Rätsel um mysteriöses Riesenloch ist gelüftet

Baustelle am Busbahnhof

Verdutzte Gesichter müssen die Arbeiter gemacht haben als sie am Busbahnhof auf das mehrere Meter tiefe und breite Loch gestoßen sind. Bis Donnerstag konnte sich niemand einen Reim darauf machen. Jetzt kann Stadtplaner Adrian Mork das Rätsel um das mysteriöse Loch lüften - und die Antwort hat etwas mit Bier zu tun.

SCHWERTE

, 15.04.2016, 03:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Als die letzten Brauerei-Gebäude bei der Vergrößerung des Bahnhofsvorplatzes im Jahre 1972 abgerissen wurden, markierte ein Stadt-Mitarbeiter die Lage des Tiefenbrunnens auf dem Bestandsplan. Er grenzt an das ehemalige Maschinenhaus, das damals direkt an der Beckestraße lag.

Als die letzten Brauerei-Gebäude bei der Vergrößerung des Bahnhofsvorplatzes im Jahre 1972 abgerissen wurden, markierte ein Stadt-Mitarbeiter die Lage des Tiefenbrunnens auf dem Bestandsplan. Er grenzt an das ehemalige Maschinenhaus, das damals direkt an der Beckestraße lag.

Das Rätsel des mysteriösen Riesenlochs auf dem Bahnhofsvorplatz ist geklärt. „Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um den Brunnen der Brauerei Ostermann“, berichtete Stadtplaner Adrian Mork nach aufwendigen Recherchen am Donnerstag.

Auch von den Dimensionen her passe das Bauwerk zu einer Brauerei, sagte Mork, der einen ähnlichen Schacht der Lindenbrauerei Unna kennt. Im Dunkeln liegt bislang nur noch, ob das hochgepumpte Wasser die Sudkessel für die Pilsherstellung oder nur die Dampfmaschine speiste.

Brunnenloch in alten Plänen markiert

„Wir freuen uns über ein Stück Stadtgeschichte“, erklärte Mork, der im Ruhrtalmuseum gemeinsam mit Stadtarchivarin Beate Schwierz und Heimatvereins-Vorsitzendem Uwe Fuhrmann alte Bücher, Fotoarchive und Pläne gewälzt hatte. Auf einem, den ein Stadt-Mitarbeiter im Jahre 1972 vor der letzten Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes gezeichnet hatte, ist der Brunnen sogar mit einem Ausrufezeichen eingetragen.

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Damals lagen der Schacht und das Kesselhaus der Brauerei noch direkt an der Beckestraße, deren Trasse erst bei dem Umbau viel näher an den Bahnhof herangeschwenkt wurde. Die mächtigen Bäume neben dem Haupteingang, die jetzt erhalten bleiben, hätten die nördliche Straßenseite markiert, berichtete Mork: „Der alte Kanal der Beckestraße verläuft auch immer noch quer über den Bahnhofsvorplatz.“

Letzte Brauereigebäude verschwanden 1972

Gleichzeitig verschwanden mit dem Abriss der Häuserzeile Beckestraße 3 bis 5 im Jahre 1972 die letzten Brauereigebäude, ergänzte Beate Schwierz. Der Brunnen wurde mit dem Wartebereich der zweiten Bushaltestelle überbaut. „Damals wurde sehr sorgfältig gearbeitet“, sagte Mork. In den Brunnen wurde kein Müll gekippt: „Der Schacht ist sauber bis unten.“

Dieser unproblematische Zustand lässt Überlegungen über die zukünftige Erhaltung des Brunnens zu. Als Rundmauerwerk – so Mork – sei er auch von der Statik her günstig: „Wir werden das untersuchen lassen und dann schauen, wie wir damit umgehen.“

Glasscheibe drauf und beleuchten?

Vorgeschlagen wurde Mork schon, den historischen Schacht mit einer Glasscheibe abzudecken und von unten her zu beleuchten. Ob derartige Träume umsetzbar sind, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Immerhin wird das Bauwerk wahrscheinlich künftig im Straßenbereich vor der neuen Bushaltestellen-Insel liegen.

Die Brauerei Wilhelm Ostermann an der Ecke Becke-/Gasstraße war die größte Schwerter Brauerei.
1910/11 zahlte sie mehr Gewerbesteuer als die Eisenindustrie (Hoesch).
Eine Dampfmaschine unterstützte ab 1883 die damals 15 Angestellten.
1918 endete die Produktion. Pferdefuhrwerke brachten die Sudkessel zur Stiftsbrauerei nach Hörde.
Das geschlossene Lokal „Zum Brauhaus“ neben Netto an der Bahnhofstraße erinnert an die Pils-Ära.
Eine Wiederbelebung des Schwerter Biers an der Rohrmeisterei liegt seit Jahren auf Eis.

 

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