Imker Wolfgang Weber (64) kontrolliert die Einfluglöcher seiner Bienenstöcke. © Reinhard Schmitz
Hobby Imkerei

Ruhrauen-Honig: Wie eine Idee aus dem Café Herrlich dem Tierheim hilft

Rund ums „Reich des Wassers“ und die Amsel-Gärten sind bald wieder die Bienen unterwegs. Sie sammeln Nektar für den Original Schwerter Ruhrauenhonig. Die Imker haben damit Besonderes vor.

Bienen gibt es im Schwerter Tierheim nicht. Maja & Co. werden auch eher selten ausgesetzt. Aber sie tun etwas für andere Tiere, die in der Westhofener Auffangstation für ein neues Zuhause aufgepäppelt werden – ohne es zu wissen. An dieser Stelle kommt das Café Herrlich am Schwerter Marktplatz ins Spiel. Es war vor fast vier Jahren, als dort eines Abends die Tür aufging.

„Sollen wir zusammen mit dem Imkern anfangen?“

Herein kam Wolfgang Weber (64), der schnurstracks auf seinen Freund Can Karakus (51) zustrebte, den Ehemann der Wirtin Sivita Karakus. Denn er brachte eine Idee im Kopf mit. „Sollen wir zusammen mit dem Imkern anfangen?“, fragte er: „Könntest du dir das vorstellen?“ Und ob.

Can Karakus, der gerne freie Zeit in der Natur verbringt, sagte spontan zu. Eines war sofort klar: Geld wollten die beiden mit ihrem Hobby nicht verdienen. Sie setzten sich zum Ziel, den Überschuss jeweils an ausgewählte Hilfsprojekte zu spenden.

In seine vierte Saison als Hobby-Imker startet Can Karakus (51), der zusammen mit seinem Freund Wolfgang Weber mittlerweile sechs Bienenvölker betreut.
In seine vierte Saison als Hobby-Imker startet Can Karakus (51), der zusammen mit seinem Freund Wolfgang Weber mittlerweile sechs Bienenvölker betreut. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Doch wie macht man das überhaupt mit den Bienen? Bei den ersten Schritten gab der Imkerverein Schwerte tatkräftige Unterstützung. Auf einer Wiese an der Straße Im Reiche des Wassers, wo Can Karakus und Wolfgang Weber jetzt das ganze Jahr über ihre Bienenstöcke stehen haben, veranstaltete er damals noch Schulungen für Einsteiger.

„Die beiden waren immer kräftig dabei“, berichtet Vereins-Vorsitzender Bernd Böhle. Sie hatten auch das Glück, dass der Grundstückseigentümer Frank Goll ihnen sein Gelände kostenlos für die Bienenvölker zur Verfügung stellte und sogar benachbarte Räumlichkeiten, um die nötigen Gerätschaften zu lagern.

Rund 240.000 Bienen machen Schwerter Ruhrauenhonig

Der Standort ist optimal. Denn es war von Anfang an auch klar: Es sollte ein originaler Schwerter Honig werden. In den angrenzenden Gärten – nicht nur des „Amsel“-Vereins – mit ihren Kirsch-, Apfel- und Pflaumenbäumen sowie einem Meer von Blumen finden die Bienen genug Nahrung. Sie fliegen beim Nektarsammeln aber auch noch weiter, entfernen sich bis zu anderthalb Kilometer vom Stock. Wenn sie sich nicht für die Blüten der mächtigen Linden entscheiden, die beidseits die Straße zu ihrem Zuhause säumen.

Voraussichtlich ab Juni gibt es wieder den Schwerter Ruhrauenhonig bei Sivita Karakus im Café Herrlich. Die Vorräte aus der Saison 2020 sind ausverkauft.
Voraussichtlich ab Juni gibt es wieder den Schwerter Ruhrauenhonig bei Sivita Karakus im Café Herrlich. Die Vorräte aus der Saison 2020 sind ausverkauft. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Mittlerweile besitzen die beiden Neu-Imker schon sechs Völker, jedes im Moment etwa 5.000 bis 10.000 Bienen stark. Bis zum Sommer werden sie sich auf jeweils rund 40.000 Bienen vervielfachen. Gut durch den Winter gekommen sind sie, wie Can Karakus erfreut feststellt.

Mit der flachen Hand kann er ihre Wärme spüren, wenn er vorsichtig die hölzernen Deckel der Bienenkästen öffnet. Einzelne kommen auch schon an den Waben nach oben gekrabbelt. Sobald das Wetter ein bisschen schöner ist, wollen die Mutigsten losstürmen, um erst einmal ihren Durst auf Wasser zu stillen.

Voraussichtlich ab Juni gibt es wieder Gläser im Café Herrlich

Unglaublich, was die kleinen Sammler dann später leisten. Rund 20 bis 25 Kilogramm Honig pro Volk – so berichtet Wolfgang Weber – können dann im Haus aus den Waben geschleudert werden: „Sommerblüten- oder Frühjahrsblütenhonig.“

Unter der schützenden Plastikhaube des Bienenstocks krabbeln bereits die ersten Honigsammler nach oben.
Unter der schützenden Plastikhaube des Bienenstocks krabbeln bereits die ersten Honigsammler nach oben. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Auf den baut Café-Herrlich-Chefin Sivita Karakus jedes Mal, um ihrer Senfsoße die besondere Note zu geben. In ihrem Lokal werden die Gläser – derzeit ist alles ausverkauft – voraussichtlich ab Juni wieder zu haben sein. Gäste, Freunde und Bekannte können den Nachschub kaum erwarten.

In der Honigsaison 2020 kamen auf diese Weise insgesamt 750 Euro an Überschüssen zusammen, die das Imkerteam vom Café Herrlich an drei Organisationen spendete: Freuen konnte sich nicht nur das Tierheim Schwerte.

Weiteres Geld unterstützte über das Aktionsbündnis „Deutschland hilft“ hungernde Kinder im Jemen sowie krebskranke Menschen in Afghanistan. Damals waren erst vier Bienenvölker für die Aktion im Einsatz. Jetzt sind sechs für den Schwerter Ruhrauenhonig unterwegs.

Imkerverein Schwerte
  • Die beiden Jung-Imker Can Karakus und Wolfgang Weber haben sich dem Imkerverein Schwerte angeschlossen.
  • Der traditionsreiche Verein hat derzeit rund 40 Mitglieder. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben, der Altersdurchschnitt sogar gesunken.
  • Derzeit bereitet man sich darauf vor, beim Amtsgericht zu einem „eingetragenen Verein“ (e.V.) zu werden. Die entsprechend angepasste Mustersatzung des Landesverbands liegt einem Notar und dem Finanzamt zur Prüfung vor. Die neue Rechtsform soll den Vorteil der Gemeinnützigkeit bringen, was das Ausstellen von Spendenquittungen ermöglicht. Außerdem wird das Problem der Haftungsfrage gelöst.
  • Für Einsteiger sollen ab Anfang April wieder regelmäßig Schnuppermöglichkeiten angeboten werden. Der Ort ist noch offen. Derzeit läuft das Vereinsleben wegen der Corona-Beschränkungen nur über Videokonferenzen.
  • Kontakt: Wer sich für das Hobby Imkerei interessiert, erreicht den Vereinsvorsitzenden Bernd Böhle unter Tel. (02304) 237740 oder per E-Mail an: bernd.boehle@schwerte.de
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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