Rettungseinsatz auf dem Markt: Krankenwagen kam nicht bis zur Verletzten durch

mlzFrau verletzt

Zu einem Einsatz auf dem Wochenmarkt wurde die Feuerwehr am Mittwoch gerufen. Der Krankenwagen kam nicht an den Schirmen der Gastronomie vorbei. Die Diskussion um Rettungswege geht weiter.

Schwerte

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine ältere Dame ist am Mittwochmittag auf dem Schwerter Wochenmarkt aus bislang ungeklärter Ursache umgekippt. Ein Rettungswagen war schnell vor Ort, konnte aber nicht bis zu der Verletzten durchkommen. Die Sanitäter mussten zu Fuß weiter.

Der Vorfall entfacht die Diskussion um die neue Marktanordnung und die Einhaltung der Rettungswege erneut.

Für die Markthändler auf dem Wochenmarkt ist es die traurige Bestätigung von dem, was sie seit Bekanntgabe der neuen Stellpläne predigen: „Die Umbaumaßnahmen sind total sinnlos. Das hat man jetzt gesehen“, sagt Markus Spanell. Damals, als der Markt noch von der Markthandel Schwerte GmbH betrieben wurde, war er der Sprecher der Händler.

Händler fühlen sich im Abseits

Und er ist nicht allein mit seiner Meinung. Schon vor einigen Tagen hatte Reibekuchen-Händler Mario Schwiderowski die Zustände auf dem Markt angeprangert. Die pflichtgemäßen 3,50 Meter Rettungsweg seien eine Illusion. „Die Gastronomie rückt mit Tischen und Stühlen immer weiter nach vorne. Das sind nie im Leben noch die vorgegebenen Maße.“

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Und ja, für den neuen Marktplan hat die Stadt die Standfläche für Tische und Stühle an der Nordseite des Großen Marktes ausgeweitet. Aber auch so, dass Rettungswagen und Löschfahrzeuge Schwierigkeiten haben?

Tische, Stühle und Sonnenschirme gehören zum beweglichen Mobiliar, das hatte die Feuerwehr damals gesagt. Im Notfall würde man solches „wegruppeln“. Das hat aber scheinbar am Mittwoch nicht funktioniert.

„Ich kann kein Blaulicht hören“

Mario Schwiderowski sagt: „Es ist ja Glück im Unglück, dass es wohl keine lebensbedrohliche Verletzung war. Aber was, wenn es ein Herzinfarkt ist? Da zählt jede Sekunde.“

Bis zum zweiten Gastro-Sonnenschirm - gesehen von der Brückstraße aus - sei der Rettungswagen gekommen. Weiter ging es für das Fahrzeug nicht, die Sanitäter mussten mit der Trage zur Unfallstelle laufen, wo die ältere Damen zuvor umgekippt war.

Rettungseinsatz auf dem Markt: Krankenwagen kam nicht bis zur Verletzten durch

Mario Schwiderowski hat die Situation fotografiert, als der Krankenwagen an dem Sonnenschirm Halt machen musste. © Schwiderowski

Doch die Gastronomie bringt noch einmal einen ganz anderen Faktor ins Spiel: „Der Rettungswagen kam ohne Martinshorn hier an. Und nur Blaulicht höre ich halt nicht“, erklärt Filiz Süer vom spanischen Tapasrestaurant Lo‘Canta.

Krankenwagen ohne Martinshorn

Gerade als der Rettungswagen kam, habe sie ein Tablett in der Hand gehabt. Dann seien die Sanitäter aber schon aus dem Fahrzeug ausgestiegen und zur Unfallstelle gerannt. „So schnell konnte ich gar nicht handeln, natürlich wäre ich sofort zum Schirm gerannt und hätte ihn eingeklappt, wenn ich vorher die Sirenen gehört hätte.“

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Dass der Rettungswagen ohne Martinshorn auf den Marktplatz fahren wollte, hatte ihn auch schon kurz vorher am Eingang zum Platz aufgehalten. Ein Mitglied der Deutschen Marktgilde, die den Markt seit dem 1. Juni betreibt, erzählte im Gespräch mit der Redaktion, dass er die Pöller am Rand des Geländes erst wegnehmen konnte, als der Krankenwagen schon davor stand. Auch das habe wieder unnötige Zeit gekostet.

Die Feuerwehr wollte am Mittwoch noch keine Stellungnahme abgeben. Die Berichte lagen kurz nach dem Einsatz noch nicht in der Zentrale vor.

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