Warum nicht alle Schwerter Ärzte Patientendaten elektronisch versenden

mlzE-Health-Gesetz

Eigentlich sollen alle Ärzte seit Monatsanfang ein Lesegerät für Patientendaten besitzen. In Schwerte machen da aber nicht alle Hausärzte mit. Warum das so ist und was Verweigerern droht.

Schwerte

, 06.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Idee klingt nicht schlecht. Ein Patient kommt zu einem Arzt, den er noch nicht kennt, vielleicht im Urlaub. Der schiebt die Karte in ein Lesegerät und kann die gesamte Krankengeschichte einsehen, welche Medikament nimmt der Patient, welche Allergien liegen vor? Diese und andere Idee stecken hinter dem sogenannten „E-Health-Gesetz“ und der damit verbundenen „Telematik-Infrastruktur“ (TI), in der seit dem 1. Juli die Patientendaten aller Arztpraxen in einer zentralen Datenbank zusammengefasst werden.

Aller Arztpraxen? Nein. Die Einführung dieser Datenbank war bei Ärzten stark umstritten, aus Sorge um die Sicherheit der sensiblen Daten. In Schwerte gibt es mehrere Ärzte, die die Daten ihrer Patienten nicht übertragen, berichtet der Allgemeinmediziner Theo Spanke. Demnach sehen mehrere Schwerter Ärzte ihrem Ruhestand entgegen und wollten kein Geld mehr in die teuere Technik stecken. Nun müssen sie damit rechnen, dass die Krankenkassen ihnen ein Prozent ihres Einkommens vorenthalten, als Strafe.

Gesundheitskarten sind ungültig

Theo Spanke hat, trotz Bedenken, die neue Technik angeschafft. Und er hat schlechte Kunde für seine Patienten. Alte Gesundheitskarten können von den neuen Geräte nicht ausgelesen werden. Diese Patienten sollten sich schnell neue Gesundheitskarten besorgen.

Aber auch die Patienten, die glauben, eine aktuelle Karten zu haben, stehen möglicherweise vor einem Problem. Bereits bevor die Technik für den neuen Standard entwickelt war, gaben die Krankenkassen Gesundheitskarten mit dem Aufdruck G2 aus, so Spanke. Diese Karten sollten bereits kompatibel sein. Jetzt stellte sich heraus, sie sind es nicht. Es funktionieren nur Karten mit dem Aufdruck G2.1.

Noch kein Nutzen für Patienten

Auch die vielen tollen Ideen, die hinter dem „E-Health-Gesetz“ stecken - digitale Rezepte, Risikomerkmale oder Allergien auf dem Chip - sind noch nicht eingebaut, so Spanke. Noch speichert die Karte keine Informationen, die vielleicht im Notfall interessant wären. Noch haben die Patienten keinen Nutzen von der neuen Technik.

Und die Patienten, deren Ärzte keine Verbindung zu neuen Datenbank aufgebaut haben, haben zumindest keine Nachteil deswegen. Auch wenn die Krankenkassen es nicht gerne sehen, diese Ärzte können weiterhin analog abrechnen. Und ihre Patienten können deswegen auch weiterhin die alten Gesundheitskarten mitbringen.

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