Prozessauftakt gegen Tankstellenräuber: Wer war der Mann mit dem bedrohlichen Blick?

mlzÜberfall in Westhofen

In Westhofen wird zweimal dieselbe Tankstelle überfallen. Der Täter ist maskiert – nur Nase und Augen sind zu sehen. Jetzt steht ein 46-Jähriger in Hagen vor Gericht.

Westhofen/Hagen

, 05.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Diesen Blick werde ich nie vergessen.“ Die 21-jährige Tankstellenkassiererin hat keinen Zweifel, dass der Angeklagte genau der Mann ist, der am 19. Dezember 2018 die Star-Tankstelle an der Reichshofstraße in Westhofen überfallen hat. Auch ihre Chefin, die damals mit im Verkaufsraum war, ist sich ganz sicher. Doch der Angeklagte bestreitet – und schweigt.

Die Tankstelle war bereits ein Jahr zuvor überfallen worden. Am 14. Dezember 2017 war dort zum ersten Mal ein mit Kapuzenpulli und Schal maskierter Mann aufgetaucht. Damals stand ein männlicher Mitarbeiter hinter dem Tresen. „Ey Alter, rück die Kohle raus.“ So oder so ähnlich soll sich der Täter damals ausgedrückt haben. In der Hand hielt er ein Messer. Die Beute: 1000 Euro.

Chefin schlägt Täter in die Flucht

Ein Jahr später der nächste Überfall. Diesmal wurde der Täter von der Tankstellenbetreiberin allerdings sofort in die Flucht geschlagen. Die 61-Jährige stürmte auf ihn zu, schrie ihn an: „Hau ab, hier kriegst Du nichts.“

Ihr forsches Auftreten hatte den Täter offenbar so verunsichert, dass er den Verkaufsraum ohne Beute verließ.

Anschließend hatte die Polizei ein Fahndungsfoto veröffentlicht und um Mithilfe der Bevölkerung gebeten. „Wir haben das Bild auch bei uns an der Tankstelle aufgehängt“, sagte die Chefin den Richtern am Hagener Landgericht. Ein paar Wochen später folgte die Festnahme.

Der Angeklagte wohnt in der Nachbarschaft, ist arbeitslos und angeblich ein Messi. Er soll wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Verletzung der Unterhaltspflicht vorbestraft sein. In seiner Wohnung hatte man damals unter anderem eine schwarze Lederjacke und einen schwarzen Kapuzenpulli gefunden. Genau die soll der Täter getragen haben.

"Er war es. Ich bin mir ganz sicher."

Aber reicht das aus? Und wie genau war die Beobachtung der Opfer? Im Gerichtssaal hat die Tankstellenbetreiberin den 46-Jährigen allerdings eindeutig als Täter identifiziert. „Er war es, ich bin mir ganz sicher“, sagte sie den Richtern. Und ihre frühere Angestellte fügte später hinzu: „Ich merke das schon daran, wie mein Körper reagiert.“ Das sei auch schon bei der Polizei so gewesen, als ihr Fotos vorgelegt worden seien.

Auch damals habe sie den Angeklagten auf den Bildern sofort wiedererkannt. Und zwar ebenfalls an den Augen.

Um den Wert der Aussagen einschätzen zu können, soll im Prozess auch ein Anthropologe gehört werden. Verteidiger Andreas Trode hat auf jeden Fall Zweifel. „Unser Ziel ist ein Freispruch“, sagte er am Rande des Prozesses.

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