Erstes Corona-Opfer: Pächter machen das Haseneck nicht wieder auf

mlzGaststätten in Schwerte

Seit dem Ausbruch der Coronakrise ist das Haseneck geschlossen. Die Pächter Oliver Fink und Andrea Ulbl haben gekündigt. Zum Glück haben sie sich noch ein zweites Standbein aufgebaut.

Wandhofen

, 14.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Falscher Hase „Haseneck“ mehr, kein Haseneckspieß und keine Grillplatte „Haseneck“: Die Speisekarte vor dem Wandhofener Traditionsrestaurant weckt zwar immer noch den Appetit, aber die Tür ist seit dem Ausbruch der Coronakrise im März geschlossen. Und die Pächter Andrea Ulbl (46) und Oliver Fink (49) werden sie auch nicht wieder öffnen. „Wir haben zum 31. August gekündigt“, sagt Oliver Fink. Das Wirtspaar konzentriert sich jetzt auf die Gaststätte Zur Lennemündung auf dem Campingplatz Hohensyburg, das es im Vorjahr als zweites Standbein übernommen hatte.

Terrasse mit traumhaftem Blick auf die Lenne

Eine glückliche Fügung. Zwar muss auch an der Lennemündung momentan die Gaststube wegen der Corona-Beschränkungen geschlossen bleiben. Aber auch auf der grünen Terrasse stehen trotz Abstandsgebot derzeit noch 50 Sitzplätze bereit. Mit traumhaftem Blick auf den Fluss können es sich die Gäste dort gut gehen lassen bei Leberkäse, Currywurst, den wechselnden Eintöpfen und anderen Gerichten vom Selbstbedienungs-Schalter. Gefragt sind dort an Sommertagen auch frische Melone und das Eissortiment. Und für den Winterbetrieb - es gibt an der Syburg auch Dauercamper - denkt Oliver Fink schon über Glühweinverkauf nach. Geöffnet ist in der Woche ab 12, samstags und sonntags ab 11 Uhr.

Oliver Fink und Andrea Ulbl konzentrieren sich jetzt auf ihre Gaststätte zur Lennenmündung am Campingplatz Hohensyburg, die sie sich im Vorjahr als zweites Standbein aufgebaut hatten.

Oliver Fink und Andrea Ulbl konzentrieren sich jetzt auf ihre Gaststätte zur Lennenmündung am Campingplatz Hohensyburg, die sie sich im Vorjahr als zweites Standbein aufgebaut hatten. © Reinhard Schmitz

Auch im Haseneck hatte sich der gelernte Koch zusammen mit Andrea Ulbl „richtig Mühe gegeben“. Deshalb tue ihm der Abschied auch ein bisschen leid, zumal er noch genug Anfragen für Partys gehabt habe: „Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Denn niemand wisse doch, wie die Situation bis Weihnachten aussehe.

Eine Dorfkneipe ohne Tresenbetrieb macht keinen Sinn

Angesichts der vielen Corona-Einschränkungen hätte die Wiedereröffnung des Hasenecks keinen Sinn gemacht, erläutert Oliver Fink: „Eine Dorfkneipe ohne Tresenbetrieb?“ Das gehe doch überhaupt nicht. Man hätte einen Spuckschutz aufbauen müssen und bei den geforderten Abständen nur Platz für drei Tische gehabt. Und die Kegelbahn hätten anfangs nur vier Personen gleichzeitig benutzen dürfen: „Dafür ist der Aufwand zu groß.“ Deshalb hatten die Wirte nach zweijährigem Engagement die Reißleine gezogen, als der Mietvertrag auslief. Die Übergabe der Wandhofener Gaststätte solle zum 31. August erfolgen.

Hauseigentümer sucht nach neuem Pächter

Derweil hat sich der Eigentümer des Lokals, Olaf Haase, auf die Suche nach einem neuen Pächter gemacht. Auf Nachfrage erklärte er, dass es „zwei bis drei Interessenten“ gebe. Mehr wollte er mit Verweis auf ein „schwebendes Verfahren“ zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht verlautbaren lassen.

Bei der Weiberfastnacht ging im Saal des Hasenecks Ende Februar noch die Post ab. Kurz darauf kam Corona.

Bei der Weiberfastnacht ging im Saal des Hasenecks Ende Februar noch die Post ab. Kurz darauf kam Corona. © Reinhard Schmitz

Die Eltern von Olaf Haase, Eva und Roland Haase, hatten die Gaststätte an der Wandhofener Straße 1962 gekauft. Ursprünglich hieß sie Haus Schulte. Doch da damals ringsherum noch freies Feld war, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, war ein neuer Name schnell gefunden: Zum Haseneck, im Gegensatz zum Namen der Besitzer aber mit nur einem „A“ geschrieben. In einer Ecke des Saals betrieb Eva Haase sogar jahrzehntelang noch zusätzlich eine kleine Poststelle, wo sich die Wandhofener auch ihr Rente auszahlen lassen konnten - oft hinterher mit einem kleinen Schnäpschen begossen.

Im Haseneck ging es früher oft hoch her

Im April 1970 übernahm die Tochter der Eigentümer, Gudrun Hoffmann, gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang Hoffmann die Leitung der Gaststätte. Oft ging es in der Dorfkneipe hoch her. Vor allem, wenn der Catcher Otto Wanz zu Gast war. Der Kraftprotz bestellte nicht nur Schnitzel und Pommes gleich in der Schüssel, sondern schaffte es auch locker, ein dickes Dortmunder Telefonbuch in vier Teile zu zerreißen. Nach mehr als drei Jahrzehnten hinter dem Tresen zog sich das Ehepaar Hoffmann Anfang 2004 in den Ruhestand zurück. Es folgten Pächter, die in der Folgezeit mehrfach wechselten.

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