Roter Ziegelturm qualmte zu Dampflokzeiten

Serie "Was Häuser erzählen"

Mutterseelenallein im Schwerter Wald versteckt sich der rote Ziegelturm. Gut fünf Meter hoch ragt er wie ein steinerner Finger zwischen mächtigen Ahornstämmen empor. Unter dem Flachdach-Deckel ist eine vergitterte Öffnung auszumachen, die zu Dampflokzeiten mächtig rauchen konnte.

SCHWERTERHEIDE

, 18.08.2014, 18:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schichtmeister Helmut Eckhardt und der Abzugskamin des Tunnels im Schwerter Wald.

Schichtmeister Helmut Eckhardt und der Abzugskamin des Tunnels im Schwerter Wald.

Exakt 795 Meter lang ist die zweigleisige Röhre, die das teuerste Bauwerk der 1912 eröffneten Eisenbahnlinie bildete. Schon Jahre vorher waren die Bohrer auf der Heide und in der Aplerbecker Mark angesetzt worden, um sich später in der Mitte zu treffen. Im Dezember 1910 ereignete sich bei Sprengarbeiten ein schweres Unglück. Als man das Versagen eines Sprengsatzes überprüfen wollte, ging die Ladung plötzlich doch noch hoch. Ein Arbeiter zog sich so schwere Augenverletzungen zu. Er musste in die Hagener Augenklinik eingeliefert werden.

Gleichzeitig wurde der Lüftungsschacht in den Berg getrieben. "Abzugskamine wurden damals vorgesehen, wenn die Tunnel keine andere Dampfabzugsmöglichkeit hatten", erläutert ein Bahnsprecher. Dieser Fall trat in Schwerte ein, da die Strecke einen Knick im Höhenverlauf hat. Von beiden Tunnelausgängen steigt sie zur Mitte hin leicht an, wo sich der Qualm an der Oberseite des Tunnels sammelte. Durch den Kaminschacht konnte er ins Freie abziehen. Helmut Eckhardt, Schichtmeister vom Heideschicht 16, kennt den Weg zu dem geheimnisvollen Bauwerk. Am östlichen Ende des Mutter-Möller-Wegs stapft er über den Reitweg, immer parallel zum Waldesrand, keine zehn Minuten Richtung Aplerbeck hinunter, bis der Turm auf der linken Seite hinter Gesträuch hervorblickt.

"Kaffeehaus Tante Guste" hat irgendjemand vor langer Zeit samt Pfeil auf die Mauern geschrieben. Schon 50 Jahre sei es her, so schätzt Eckhardt, dass Wanderer in dem Aplerbecker Ausflugslokal noch Kuchen bestellen konnten. Auch der Rauchabzug ist eigentlich längst historisch. "Heute baut man keine Kamine mehr in Tunnel ein", weiß der Bahnsprecher. Warum auch? Die Züge haben sich schon Ende der 70er-Jahre das Rauchen abgewöhnt.

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