Prozess um Mord in Ergste: „Es war klar, dass er mit der Freiheit nicht umgehen kann.“

Mordprozess

Leicht zu kränken, nicht intelligent, sehr aggressiv, verborgen hinter naiver Freundlichkeit - so charakterisierten Gutachter den Angeklagten 1991. Eine Zusammenfassung des 5. Prozesstages.

Ergste

, 13.08.2019, 13:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Prozess um Mord in Ergste: „Es war klar, dass er mit der Freiheit nicht umgehen kann.“

Im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes Hagen findet der Prozess statt. © Björn Althoff

Der Vater ein arbeitsloser Gewohnheitsverbrecher, der seine sechs Kinder auf Diebestour schickte, weil sie noch nicht strafmündig waren. Eine Mutter, die vom Vater verprügelt wurde und eine Jugend in einer Obdachlosensiedlung.

Im Prozess gegen Michael S., der im Januar eine 72-jährige Frau in Ergste ermordet haben soll, wurde am Dienstag das Mordurteil aus dem Jahr 1991 verlesen.

Hohe Aggressivität, niedriger Intelligenzquotient

Damals hatte der 21-jährige bereits eine Frau getötet, nachdem er versucht hatte sich an ihr zu vergehen. Richter und Gutachter hatten bereits damals den Angeklagten als Soziopathen mit dissozialen Charakterzügen bezeichnet. Hohe Aggressivität gehe bei ihm mit geringem Selbstbewusstsein und einem äußerst niedrigen Intelligenzquotienten einher. Das Ganze verberge er allerdings hinter einer kindlich naiven Freundlichkeit. Trotz dieser Persönlichkeitsstörung wurde er damals als schuldfähig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zweifel, dass er in Freiheit klar kommen würde

Dass man Zweifel daran hatte, dass der Angeklagte im Freiheit klar kommen würde, bescheinigten zwei Psychologen, die ihn während und nach der Haft begutachtet hatten. Auch wenn keiner mit einem Mord rechnete sagte der Psychologe der Diakonie: „Es war klar, dass er mit der Freiheit nicht umgehen kann.“ Im Oktober wurde Michael S. nach 28 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, im Dezember hatte er seinen ersten Gesprächstermin beim Psychologen- Den Januartermin konnte er schon nicht mehr wahrnehmen, weil er wieder wegen Mordes hinter Gittern saß.

Urteil wird am 30. August erwartet

Damit endete die Beweisaufnahme und die Zeugvernehmungen. Der Verhandlungstag am Mittwoch (14. August) wurde gestrichen. Der Prozess wird am 29. August mit den psychologischen Gutachten fortgesetzt. Die Plädoyers und das Urteil sind für den 30. August terminiert.

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