Neustart in Arnsberg: Was macht eigentlich Schwertes Ex-Stadtplaner Adrian Mork?

mlzNach verlorener Bürgermeisterwahl

Bürgermeister von Schwerte wurde er nicht. Stattdessen zog es Stadtplaner Adrian Mork ein Jahr nach der verlorenen Wahl zur Bezirksregierung nach Arnsberg. Was macht er dort eigentlich?

Schwerte

, 23.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt keine Blaupause für mich“, sagt Adrian Mork. Einen solchen Job, wie ihn der 50-Jährige seit Anfang Mai hat, gibt es anderswo nicht. Die Bezirksregierung Arnsberg hat ihn aber geschaffen: „Dezernent für nachhaltige Entwicklung“ lautet die offizielle Bezeichnung.

Was abstrakt klingt, wird schnell konkret, wenn sich Adrian Mork in Arnsberg ins Auto setzt und durch das Sauerland fährt. Grüne Fichtenwälder auf allen Hügeln, soweit das Auge reicht? Das war einmal. Das Sauerland kippt vom Grünen ins Braune. Der Boden ist trocken, die Fichten haben zu wenig Wasser, also auch zu wenig Harz, können sich nicht mehr schützen. Und der Borkenkäfer verbreitet sich explosionsartig.

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Die Krise im Wald: Was tun gegen Trockenheit und Käfer?

„Kyrill ist ein ganz kleiner Fliegenschiss dagegen“, sagt Mork. Der Orkan von 2007 habe zwar riesige Schneisen durch die Sauerländer Wälder geschlagen. Die Trockenheit und die Käfer seien allerdings viel, viel verheerender.

In Schwerte merke man das Ausmaß vielleicht noch nicht - „vielleicht höchstens in Ergste“, so Mork. Aber in Arnsberg ist es eines der dringendsten Themen auf dem Schreibtisch des Neu-Dezernenten.

Wie lässt sich das umsetzen, was die Vereinten Nationen wollen?

Mork ist eine Art Moderator. Er soll Kontakt halten zu den Städten und Kreisen - von Siegen bis Hamm, von Bochum bis Lippstadt. Er soll das umsetzen, was die Landesregierung in Düsseldorf vorgibt. Er soll sich um die Wirtschaft kümmern, Verkehr und Tourismus im Auge behalten und vor allem die Frage beantworten: Wie lässt sich das alles mit der „Agenda 2030“ vereinbaren?

Unter diesem Titel haben die Vereinten Nationen „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet: Frieden, keine Armut, keinen Hunger, hochwertige Bildung, weniger Ungleichheiten, menschenwürdige Arbeit, aber auch saubere, bezahlbare Energie, Klimaschutz, Nachhaltigkeit.

Energiewende: Gibt es Geld für den Kreis Unna oder sogar für Schwerte?

Adrian Mork ist gefragt, wenn es um die Energiewende geht: weg von Steinkohle-Kraftwerken, also auch von denen in Lünen, Bergkamen und Werne. Für das ganze Land NRW stehe ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung. Und da stelle sich die Frage: Wie viel von diesem Kuchen bekommen der Kreis Unna und die Städte hier ab? Welches Kraftwerk schließt wann? Welche innovativen Firmen können angesiedelt werden - in Lünen, Bergkamen, Werne direkt, aber auch in den benachbarten Städten und Gemeinden? „Das kann also auch Auswirkungen für Schwerte haben“, verdeutlicht Mork.

Anfang September sei er wieder mal hier. Ohnehin sitze er nicht nur am Schreibtisch in Arnsberg, sondern sei viel unterwegs.

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Anders lasse sich sein Job auch gar nicht machen. Um beim Beispiel Wald zu bleiben: Wie bekommt man die Unmengen Borkenkäfer-Holz schnell aus den Wäldern, damit der Befall eingedämmt werden kann? Lassen sich doch irgendwo noch Baumsetzlinge fürs Neupflanzen finden? Was machen eigentlich die Sägemühlen und was die Firmen mit den Harvestern, wenn das Holz raus ist? Wenn es in den nächsten Jahren nichts mehr zu tun gibt?

Lassen sich Krisen wie diese durch geschicktes Aufforsten vermeiden? Gibt es ansonsten irgendwann auch Wasser-Krisen, denn „der Wald ist auch enorm wichtig als Trinkwasserspeicher?“ Kommen noch Touristen in ein Sauerland ohne dichte Wälder? Wie groß sind die Auswirkungen für die Städte, denn viele Wälder sind in städtischem Besitz?

„Ich bin nicht derjenige, der ein neues Waldkonzept entwickelt“, unterstreicht Adrian Mork. Aber dass Städte, Wirtschaftsbetriebe, die Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW miteinander reden - das ist schon seine Aufgabe. Dass also alle gemeinsam Antworten finden auf drängende Fragen.

Erst Stadtplaner, dann Kandidat

Das ist Adrian Mork

Neuneinhalb Jahre war Adrian Mork bei der Stadt Schwerte beschäftigt, zuletzt mehrere Jahre als Chef der Bereiche Stadtplanung, Bauordnung und Hochbau/Liegenschaften. Nachdem Heinrich Böckelühr im Herbst 2017 als Schwertes Bürgermeister zurückgetreten war, wählten CDU, FDP und Grüne Mork als gemeinsamen Kandidaten für die Wahl 2018. Mork ist Mitglied bei den Grünen. Bei der Wahl 2018 stimmten knapp 30 Prozent für Mork, mehr als 56 Prozent für den SPD-Kandidaten Dimitrios Axourgos. Ein Jahr lang mussten beide anschließend im Rathaus zusammenarbeiten. Im Mai 2019 trat Mork, der in Kamen wohnt, seine neue Stelle in Arnsberg an - was alle Beteiligten freute, wie zu vernehmen war.
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