Passt doch einfach mal auf eure Wunder-Kinder auf

mlzKlare Kante

Nein, ein Kind ist nicht deshalb süß, nur weil es ein Kind ist. Auch Kinder können nerven und zwar gewaltig. Am nervigsten sind aber nicht die Kinder, sondern Eltern, die das nicht einsehen.

Schwerte

, 09.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stellen Sie sich vor, sie besuchen ein Theaterstück. Und die Schauspieler auf der Bühne nutzen eine Reihe interessanter Requisiten, die Sie sich gerne auch mal näher ansehen würde. Also gehen Sie auf die Bühne mitten im Stück und sehen sich genau an, was da genutzt wird. Macht man natürlich nicht.

Wenn es um Kinder geht, sieht das gleich anders aus. Ist doch niedlich, wenn der Nachwuchs so interessiert ist. Und wer will es den Kleinen denn verdenken, wenn da so schöne Spielzeuge liegen?

Nein, liebe Eltern, ist es nicht! Das Beispiel ist auch nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern so und ähnlich mehrfach beim Welttheater der Straße passiert. Einzelne Kinder turnen auf der Bühne rum - und auch, als ein Schauspieler mal darauf hinweist, dass es nun für ihn schwierig wird, greifen die offensichtlich vor Stolz platzenden Aufsichtspersonen nicht ein. Wer kann den kleinen Fratz da unten denn nicht niedlich finden? Das können doch nur Kinderhasser sein. Ganz im Ernst: Viele im Publikum finden das störend. Auch jene Eltern und Kinder im Publikum, die sich an die Regeln halten.

Schreckensherrschaft kleiner Despoten

Aber nicht nur beim Welttheater sind längst Kinder an der Macht. Und es beschert uns keine Armeen aus Gummibärchen und wir werden auch nicht in Grund und Boden gelacht. Es ist vielmehr die Schreckensherrschaft kleiner Despoten, die sich und ihre Eltern längst im Griff haben.

Ein anderes Beispiel gefällig? Im Urlaub saßen wir, wie viele andere auch, an der Ostsee auf einer Düne, um uns die Ausfahrt eines Kreuzfahrtschiffes anzusehen. Da kam eine Kleinfamilie, Vater, Mutter und der Chef, am Fuß der Düne entlang.

Der Chef, noch im Vorschulalter, aber schon in exquisite Marktkleidung gewandet, bestimmte, wo alle zu sitzen hatten. Auf Bitten der Mutter, nicht ganz so steil und mit etwas mehr Abstand zu den anderen sitzen zu dürfen, erklärte der Chef kurzerhand: „Hier ist gut.“

Eltern taten, wie ihnen geheißen wurde

Die Eltern setzten sich, wie geheißen. Der Chef verschwand wieder, ging seiner Geschäfte nach, turnte auf den Decken anderer Badegäste rum. Erst als er aus dem Blickfeld verschwunden war, stürmte der Vater los, um ihn zu suchen. Die Mutter saß weiterhin wie festgenagelt an der steilsten Stelle der Sanddüne - war ja schließlich so angeordnet.

Und das war noch ein Beispiel ganz ohne einen Tobsuchtsanfall oder kleinem Gewaltausbruch, wie man ihn täglich vor der Eisdiele gegenüber der Redaktion beobachten kann. Andererseits: Es gab ja auch nichts zu meckern, die Eltern taten ja wie geheißen.

Die Quittung gibt es dann in der Schule

Doch die Geschichte vom Chef ist kein Einzelbeispiel. In einer vermeintlich immer kinderfeindlicheren Welt haben offensichtlich viele Eltern beschlossen, dem entgegenzuwirken, in dem sie ihrem Nachwuchs keine Grenzen mehr auferlegen.

Die Quittung kann man in fast allen Kindergärten und Grundschulen sehen. Neben normalen gibt es immer mehr Kinder, die kaum still sitzen können, Kinder, die oft schon lesen und schreiben, sich aber leider für keinen Deut benehmen und sich schon gar nicht mal in einer Gruppe zurücknehmen können.

Liebe Eltern, wenn Sie sich selber schon alles bieten lassen, sorgen Sie doch bitte dafür, dass ihre Kinder nicht auch noch andere belästigen. Und falls Sie keine Ahnung mehr haben, was andere belästigt könnte: Stellen Sie sich vor, anstelle ihrer netten vierjährigen Tochter würde der pummelige halbwüchsige Sohn jenes Nachbarn, der öfter ihre Einfahrt zuparkt, dasselbe machen. Wenn Sie dann finden, dass es nervt - dann bitte auch bei der Vierjährigen einschreiten. Auch wenn man beim Nachwuchs dann gerade mal nicht der Größte ist.

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