Pfadfinder-Romantik lockt Generation Facebook: Neue Gruppe in Schwerte

mlzJugend in Schwerte

Lange Schultage klauen freie Zeit. Genauso wie das ewig eingeschaltete Handy. Verein klagen, dass die Kinder wegbleiben. Doch die Pfadfinder bringen sogar eine ganz neue Gruppe in die Stadt.

Schwerte

, 11.09.2020, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Raus aus den Markenklamotten, rein in die Kluft mit Hemd und Halstuch. Handy und Laptop in die Ecke geschmissen. Denn Singen am Lagerfeuer ist trendy. Nur eine Traumvorstellung?

Zieht die Pfadfinder-Romantik, von dem Briten Robert Baden-Powell (1857-1941) vor über 100 Jahren erfunden, noch bei den Kindern der Generation Facebook & Instagram?

Für Sarah Mattheis absolut keine Frage. Nicht nur der Zulauf in ihrer neuen Gruppe, den Schwerter Waschbären, gibt ihr Recht.

„Messer-Führerschein“ gibt und fordert Verantwortung

„Wenn man heute keine Pfadfinder braucht, dann weiß ich nicht, wann“, erklärt die 37-Jährige. Kinder seien aktuell zwar intellektuell stark gefordert, aber der individuelle Bereich werde vernachlässigt: „Es ist wichtig, dass sie Teamfähigkeit lernen.“

Von den Eltern oft überbehütet, bräuchten sie auch einen Ort, wo sie sich ausprobieren können. Wie beispielsweise beim „Messer-Führerschein“ der Pfadfinder, der gleichzeitig Verantwortung gibt und fordert.

Stamm der Christlichen Pfadfinder der Adventjugend gegründet

Als engagierte Christin hat die Wandhofenerin ihren Worten Taten folgen lassen. Mit ihrem Ehemann Eugen Mattheis (36) hat sie in Schwerte einen Stamm der Christlichen Pfadfinder der Adventjugend (CPA) gegründet.

„Die Adventisten sind eine evangelische Freikirche ähnlichen den Baptisten“, erklärt sie. Ihre Gemeinde ist in Herne.

Keine Konkurrenz zu anderen Pfadfindergruppen

Eine Konkurrenz zu den katholischen St.-Georgs-Pfadfindern (DPSG), die seit Jahrzehnten ihr Heim im ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerk Schwerte-Ost betreiben, sind die CPA-Gruppen nicht. Alle gingen doch auf Baden-Powell zurück, berichtet Sarah Mattheis.

Die christlichen Pfadfinder verbinde darüberhinaus das Pfadfinder-Versprechen: „Die Werte sind ungefähr dasselbe, nur anders formuliert.“ Die selbstgestellten Ansprüche wachsen mit dem Alter. Die 8- bis 11-Jährigen „Jungpfadfinder“ geloben so, Gott zu ehren und auf den Naturschutz zu achten.

Rücken sie in die Stufe der 12- bis 15-jährigen „Pfadfinder“ auf, geben sie zusätzlich ihr Wort, sich nach ihren Möglichkeiten für das Wohl der Gruppe einzusetzen. Die Scouts – ab 16 Jahre – sind sich schließlich ihrer Vorbildfunktion bewusst und verhalten sich dementsprechend.

Die Treffen finden nach Möglichkeit immer im Freien statt

Scouts gibt es noch nicht bei den Schwerter Waschbären, die sich ihren Namen und das Logo auf dem Wimpel nach einem in der Stadt lebenden Tier gegeben haben. Der 2018 gegründete „Stamm“ vereint bislang rund 15 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren. Darunter sind viele Mitglieder aus der Nachbarschaft in Wandhofen, aber auch aus Westhofen und Ergste. Mit den Eltern kommuniziert man über einen Messenger-Dienst auf dem Handy, einmal im Monat finden Treffen statt.

„Wenn immer es geht draußen“, sagt Sarah Mattheis. Egal, bei welchem Wetter: „Da muss man durch als Pfadfinder.“ Man ist auf dem Ebberg und der Schwerterheide unterwegs, erkundet Höhlen und macht Ausflüge in die Umgebung. Und im Notfall gibt es ja noch den großen Garten des Leiterpaars.

Sarah Mattheis war in ihrer Jugend selbst als Pfadfinderin aktiv

Die Beiden ergänzen sich perfekt. Sarah Mattheis hat sogar einen Pfadfinder-Hintergrund. In ihrer Jugend in Bad Honnef war sie selbst in einer Gruppe aktiv. „Ich mag Lagerfeuer und Natur“, verrät sie. Gefragt ist dort auch ihre musikalische Ader mit der Gitarre: „Ich singe gern mit Kindern.“ Ihr Mann sei ebenfalls mit Begeisterung draußen unterwegs und handwerklich überaus begabt.

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Praktischen Umweltschutz betreiben die Schwerter Waschbären mit der Teilnahme am Projekt „Ruhr Clean-up“, bei dem sie ein Teilstück des Ruhrufers säubern wollen. Und dann fiebern sie dem nächsten „Frola“, dem großen Fronleichnamslager aller CPA-Gruppen, entgegen. Mit einer Spende der Sparkasse können sie schon je zwei Gruppenzelte für die Jungen und die Mädchen kaufen.

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