Mutmaßlicher Mörder malte Bilder und arbeitete im Gartenbau

mlzMord in Ergste

Wer ist der Mann, der eine Frau in Ergste getötet haben soll? Er arbeitete als Gärtner, malte im Knast Bilder und verfasste Gedichte. Eine Spurensuche im Internet und bei Nachbarn.

Schwerte

, 15.01.2019, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der mutmaßliche Mörder der 72-jährigen Frau aus Ergste war in der Justizvollzugsanstalt Ergste offensichtlich ein Mustergefangener. Bei einer Ausstellung von Gefangenenkunst, die 2012 im Amtsgericht stattfand, traf die Redaktion auf ihn. Damals durfte er dort als Maler seine Bilder zeigen. In einer Pressemitteilung wurde er damals zitiert, wie sehr Kunst ihm geholfen habe. Das Thema der Ausstellung lautete „Gedankliche Fluchten“. Im Gefängnis soll er ebenfalls wegen eines Tötungsdeliktes gesessen haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft hüllen sich in Schweigen.

Während sich Polizei und Staatsanwaltschaft seit der Festnahme des 49 Jahre alten Schwerters am späten Sonntagabend weiterhin in Schweigen hüllen, kommen durch die vielen Posts des Täters auf Facebook immer mehr Details ans Licht. Nicht nur seine Festnahme hatte er live per Videostream ins Netz übertragen, auch ganz normale Lebenssituationen.

Im Gartenbau im Bereich der JVA im Einsatz

So scheint sich zu verdichten, dass der Mann im Außenbereich der JVA, die ja in der Nähe des Hauses des Opfers an der Gillstraße liegt, in der Grünpflege tätig war. Zuletzt soll er bei einem Garten- und Landschaftsbauer einen Job gefunden haben. Das dokumentierte er auch per Foto auf Facebook. Außerdem gibt es Videos, die ihn an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel oder in seiner Wohnung an der Ostberger Straße zeigen.

Fernsehteams in der Ostberger Straße

Die Gegend rund um das Wohnhaus des Mannes wurde gestern von Fernsehteams und anderen Journalisten besucht. Jeder Hinweis wurde von den Kameras dokumentiert, wie der von Katharina Linhard. Sie ist sich sicher, sie hat jeden Morgen Brötchen für den mutmaßlichen Täter geschmiert.

Stammgast in ihrem Backcafé Brinker sei der mutmaßliche Frauenmörder gewesen, berichtet Inhaberin Katharina Linhard. Jeden Morgen ließ er sich ein Brötchen belegen, meistens mit Frischkäse.

Stammgast in ihrem Backcafé Brinker sei der mutmaßliche Frauenmörder gewesen, berichtet Inhaberin Katharina Linhard. Jeden Morgen ließ er sich ein Brötchen belegen, meistens mit Frischkäse. © Reinhard Schmitz

Völlig schockiert schaute Katharina Linhard auf das Foto, das den Mann zeigen sollte, der wegen der Tötung der 72-jährigen Ergsterin festgenommen worden ist. „Das war doch unser Stammkunde“, berichtete sie dem Filmteam, das am Dienstag mit dem Bild in ihr Backcafé Brinker an der Ostberger Straße hereingekommen war: „Der kam jeden Tag zu uns.“ In der Woche habe er sich meistens ein Brötchen mit Frischkäse belegen lassen, selten mal mit Schinken dazu. An den Wochenenden holte er sich Apfelkuchen. Immer nahm er sein Gebäck mit, ließ sich nie zum Verzehr an einem der kleinen Tische vor dem Schaufenster nieder.

„Der Mann hatte immer so einen komischen Blick.“

Vor allem das Gesicht des Mannes kann Katharina Linhard nicht vergessen. Mit einem so „komischen Blick“, der sie während des Brötchenschmierens keine Sekunde aus den Augen gelassen habe. „Der war sehr merkwürdig, so gruselig“, sagt sie. Auch vom Verhalten her. Mal kamen dem Stammkunden weder die Tageszeit noch Tschüss über die Lippen, ein anderes Mal verhielt er sich sehr freundlich. Den Kolleginnen war das alles nicht geheuer. Aber die Chefin beruhigte sie: „Ist doch egal, so lange der Umsatz bei uns lässt.“

Auf der anderen Seite der Theke

Mit dem Wissen von jetzt ist Katharina Linhard doch ein bisschen unwohler, wenn sie daran denkt, wer ihr mutmaßlich regelmäßig auf der anderen Seite der Theke gegenüber gestanden hat. Dabei hat sie in den neun Jahren, in denen sie ihr Backcafé an der Ecke Ostberger-/Wittekindstraße führt, schon so einiges Aufregendes erlebt. Durch die Scheibe beobachtete sie zuletzt noch eine Situation, die aussah wie eine Kindesentführung. Zuvor waren zwei Pistolenmänner sogar zu ihr hereinspaziert und hatten sich an einen der Tische gesetzt. Erst viel später stellte sich heraus, dass es sich bei den Personen mit den merkwürdigen Beulen am Hosenbund unter der Jacke um Kriminalpolizisten in Zivil handelte.

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