Prozess um Vergewaltigung in Lichtendorf: Notärztin als Beistand im Saal

mlzLandgericht

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 22-jährigen Mann aus Schwerte haben die Richter am Dienstag das mutmaßliche Opfer vernommen. Dabei war auch eine Notärztin mit im Saal.

Lichtendorf/Hagen

, 09.04.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Auftritt erforderte ganz viel Kraft. Am Hagener Landgericht ist am Dienstag eine 17-jährige Schülerin aus Schwerte vernommen worden. Sie hat ihren Ex-Freund angezeigt - wegen brutaler Vergewaltigung. Da die Richter offenbar Angst hatten, dass sie die Befragung nicht durchstehen könnte, hatten sie sogar extra eine Notärztin hinzugeholt.

Die Medizinerin setzte sich genau zwischen die 17-Jährige und den 22 Jahre alten Angeklagten. Dadurch war gleichzeitig eine Art Sichtschutz geschaffen worden.

Was die Schülerin über die Tat erzählt hat, wurde allerding nicht bekannt. Ihre Vernehmung fand aus Jugendschutzgründen komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

"Sie musste immer wieder weinen"

Bei der Polizei hatte die Schwerterin ihren Ex-Freund allerdings schwer belastet. Doch auch da war es ihr offenbar sehr schwer gefallen, über den 17. Oktober 2018 zu sprechen. "Sie musste immer wieder weinen und wirkte sehr traumatisiert", sagte eine Kripo-Beamtin den Richtern am Dienstag. "Ich musste ihr zwischendurch Mut zusprechen, damit es überhaupt weiter gehen konnte."

Nach Angaben der Polizistin hatte die 17-Jährige die Beziehung zum Angeklagten damals bereits beendet. Trotzdem sollte es an diesem Tag noch einmal eine letzte Aussprache geben. Dazu war der 22-Jährige mit einem Mietwagen vorgefahren. Auf einem Feldweg im Norden von Schwerte soll die Situation dann eskaliert sein. Als die Schülerin noch einmal klar stellte, dass es endgültig "Aus" ist, soll der Angeklagte sie freundlich angeguckt und ihr unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Fußgänger ging einfach weiter

Alle Versuche aus dem Auto zu entkommen seien fehlgeschlagen. "Der Angeklagte war ihr körperlich weit überlegen", so die Kripo-Beamtin. Der einzige, der wahrscheinlich hätte helfen können, war ein Spaziergänger. Bei der Polizei soll die 17-Jährige die Situation so geschildert haben: "Ich habe richtig laut geschrien. Ich habe mich gefreut, als ich den Mann gesehen habe. Ich dachte, ich kriege Hilfe. Ich schlug gegen die Fensterscheibe. Der Mann drehte sich auch um, ging dann aber weiter."

Danach soll der Angeklagte sie gewürgt haben. Bis sie keine Luft mehr bekam. "Ich habe den Tod schon gesehen", hatte die Schülerin bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Sie habe mit den Füßen getrampelt und auch eine der Autoscheiben zertreten.

Der Angeklagte war nur einen Tag nach ihrer polizeilichen Aussage festgenommen worden. Bei seiner ersten Vernehmung hatte er die Vergewaltigungsvorwürfe bestritten, Schläge aber zugegeben. Nach seiner Version hat sich die Schülerin damals unbedingt mit ihm treffen wollen. Im Auto sei es dann erst zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gekommen, danach habe es dann Streit gegeben.

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