Netto-Nachfolger an der Bahnhofstraße wird ein Stockwerk höher - aber ohne Einkaufsladen

mlzBahnhofstraße Schwerte

Der Abriss des alten Netto bietet Architekt Bernd Heidbrede mehr Möglichkeiten für den Neubau. Dabei arbeitet er mit einem Kollegen zusammen, der schon ein Haus für die Trockel entwarf.

Schwerte

, 18.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Badewanne steckt in einer „Nase“ im vierten Stock über der Bahnhofstraße. Aber das ist nur eines der vielen Details, die Architekt Bernd Heidbrede in seine Pläne gezeichnet hat. Alles andere als ein Null-acht-fünfzehn-Gebäude soll für Pflegezentrum-Geschäftsführer Kemal Cakir an dem Boulevard entstehen. Die Entwürfe für das Pflege- und Wohnhaus spielen mit Erkern, zurückspringenden Fronten und unterschiedlichen Fassadengestaltungen, wenn der Abrissbagger den alten Netto dem Erdboden gleich gemacht hat.

Der alte Keller wird teilweise für eine Tiefgarage weitergenutzt

Der Greifer arbeitet sich wirklich nur bis zum Erdboden vor. Die Kellerwände des Altbaus bleiben - ohne ihre Decke - erhalten. Im vorderen Bereich werden hier Abstell- und Technikräume eingerichtet. Im hinteren Bereich, unter der Flachbau-Verlängerung des bisherigen Verkaufsraums, lassen sie sich pfiffig als Tiefgarage weiternutzen. Elf Stellplätze finden darin Platz, weitere zehn auf dem Hof darüber.

Der Schwerter Architekt Bernd Heidbrede, seit 42 Jahren im Geschäft, plant das Neubauprojekt auf dem Grundstück des früheren Netto-Markts an der Bahnhofstraße.

Der Schwerter Architekt Bernd Heidbrede, seit 42 Jahren im Geschäft, plant das Neubauprojekt auf dem Grundstück des früheren Netto-Markts an der Bahnhofstraße. © Reinhard Schmitz

Der Abriss bietet - neben dem Vermeiden sämtlicher Zwänge und Unwägbarkeiten eines Umbaus - noch einen entscheidenden Vorteil. „Wir kriegen eine Etage mehr rein bei gleicher Höhe“, erklärt Heidbrede. Es bleibt bei 18 Metern. Dabei wird sich die Dachform der beiden obersten Etagen dem Nachbarhaus der Metzgerei Wilkes anpassen, dessen Ausbau der Architekt vor Jahren ebenfalls geplant hatte.

In den beiden unteren Etagen wird eine Intensivpflege-WG entstehen

An der Bahnhofstraße 17 soll ein Objekt entstehen, dessen Erd- und erstes Obergeschoss für eine Beatmungs-Wohngemeinschaft für zwölf Einwohner bestimmt ist. In den darüberliegenden Geschossen sollen dann insgesamt acht Wohneinheiten entstehen, berichtet Bernd Heidbrede. Zu erreichen seien sie über einen Eingang von hinten, von der Gasstraße aus, per Fahrstuhl. Für den verglasten Aufzugsschacht hat sich der Architekt etwas Besonderes ausgedacht. Wie ein Lichtobjekt wird er von innen beleuchtet. Die Strahlen sollen bis in die unteren Bereichen hineinfallen: „Das wird sehr hochwertig.“

In der Dachform wird sich der Neubau auf dem früheren Netto-Gelände dem Nachbarhaus der Metzgerei Wilkes (r.) anpassen.

In der Dachform wird sich der Neubau auf dem früheren Netto-Gelände dem Nachbarhaus der Metzgerei Wilkes (r.) anpassen. © Reinhard Schmitz

An der Rückseite erhalten die Etagen ihre Balkone und Loggien, im Dach gibt es Gauben analog zum Nachbarhaus Wilkes. Während über die Fassadengestaltung in diesem Bereich noch keine Entscheidung gefallen ist, setzt Heidbrede bei der Schauseite zur Bahnhofstraße hin auf einen Dreiklang: eine einheitliche Verklinkerung für die beiden Pflegeetagen, darüber im zweiten und dritten Obergeschoss ein schlichter Verputz oder eine Holzverkleidung, während die beiden Dachgeschosse in dunkelgrauer Zink- oder Aluminiumfassade ausgeführt werden sollen.

Bauherr ist überzeugt: „Das wird ein Blickfang“

„Das wird ein Blickfang“, sagt Bauherr Cakir, der den ehemaligen Netto vor Jahren gekauft hat. Nach dem langen Leerstand möchte er spätestens im zweiten Quartal mit dem Neubau beginnen. Mit Heidbrede hat er einen erfahrenen Architekten beauftragt, der seit 42 Jahren in seinem Beruf tätig ist. In der Innenstadt gestaltete er beispielsweise das Geschäftshaus an der Brückstraße, in dem bald der Schwerter Biomarkt eröffnet. Von der Fachpresse wurden besonders seine Häuserfassaden beachtet. Auch zahlreiche Bücher wie „Das Buch vom Dachausbau“ griffen die Ideen des 72-Jährigen auf.

Der aus Schwerte stammende Architekt Prof. Björn Nolte (Düsseldorf) arbeitet an dem Neubau-Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Nettos an der Bahnhofstraße mit.

Der Architekt Prof. Björn Nolte (Düsseldorf) arbeitet an dem Neubau-Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Nettos an der Bahnhofstraße mit. © Björn Nolte

Das Objekt für Kemal Cakir gestaltet Heidbrede jetzt zusammen mit dem aus Schwerte stammenden Architekten Prof. Björn Nolte. Der Wahl-Düsseldorfer hatte sich schon mit seiner Abschluss-Arbeit geadelt, einem Wohnhaus-Entwurf für die Welt-Künstlerin Rosemarie Trockel. Denn die habe - so wird kolportiert - begeistert ausgerufen: „Wenn ich mir einmal ein Haus bauen sollte, dann nach diesen Plänen.“

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