zwischen dem heutigen dm-Markt und der Boutique Contrast. Die Vorkastenburg reichte über einen doppelten Graben bis in Höhe des jetzigen Eingangs von C&A. © Uwe Fuhrmann © Uwe Fuhrmann

In weiteren Gerichtsakten fand der Heimatvereins-Vorsitzende zwei Zeichnungen, die weitere Hinweise geben: „Sie zeigen, wie höchstwahrscheinlich das Hüsingtor ausgesehen hat.“ Und das muss für Fremde beeindruckend gewesen sein, die gegen ein Wegegeld in die Stadt hineingelassen werden wollten.

Auf der linken Seite, wo heute der Eingang zum dm-Markt ist, sei es von dem rechteckigen Turm flankiert worden. Ein zweiter, runder Turm schloss es auf der anderen Seiten zur heutigen Boutique Contrast ab. Und bevor man überhaupt zum Tor gelangte, musste man eine kastenförmige Vorburg passieren, die über den doppelten Wassergraben führte: „Alte Urkunden von 1480 sprechen von einem Bollwerk.“

Die Stadtmauer wurde niemals von Feinden bezwungen

„Neben dem Tor gab es auch noch eine Kapelle“, sagt Uwe Fuhrmann: „Die Abmessungen entsprechen denen des Tchibo-Ladens.“ Exakt 12,56 mal 8,63 Meter groß war der Gebetsort, der von einer Liebfrauenbruderschaft unterhalten wurde.

Reste der dicken Grundmauern konnte der Gründer des Ruhrtalmuseums, Josef Spiegel, im September 1972 entdecken. Er nutzte die Gelegenheit, als das dort stehende Kaufhaus Eisenmenger für seinen Neubau abgerissen wurde, um schnelle Grabungen vorzunehmen. Spiegel vermutete, dass die Kapelle auf Resten der ältesten Stadtmauer von 1242 errichtet worden sei.

Mit einem Platzkonzert feierten die Bürgerschützen Schwerte im Jahre 1986 vor ihrem Modell des Hüsingtors ihr 550-jähriges Bestehen. Es stand am Eingang der Fußgängerzone zwischen dem Textilhaus Eisenmenger (heute dm) und der Drogerie Ihr Platz (heute Rossmann).
Mit einem Platzkonzert feierten die Bürgerschützen Schwerte im Jahre 1986 vor ihrem Modell des Hüsingtors ihr 550-jähriges Bestehen. Es stand am Eingang der Fußgängerzone zwischen dem Textilhaus Eisenmenger (heute dm) und der Drogerie Ihr Platz (heute Rossmann). © RN-Archiv © RN-Archiv

Die große Stadtmauer mit vier Toren – darunter das Hüsingtor – wurde zwischen 1400 und 1420 aus Bruchsteinen um die Altstadt gezogen. „Es gibt relativ wenige Hinweise, weil das als Gemeinschaftsaufgabe angesehen wurde“, erklärt Uwe Fuhrmann. Rund 1500 Meter lang und etwas über drei Meter hoch sei die Mauer gewesen, die an der Ecke Friedensstraße/Westwall noch einen weitern Turm erhielt.

Die Wehranlage erfüllte ihren Zweck: „Es gibt Hinweise auf mehrere Angriffe, aber die Stadt wurde nicht eingenommen.“ 1425 scheiterte der Erzbischof Dietrich II. von Moers mit einem Versuch, im 30-jährigen Krieg wurden niederländische Angreifer vertrieben.

Hüsingstraße war früher nur halb so breit wie heute

Was jahrhundertelang schützte, behinderte aber irgendwann das Wachsen der Stadt. Das Hüsingtor wurde abgerissen und anschließend die ganze Stadtmauer, um mit dem Material die matschigen Straßen zu pflastern. Als ein Teil des begleitenden Stadtgrabens ist nur noch die Senke am Nordwall zu erkennen, in der sich der Judenfriedhof befindet.

Auch die Hüsingstraße veränderte sich. „Sie war mit 6,25 Metern früher nur halb so breit wie heute“, berichtet Uwe Fuhrmann. Auch deshalb wirkte der Tor-Nachbau der Bürgerschützen in den 1980er-Jahren so klein. Zum Stadtjubiläum 1997 wurde er noch einmal für ein Hüsingtor-Fest mit mittelalterlich gekleideten Akteuren, Musik und Trödelmarkt aufgebaut. Der Brand einer städtischen Lagerhalle Im Reiche des Wassers brachte dann auch das Ende für das Modell.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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