Notlüge von Heirat sollte Familie beschwichtigen

Ehrenmord-Prozess

SCHWERTE/HAGEN Sie war jung und hatte Pläne – Heiratspläne. Doch der Traum einer schillernden Hochzeit erfüllte sich für sie nicht mehr. Am Dienstag trat der Mann in den Zeugenstand, mit dem die Tote von der A45 ihr Leben verbringen wollte.

von Von Jana Peuckert

, 27.10.2009, 20:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auf dem Autobahnparkplatz Sterbecker Siepen an der A45 bei Lüdenscheid wurde die damals 20-jährige Schwerterin am 31. August 2008 erschossen.

Auf dem Autobahnparkplatz Sterbecker Siepen an der A45 bei Lüdenscheid wurde die damals 20-jährige Schwerterin am 31. August 2008 erschossen.

Der Zeuge hatte irgendwann eine andere Frau kennen gelernt – und sie geschwängert. Die Familie der Schwangeren wollte den 28-Jährigen dazu bringen, zu heiraten. Das sei für ihn allerdings nicht in Frage gekommen. Stattdessen lief ihm 2006 erneut die später Ermordete über den Weg. Die alten Gefühle erwachten wieder – für die Familien eine Katastrophe. Von allen Seiten bekam das Paar Hass und Unverständnis zu spüren. Vor allem Mutter und Brüder der Toten zeigten sich nicht einverstanden. Es gab sogar Todesdrohungen. Auch die Notlüge gegenüber der Familie, dass die beiden geheiratet hätten, konnte keinen Frieden stiften.

Der Ausweg: Flucht nach Dortmund. Doch das Glück zu zweit währte nicht lange. Denn plötzlich tauchte die schwangere Ex-Freundin des 28-Jährigen mit ihrer Familie auf. Sie entführten das Paar und drohten mit vorgehaltenen Waffen: Die Schwerterin solle sich von ihrem Freund trennen, damit der die Schwangere heiraten könne. Dazu waren aber beide nicht bereit. Kurz darauf wurde der Mann von seiner Ex-Freundin wegen Vergewaltigung angezeigt. Urteil: eine mehrjährige Haftstrafe. Etwa fünf Monate nach Antritt der U-Haft zerbrach die Beziehung zu der Schwerterin. Heute geht der Prozess in Hagen in die nächste Runde. Auf dem Plan steht unter anderem die Vernehmung von Polizeibeamten. 

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