Pferdekämpers Wiese weg, Nordwall-Karree her – Neue Wohnungen für die Schwerter Innenstadt

mlzKnappe Entscheidung

19 zu 18 – denkbar knapp haben Schwertes Politiker entschieden: Wo Pferdekämpers Wiese ist, soll bald das Nordwall-Karree entstehen. Die grüne Fläche weicht neuem Wohnraum in der Innenstadt.

Schwerte

, 12.02.2020, 20:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was soll aus der Fläche zwischen Wittekindstraße, Nordwall und Ostenstraße werden? Aus Pferdekämpers Wiese, einer der wenigen Grünflächen in der Schwerter Innenstadt, direkt am Rand der Altstadt gelegen?

Wolfgang Behr und Michael Schroer wollen dort mit ihrer Projektteam GmbH 40 neue Wohnungen bauen und haben die Pläne der Stadt vorgelegt. Was in diesem Fall bedeutet: Die Politiker müssen entscheiden, ob man den Bebauungsplan für diese 5400 Quadratmeter große Fläche ändert.

Im April 2019 hatte es eine Ablehnung gegeben, im November 2019 dann abgewandelte Pläne mit mehr Grün, allerdings erneut keine Mehrheit. Dennoch gab es jetzt – im Februar 2020 – einen weiteren Vorstoß, dieses Mal initiiert von den bisher unterlegenen Politikern.

Pferdekämpers Wiese weg, Nordwall-Karree her – Neue Wohnungen für die Schwerter Innenstadt

So soll es aussehen: Vorne die Ostenstraße, links die Stadtmauer und der verkehrsberuhigte Bereich des Nordwalls. © Projektteam GmbH

Ein neuer Anlauf von SPD, Linke und WfS

SPD, Linke und die „Wählervereinigung für Schwerte“ wollten das Thema zurück auf die Tagesordnung holen. Jetzt nicht mehr in den Ausschuss für Stadtentwicklung, wo man keine Mehrheit hatte, sondern direkt in den Stadtrat.

Zusammen hat man 18 Stimmen. Rechnet man die von Bürgermeister Dimitrios Axourgos hinzu, der hier mit abstimmen darf und bei dem es sich ebenfalls angehört hatte, als sei er eher für als gegen die Pläne, macht das 19.

Notwendig für eine Mehrheit: 20. Und auf der anderen Seite: CDU und Grüne, zusammen ebenfalls bei 19 Stimmen. Beide hatten ihre Bedenken vom November erneuert und untermauert.

19:19 – die FDP gab dann den Ausschlag

Blieb Renate Goeke, einzige Vertreterin der FDP. Sie hatte kurz vor der Sitzung schon erklärt: Auch sie sei nach langer Abwägung für die Pläne. Entscheidend sei, dass dort Wohnraum in der Innenstadt geschaffen werde.

20:19 für ein Weiterverfolgen der Pläne also? Fast: 19:18, weil aus jedem Lager ein Politiker fehlte. Und dieses Ergebnis kam nicht in offener, sondern in geheimer Abstimmung zustande. Das allerdings zwei Mal hintereinander.

Erst ging es darum, ob man sich überhaupt damit befassen wolle. Danach darum, ob die Pläne im langen Verfahren den nächsten Schritt machen sollten.

Kritikpunkte: zu wenige Grün, schlechte Erfahrungen

Was die Kritikpunkte von CDU und Grünen waren: Zum einen sei eben zu wenig Grün in den Plänen. „Die Fläche wird dann die nächsten 100 Jahre versiegelt sein, das holen wir nicht mehr zurück“, warnte Bruno Heinz-Fischer (Grüne). Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung, erklärte Marco Kordt (CDU), „aber das ist uns zu kurz gesprungen.“

Zudem erinnerte Kordt an Projekte der Initiatoren in Geisecke und Im Reiche des Wassers. Auch dort seien mit öffentlichen Geldern geförderte Wohnungen gebaut worden. „Und komischerweise kam das in die Zwangsversteigerung. Ich würde also allen Beteiligten empfehlen, hier mit offenen Karten zu spielen.“

Hinweis auf Dachbegrünung und Luftaustausch

Die anderen Parteien hielten dagegen: Wohnraum werde dringend benötigt, eben auch in der Innenstadt, auch barrierefrei für Ältere. Angelika Schröder (SPD) wies zudem auf Dachbegrünung, Umverteilung der Grünflächen, einen guten Luftaustausch hin. So ungrün wie dargestellt seien die Pläne also nicht. „Wir halten das Objekt für klimaneutral“, befand Schröder.

Nach dem Austausch der Argumente und der doppelten geheimen Abstimmung stand es 19:18. Baudezernent Christian Vöcks unterstrich: Zunächst einmal sei damit der Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Nun gehe es um die weitere Abstimmung, mit Investoren und Anwohnern, aber gerne auch mit den Politikern. Und letzten Endes müsse die Stadt dann ja auch noch die Baugenehmigung erteilen.

Oder, wie Bürgermeister Axourgos deutlich machte: „Das bedeutet nicht, dass morgen dort die Bagger stehen.“

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