Eigentlich hatte sich der Schüler die Theodor-Fleitmann-Schule bewusst ausgesucht. Weil sie klein überschaubar und persönlich sei. © Bernd Paulitschke (A)
Theodor-Fleitmann-Schule

Nach Prügelei: Wie aus der Traumschule eine Albtraumschule wurde

Ein Elfjähriger wurde am Montag von fünf 14-Jährigen auf dem Schulklo verprügelt und schwer verletzt. War das ein Einzelfall an der Theodor-Fleitmann-Schule?

Seit Montag ist alles anders: Der elfjährige Schüler wurde von fünf Siebtklässlern in die Schultoilette gezerrt und verprügelt und getreten. Seitdem geht es dem Jungen nicht nur körperlich schlecht, wie sein Vater erzählt. Der Junge habe auch erstmals Angst, zur Schule zu gehen. Eine Schule, die man sich bewusst ausgesucht hatte.

Der Elfjährige stammt nämlich aus Holzwickede. „Wir hatten dort damals die Auswahl zwischen der Hauptschule und dem Gymnasium“, sagt der Vater. Andere weiterführende Schulen gibt es in Holzwickede nicht. Die Lösung: Die Theodor-Fleitmann-Gesamtschule in Schwerte. Die erschien den Eltern klein, überschaubar und engagiert. Quasi die Wunschschule – dafür nahm man dann auch den langen Schulweg auf sich. Der Junge fühlte sich wohl.

In Coronazeiten zu fünft auf dem Schulklo

Seit Montag ist das anders. Nicht nur, weil der Junge schwere Verletzungen erlitt, sondern auch, weil nun die Angst kommt. Und der Vater erhebt Vorwürfe gegenüber der Schule. Der Vorfall mit seinem Sohn sei zwar besonders schlimm, aber kein Einzelfall. „Schlägereien und Gewalt sind nach meinem Kenntnisstand keine Seltenheit an der TFG“, sagt er, zumindest habe sein Sohn ihm immer davon berichtet. Das würden ihm auch andere Eltern bestätigen. Außerdem fragt er sich, wie es in Coronazeiten sein könne, dass fünf Schüler ihre Pause offensichtlich auf der Jungentoilette verbringen können und dort eng beieinander stehen, ohne dass eine Pausenaufsicht das bemerkt oder gar eingeschritten sei.

Elfjähriger war Zufallsopfer

Am Dienstag hatten die Eltern den Fall bei der Polizei in Dortmund-Aplerbeck gemeldet, die den Vorfall als gefährliche Körperverletzung wertet. „Mein Sohn war ein reines Zufallsopfer“, sagt der Vater. Denn der Junge wollte gemeinsam mit drei Mitschülern kurz vor Ende der großen Pause noch mal eben aufs Klo. Vermutlich wurde er ausgewählt, weil er als erster die Tür erreichte. Ein nachfolgender Klassenkamerad konnte noch fliehen. Für den Elfjährigen endete die Prügelei mit einer Rippenprellung, zahlreichen blauen Flecken und einer Kopfverletzung, wegen der er zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben musste. Mittlerweile wurde er wieder entlassen.

Täter müssen mit Schulverweis rechnen

Die Schule verwies an die Bezirksregierung in Arnsberg, die zu dem Vorfall Stellung nehmen sollte. „Die mutmaßlichen Täter sind derzeit vom Unterricht suspendiert“, sagte Behördensprecher Christoph Söbbeler. Das mache man auch, um wieder Ruhe zu schaffen. Die Schule werde nun eine so genannte Teilkonferenz einberufen. In der würde der Sachverhalt geklärt, es würden alle Seiten gehört und am Ende über entsprechende schulische Sanktionen entschieden. Das kann bis zum Schulverweis gehen.

Und auch die Polizei wird parallel in der Sache ermitteln. Sprecher Christian Stein von der Kreispolizeibehörde in Unna bestätigte am Mittwoch den Vorfall. Die Anzeige sei im Bereich des Polizeipräsidiums Dortmund aufgegeben worden und werde jetzt an das zuständige Fachkommissariat der Kreispolizeibehörde weitergegeben. Die Kollegen würden den Sachverhalt klären. Wenn es sich bei den Tätern, wie von Arnsberg angegeben, um 14-Jährige handeln würde, seien die strafmündig.

Ob es häufiger zu solchen Vorfällen komme, dazu gab es keine Antwort aus Arnsberg. Christoph Söbbeler verwies aber darauf, dass es eine Grundstruktur an der Theodor-Fleitmann-Schule gebe, die man zur Prävention von Gewalt, zum Demokratieverständnis und dem Zusammenleben an der Schule etabliert habe. Dabei handele es sich um den sogenannten Klassenrat, in dem man sich mit diesen Themen beschäftige.

Aufsicht auf Schultoiletten können Schulen nicht stemmen

Allerdings räumte Söbbeler auch ein, dass die Schulen in diesen Zeiten durch Corona-Auflagen ohnehin schon unter vielen außergewöhnlichen Belastungen stünden. Es gebe Regeln und Pausenaufsichten, aber zum Beispiel eine Aufsicht für die Toilette könne man nicht stemmen. Zudem sei der Vorfall seines Wissens ganz am Ende der großen Pause, kurz vor Unterrichtsbeginn, passiert. Da flitzen viele Schüler noch mal kurz auf die Toilette. Da komme es dann auch mal zu Alltagssituationen, die sich nicht immer regeln lassen.

„Wenn alle immer wegsehen, wird es schlimmer“

Für den Vater des Elfjährigen herrscht aber noch nicht ein ausreichend offenes Klima für diese Probleme an der Schule: „Persönlich bin ich jedoch der Meinung, dass manche Dinge angesprochen und offen gemacht werden müssen, damit ein Denkprozess angestoßen und Verbesserungen herbeigeführt werden können. Wenn alle immer wegsehen, wird alles immer schlimmer.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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