Nach steigenden Fallzahlen: Kommt jetzt die zweite Corona-Welle?

mlzCorona in Schwerte

Hotspots wie das Tönnies-Werk lassen die Corona-Fallzahlen wieder steigen. Auch Dortmund meldete letzte Woche die höchste Zahl seit April. Kommt jetzt auch die zweite Welle nach Schwerte?

Schwerte

, 02.07.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die gute Nachricht vorweg: Auch in der Wochenmitte hat sich die Zahl der Corona-Infizierten in Schwerte positiv entwickelt. Seit Wochenbeginn gab es in der Ruhrstadt keine Neuinfizierten. Dazu wurden am Donnerstag sieben gesundete Patienten gemeldet. Die Zahl der aktuell Infizierten sank damit von 14 auf 7.

Die positive Entwicklung in Schwerte wirkt sich auch auf die Gesamtstatistik des Kreises Unna aus: Insgesamt waren am Mittwoch 52 Personen mit SARS-CoV-2 infiziert, einen Tag zuvor waren es noch 56.

Sorge vor der zweiten Welle

Trotzdem gibt es Sorgen, dass die Kurve auch in Schwerte schon bald wieder in die entgegengesetzte Richtung verlaufen könnte. Schließlich ist das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück nicht allzu weit vom Kreis Unna entfernt und auch die Stadt Dortmund meldet seit vier Wochen durchgehend steigende Infektionszahlen. Muss Schwerte also auch mit einer zweiten Corona-Welle rechnen?

Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna, gibt dazu zunächst Entwarnung: „An dieser Stelle kann man sicher noch nicht von einer zweiten Welle sprechen“. Dennoch beobachte man die Entwicklung der Lage im Kreis genau und bewerte sie jeden Tag aufs Neue. „Wir in der Kreisverwaltung sind jederzeit bereit, auf einen möglichen Anstieg mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren.

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Ausbruch bei Tönnies bislang ohne Auswirkungen auf Schwerte

Die massenhaft Infizierten in der Tönnies-Fleischfabrik hätten auf Schwerte bislang keine Auswirkungen gehabt: „So weit südlich haben sehr wenige Mitarbeiter gewohnt“, so Rolke. „Insgesamt wohnen 34 Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Unna, von denen acht infiziert waren. Und sechs davon leben in Bergkamen.“

Wichtig bei einem Ausbruch sei für seine Kollegen im Gesundheitsamt vor allem die Nachvollziehbarkeit. „Das gelingt uns bisher sehr gut“, so der Kreissprecher. Sollten die Infektionszahlen durch einen neuen „Super-Spreader“ sprunghaft ansteigen, ist die Behörde darauf vorbereitet: „Wir haben vier Container aufgebaut, um die personellen Kapazitäten zur Nachverfolgung der Infektionsketten schnell aufstocken zu können. Auch unser Krisenstab kann die Arbeit jederzeit wieder aufnehmen, wenn die Lage dies erfordert.“

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In Dortmund steigen die Infektionszahlen seit vier Wochen stetig an

Auch in Dortmund nimmt man den steinigen Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Wochen bisher relativ gelassen zur Kenntnis: „Dass die Zahlen infolge der schrittweisen Lockerungen wieder ansteigen würden, war zu erwarten und wurde auch so kommuniziert“, erklärt Dr. Simon Larrosa-Lombardi, Leitender im Knappschaftskrankenhaus Dortmund.

Einen Vorboten für die vielerseits befürchtete zweite Corona-Welle sieht der Infektiologe in den steigenden Zahlen jedoch nicht: „Das Virus hat sich vielmehr in der Bevölkerung festgesetzt - und ich gehe davon aus, dass es auch erst einmal nicht mehr verschwindet“, so Larrosa-Lombardi. Durch das stetige Hochfahren des gesellschaftlichen Lebens und den zunehmenden Kontakt zu anderen Menschen befürchte er gar einen weiteren Anstieg der Zahlen.

Urlaubszeit begünstigt den Anstieg

Eine weitere mögliche Erklärung sind laut Larrosa-Lombardi die bevorstehende Urlaubszeit und die warmen Temperaturen. „Die Menschen sind grundsätzlich aufmerksamer geworden und entscheiden sich bei eventuellen Symptomen mittlerweile unter Umständen schneller für einen Corona-Test.“

Auch der Hintergrund, dass für manche Reisen ein negativer Corona-Test erforderlich ist, könne dazu führen, dass sich grundsätzlich mehr Menschen testen lassen - und somit mehr Fälle entdeckt werden.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, dass 34 Tönnies-Mitarbeiter aus Bergkamen mit dem Corona-Virus infiziert sind. Tatsächlich leben im Kreis Unna insgesamt 34 Tönnies-Mitarbeiter, von denen acht infiziert sind und sechs in Bergkamen leben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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