Nein zur Freitags-Demo, Ja zur Umwelt - Wie passt das zusammen, Herr Priggemeier?

mlzGesamtschule Gänsewinkel

„Fridays for future“ statt Schule? Nicht erlaubt. Engagement für die Umwelt? Sehr gerne. Jürgen Priggemeier, Chef der Gesamtschule am Gänsewinkel in Schwerte, erklärt, wie das zusammenpasst.

Schwerte

, 15.04.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulpflicht ist Schulpflicht - die Rektoren sind dazu angehalten, das zu betonen und einzufordern. Und wer nicht zur Schule geht, sondern zur „Fridays for Future“-Demo, missachtet die Schulpflicht.

Also sind Umwelt, Klimawandel, Nachhaltigkeit keine wichtigen Themen an den Schulen? Ganz im Gegenteil, unterstreicht Jürgen Priggemeier, Chef der Gesamtschule am Gänsewinkel. „Wir möchten ja, dass unsere Schüler sich Gedanken machen, dass sie gesellschaftlich und politisch interessiert sind.“

Was Priggemeier hinterherschiebt: „Wir sind eine Schule, die der Nachhaltigkeit verpflichtet ist.“ Ob er persönlich es nachvollziehbar findet, wenn Schüler an „Fridays for Future“ teilnehmen - das kann und darf ein Schulleiter nicht sagen. Was ihm erlaubt ist: darauf hinzuweisen, was zu diesem Themenkomplex an der Schule passiert. Und das tut Priggemeier.

Man müsse „die Themen ‚Umwelt‘ und ‚Nachhaltigkeit‘ weiterhin im Blick haben, unter anderem in Kursen“, verdeutlicht Priggemeier: „Ich möchte es inhaltlich begleitet wissen.“

Einsatz für die Umwelt schon in den 90er-Jahren

Rückblick in die 90er-Jahre: Greta Thunberg war noch nicht geboren, der deutsche Bundeskanzler hieß noch Helmut Kohl und auf dem Dach der Schwerter Gesamtschule wurde die erste Solaranlage installiert. Viel Geld habe man eingespart, wie sich Priggemeier erinnert: durch anderes Lüften, bessere Kontrolle der Raumtemperatur, das Trennen und Sammeln von Müll, weitere Veränderungen.

100.000 D-Mark seien das gewesen. „Der Großteil ist in die Erweiterung der Solaranlage geflossen.“ Durch die energetische Sanierung der Schule vor vier Jahren hätten sich dann weitere Einsparungen ergeben.

Bei diesem Punkt setzt er an: „Das zeigt, wie wichtig bei der Lösung unserer Zukunftsfragen technische Entwicklungen sind.“ Umso wichtiger sei es, innerhalb des Unterrichts und in Projekten Wissen zu vermitteln.

Nein zur Freitags-Demo, Ja zur Umwelt - Wie passt das zusammen, Herr Priggemeier?

Beim "Veggie Day" lernten die Mädchen und Jungen der Gesamtschule einiges über den Konsum von Pflanzen und Fleisch. © Daume/Gesamtschule

Veggie Day als Beispiel: Was bedeutet Fleischkonsum eigentlich?

Was das konkret bedeutet, erlebten die Gesamtschüler Anfang April beim dritten „Veggie Day“. Es gab vegetarischen Aufstrich statt Wurst und Schinken, mittags Gemüse- statt Hackfleischsoße und auf dem Brötchen Ei, Käse und Tomate statt des Schnitzels.

Plus Infos, warum es sinnvoll ist, auf Fleisch zu verzichten:

  • Die globale Viehzucht ist für 18 Prozent der Treibhausgase verantwortlich.
  • Der Anbau von Sojabohnen als Viehfutter ist für über 80 Prozent der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes verantwortlich.
  • Täglich werden rund 200 Millionen Tiere für den Fleischkonsum getötet.
  • 50 Prozent der in Deutschland verkauften Antibiotika werden bei der Viehhaltung eingesetzt.

Solche Sätze klebten auf den Tischen der Mensa - und sollten die Schüler zum Nachdenken anregen, wie Lehrerin Bettina Daume erläutert. Viele Mädchen und Jungen hätten anschließend gesagt: „Mir schmeckt es gut, aber ich könnte nicht ganz auf Fleisch verzichten.“

Nein zur Freitags-Demo, Ja zur Umwelt - Wie passt das zusammen, Herr Priggemeier?

Beim "Veggie Day" lernten die Mädchen und Jungen der Gesamtschule einiges über den Konsum von Pflanzen und Fleisch. © Daume/Gesamtschule

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Idee: Alle kommen mit dem Fahrrad zur Schule

„Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ - an dieser Kampagne nimmt die Gesamtschule teil. Ende Mai werde es um das Thema „Energievisionen 2050“ gehen, blickt Jürgen Priggemeier voraus. Dazu gehöre auch eine Diskussion mit den Jahrgängen 8, 10 und 11. Der ökologische Fußabdruck, weniger Verbrauch, mehr Recycling - auch das seien Themen gewesen.

Für eine weitere Idee gebe es noch keinen Termin, so Priggemeier: dass alle mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Mit solch einem Aktionstag könne man „konkrete Forderungen an die Politik durch Taten untermauern.“ Denn „bei der Lösung der Zukunftsfragen wird es wichtig sein, unseren Lebensstil zu hinterfragen. Ein Umsteigen auf das Fahrrad könnte ein erster Schritt sein.“

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