Warum beim Edeka in Holzen die Fleischtheke schließen musste

mlzEdeka in Holzen

Frisches Fleich an der Theke in den Supermärkten gilt oft noch als Merkmal für Qualität. Der Edeka in Holzen musste nun einen drastischen Schritt machen und die Fleischtheke schließen.

Holzen

, 05.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fleischereien sind rar geworden in Schwerte. Geht es jetzt auch den Bedienungsabteilungen in den Supermärkten an den Kragen? Im Edeka-Markt am Rosenweg ist vor vier Wochen die Fleisch- und Wursttheke verschwunden.

Keine freundlichen Damen mehr, die auch mal eben 150 Gramm Gehacktes oder drei Scheiben Mortadella fürs Abendbrot abwogen. Stattdessen müssen die Kunden zu fertig abgepackter Ware in Kühltheken greifen. Es ist dasselbe Fleisch wie bisher. Aber nur in den Portionen, wie sie vorgegeben sind. Nicht viel anders als beim Discounter Lidl nebenan.

Personal geht in den Ruhestand

Schweren Herzens musste sich der selbstständige Betreiber Ralf Schmitt zu diesem Schritt entscheiden - wegen Fachkräftemangels. „Das Problem ist, dass ich seit letztem Jahre vergeblich eine Fachkraft für Fleisch und Wurst suche“, erklärt er. Denn hinter der Theke müsse ein Metzger oder eine Metzgerin stehen. So verlangen es die Vorschriften.

Und das kann ohne Nachfolger nicht mehr gewährleistet werden, wenn zwei Metzgerinnen demnächst in den Ruhestand gehen.

„Ich behaupte mal, dass ich nicht der Einzige bin, der betroffen ist“, sagt Schmitt: „Ich sehe ein ganz großes Problem auf uns zukommen, weil keiner mehr eine Handwerkerausbildung machen will.“ Das habe er auch aus dem Kollegenkreis immer wieder gehört.

Nur 15 Auszubildende pro Jahrgang im ganzen Bezirk Hellweg-Lippe

Bei der Fleischerinnung Hellweg-Lippe kann man diese Klagen nur bestätigen. „Es ist ähnlich wie bei den Bäckern: Die jungen Menschen nehmen lieber ein Studium auf“, sagt Obermeister Ernst-Alfred Kleeschulte (Lippetal-Hovestadt). Es sei ganz schwer, den Nachwuchs für das Handwerk zu begeistern: „Dabei kann man auch bei uns weiterkommen mit Abitur.“ Nach der Lehre könne man beispielsweise in die Lebensmittel-Überwachung gehen. Oder Abteilungen in Supermärkten leiten.

Doch die Ausbildungszahlen sind im Sinkflug. Berufsschulklassen - so Kleeschulte - werden mangels Schülern gestrichen. Wie zuletzt noch in Unna die Damenklasse für das Fleischerhandwerk. Im ganzen Innungsbezirk, der von Schwerte bis Geseke reicht, beginnen jährlich gerade mal rund 15 junge Leute eine Ausbildung in dem Beruf.

Warum beim Edeka in Holzen die Fleischtheke schließen musste

Der Edeka am Rosenweg in Holzen wird seit sechs Jahren von dem selbstständigen Kaufmann Ralf Schmitt betrieben, der seinen Stammsitz am Heideweg in Dortmund-Holzen hat. © Reinhard Schmitz

Ob alle die dreijährige Lehre durchhalten, ist noch eine andere Frage. Denn die Einstellung beispielsweise zu Arbeitszeiten, die zumindest einen Samstagsdienst im Wechsel erfordern, muss auch vorhanden sein. Genauso wie die Bereitschaft, schicke Klamotten gegen Schutzkleidung zu wechseln oder auch mal den Gang in den Kühlraum auszuhalten. „Aber man kann doch nicht nur mit Laptop und Computer arbeiten“, verdeutlicht der Innungs-Obermeister.

Wiederbelebung der Theke am Rosenweg nicht ausgeschlossen

Diese Sorgen kann Ralf Schmitt, der vier Edeka-Märkte im heimischen Raum führt, gut teilen: „Es ist schwer, Auszubildende zu finden.“ So richtig verstehen kann es der Kaufmann, der seit 41 Jahren immer noch begeistert in seinem Beruf steht, nicht: „Das ist so ein interessanter Job.“

Er liebt es, mit Menschen und Kunden zusammenzuarbeiten. Das kann man auch hinter der Fleischtheke, die am Rosenweg nicht für alle Zeiten geschlossen bleiben muss. „Wenn die Situation anders wird, würde ich das gerne wieder rückgängig machen“, erklärt Schmitt. Deshalb sei auch nichts ausgebaut, sondern nur die Theke für die abgepackte Ware eingebaut worden.

Vorerst kann Schmitt seine Kunden auf die Bedientheke in seinem weiteren Markt am Heideweg in Dortmund-Holzen verweisen, der nur rund drei Kilometer entfernt ist. Dort werden weiterhin Fleisch und Wurst nach jedem Wunsch abgewogen, weil es dort auch noch einen Metzger gibt. Der soll künftig auch stundenweise am Rosenweg tätig sein, um vor Ort frisches Mett zuzubereiten und für den Verkauf in der Kühltheke zu verpacken. Denn auch das darf nur Fachpersonal.

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