Raus aus der Nische

HENNEN Die Ohler Mühle der Familie Deckert in Hennen war einer der ersten Höfe, die ökologische Landwirtschaft betrieben. Samstag feierte der "Bioland"-Verband NRW dort sein 25-jähriges Bestehen.

von Von Patricia Carlucci

, 19.09.2007, 19:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Heinz-Josef Thuneke, Uwe Deckert und Eckhard Uhlenberg (v.l.n.r.) feierten den Bioland-Geburtstag.

Heinz-Josef Thuneke, Uwe Deckert und Eckhard Uhlenberg (v.l.n.r.) feierten den Bioland-Geburtstag.

Jesuslatschen und selbst gestrickte Pullover waren gestern. Ökolandbau hat sich von seinem Nischendasein längst verabschiedet, beliefert heute sogar Discounter wie Lidl oder Plus.

Strenge Richtlinien

Aber während die Bio-Produkte dort meist aus dem Ausland stammen, steht der Verband "Bioland" für regionale organisch-biologische Landwirtschaft. Und für strenge Richtlinien: Tiere werden artgerecht gehalten, Tageslicht und Auslauf garantiert. Antibiotikum im Tierfutter: verboten.

Verzicht auf Gentechnik

Genau so wie künstliche Dotterfarbstoffe und hoher Kraftfuttereinsatz. Und beim Gemüse: Verzicht auf giftige Pflanzenschutzmittel und Gentechnik.

34 Bauern, Verarbeiter und Verbraucher gründeten 1982 den NRW-Verband "Bioland". Uwe Deckert wurde damals zum 1. Vorsitzenden gewählt. Am Samstag war der Biobauer stolzer Gastgeber für 500 Mitgliedsbetriebe. 60 Prozent aller organisierten Bio-Betriebe in NRW sind Mitglied bei "Bioland".

Schutz  der Öko-Felder

Auch NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) zählte zu den Gratulanten. Er lobte den Pioniergeist des Verbandes. "Es gäbe noch viele, die auf Ökolandbau umstellen könnten". Er versprach, sich "aktiv für die Förderung ökologischer Landwirtschaft" einzusetzen.

Ob das auch einen größeren Schutz der Öko-Felder vor Verunreinigung durch gentechnisch veränderte Pflanzen in der Umgebung umfasst, ist fraglich. "Gentechnik rückt uns immer mehr auf die Pelle", warnte Landesvorstand Heinz-Josef Thuneke und rief den Minister zu Maßnahmen auf. Dessen Parteikollege Seehofer hatte eine drastische Kürzung der Fördermittel für Ökolandbau angekündigt.

Eigener Markt geschaffen

Genug der Mahnung. Schließlich wollte man zum Geburtstag die Erfolge der vergangenen 25 Jahre feiern. "Wir haben einen eigenen Markt geschaffen", betonte Thuneke. "Das umfasst auch soziale Standards für die Beschäftigten". Gyso von Bonin vom befreundeten Demeter-Verband lobte die gute Zusammenarbeit für die gemeinsame Sache. Und die wird auch in den nächsten 25 Jahren mit Ehrgeiz verfolgt. Sie werden genau beobachten, was unter dem Bio-Dach geschieht: Denn: "Klasse und Masse, das ist manchmal ein Widerspruch".  

Lesen Sie jetzt